Bundesanwaltschaft fordert harte Bestrafung von Ex-Banker

Ein früherer Morgan-Stanley-Manager soll eine Freiheitsstrafe von fast drei Jahren bekommen.

Am Bundesstrafgericht in Bellinzona wird der Fall des Ex-Bankers von Morgan Stanley verhandelt. (Keystone/Alessandro Crinari/Archiv)

Am Bundesstrafgericht in Bellinzona wird der Fall des Ex-Bankers von Morgan Stanley verhandelt. (Keystone/Alessandro Crinari/Archiv)

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Selten stehen hochrangige Banker in der Schweiz wegen mutmasslicher Vermögensdelikte vor Gericht. Noch seltener drohen ­ihnen empfindliche Strafen. Doch bei einem früheren Privatkunden-Chef von Morgan Stanley für Europa, den Nahen Osten und Afrika ist beides der Fall.

Die Bundesanwaltschaft (BA) will ein Zeichen setzen im Kampf gegen Geldwäscherei über die Schweiz. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von 34 Monaten für den Ex-Topbanker, der von Zürich und London aus operierte. Die BA hält eine teilbedingte Freiheitsstrafe für angemessen. Laut ihr sollten 20 Monate auf Bewährung ausgesprochen werden. Die restlichen 14 Monate wären unbedingt. Damit müsste der Ex-Banker nur noch kurz ins Gefängnis. Er hat bereits fast ein Jahr in U-Haft verbracht, was angerechnet wird.

Lausige Fälschungen

In seinem Plädoyer zeigte sich Staatsanwalt Urs Köhli überzeugt, dass sich der griechisch-deutsche Doppelbürger der schweren Geldwäsche und Veruntreuung schuldig gemacht habe. Dem Beschuldigten, der am rechten Zürichseeufer lebt, sei bewusst gewesen, dass er Millionen für den hochkorrupten ehemaligen griechischen Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos gewaschen habe.

Laut BA sprechen unter anderem falsche und lügenhafte Angaben in den Bankunterlagen dafür, dass der Privatbanker von Anfang an wusste, dass sein Kunde ein Strohmann für den sozialistischen Politiker war. Als das Schwarzgeld bei Morgan Stanley im Jahr 2011 aufzufliegen drohte, habe er zudem illegal eine Million Franken für sich und einen Freund abgezweigt. Diese Veruntreuung habe man mit gefälschten Kunstverkaufsverträgen und lausigen Fake-E-Mails zu kaschieren versucht.

Die Verteidigung fordert einen Freispruch. Der Beschuldigte habe nichts gewusst von einem möglichen kriminellen Ursprung der Millionen. Das Geld sei vollständig von anderen Banken in der Schweiz zu Morgan Stanley nach Zürich geflossen.

Falscher Vorwurf an Blocher

Für die Verteidigung ist der Kronzeuge, der griechische Strohmann, völlig unglaubhaft. Seine Aussagen haben zur Verurteilung des Ex-Ministers in Griechenland beigetragen. Auch die Bundesanwaltschaft stützt sich nun darauf ab. Die Verteidigung wirft der BA vor, sie habe mit unzulässigen Tricks und Geheimabsprachen eine unvoreingenommene Einvernahme des Strohmanns torpediert.

Um aufzuzeigen, dass der Kronzeuge falsch aussagte, erwähnte Anwalt Oliver Kunz, wie er fälschlicherweise Alt-Bundesrat Christoph Blocher belastete: Der griechische Ex-Verteidigungsminister habe – so die Falschaussage – den Schweizer Justizminister geschmiert. So sei die Offenlegung seines Schwarzgelds vorerst erfolgreich verhindert worden.

Das Urteil wird voraussichtlich in einer Woche verkündet.

(Fall SK. 2018.73)

Erstellt: 22.08.2019, 21:16 Uhr

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