Carlos Ghosn tritt als Renault-Chef zurück

Nach dem Rücktritt des in Japan inhaftierten Konzernchefs Carlos Ghosn hat Renault bereits eine neue Führung eingesetzt.

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Wie der Verwaltungsrat des Autoherstellers am Donnerstag in Boulogne-Billancourt bei Paris mitteilte, werden Carlos Ghosns Kompetenzen aufgeteilt. Sein bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré leite nun als Generaldirektor dauerhaft das operative Geschäft. Der scheidende Michelin-Chef Jean-Dominique Senard übernehme den Präsidentenposten im Renault-Verwaltungsrat.

Senard (65) sei für die Auto-Allianz mit dem japanischen Hersteller Nissan verantwortlich, hiess es in der Mitteilung. Ghosn war am Mittwochabend als Renault-Chef zurückgetreten, wie Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Morgen gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte. Der französische Staat ist mit 15 Prozent grösster Anteilseigner von Renault.

Kooperation beschleunigen

Ghosn war einst treibende Kraft hinter der Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Seit seiner Verhaftung wankt das Bündnis. Die neue Renault-Spitze soll jetzt die Wogen glätten. Zu einem späteren Zeitpunkt soll zudem erneut an einer Änderung der Beteiligungsstruktur gearbeitet werden. Renault besitzt gut 43 Prozent an Nissan, die Japaner wiederum sind mit 15 Prozent an dem französischen Autobauer beteiligt.

Nissan hiess die Einsetzung einer neuen Führung beim Allianz-Partner gut. «Wir begrüssen diese Management-Wechsel bei Renault», erklärte Nissan-Chef Hiroto Saikawa am späten Donnerstagabend (Ortszeit).

Der japanische Partner will die Kooperation mit den Franzosen nun beschleunigen. Er wünsche sich ein Treffen mit der neuen Konzernführung so bald wie möglich, sagte Nissan-Chef Saikawa. Er habe keinen Vorschlag von Renault erhalten, die beiden Unternehmen zu fusionieren.

Die beiden Konzerne sind wechselseitig aneinander beteiligt. Zu der Allianz gehört auch der japanische Hersteller Mitsubishi Motors. Renault hält 43,4 Prozent der Anteile an Nissan, die Japaner ihrerseits 34 Prozent an Mitsubishi. Nissan ist zu 15 Prozent an Renault beteiligt, hat aber dabei keine Stimmrechte.

Vorwurf des finanziellen Fehlverhaltens

Der 64-jährige Ghosn war am 19. November in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstosses gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Bis zu einem Prozess könnten noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Topmanager seine Unschuld beteuert. Ghosn hatte Nissan einst vor der nahen Pleite gerettet und schmiedete aus Nissan, Renault und Mitsubishi Motors eine mächtige internationale Allianz. (sep/sda)

Erstellt: 24.01.2019, 09:08 Uhr

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