Coca-Cola ist out

Die Nachfrage nach zuckerhaltigen Getränken sinkt. Getränkemultis wie Coca-Cola und Pepsi leiden unter diesem Wandel. Nun sollen neue Produkte helfen.

Gut und gesund: Das aromatisierte Tafelwasser Lacroix erlebt in den USA einen Boom. Foto: Getty Images

Gut und gesund: Das aromatisierte Tafelwasser Lacroix erlebt in den USA einen Boom. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

LaCroix ist ein Phänomen. In kitschig-bunten Dosen und mit Geschmacksrichtungen von Mango über Grapefruit bis Kokosnuss hat das Getränk einen Hype ausgelöst. Millennials schwärmen auf den sozialen Netzwerken, Fernsehmoderatoren huldigen ihm am Bildschirm, und die «New York Times» hat eine Lobeshymne verfasst. LaCroix steht zwar seit 1981 in den Regalen, ein Erfolg ist das aromatisch angereicherte Tafelwasser aber erst in jüngerer Zeit geworden. Aus einem einfachen Grund.

Das von National Beverage entwickelte Getränk enthält weder Zucker noch künstliche Süssstoffe und hat keine Kalorien. Es besteht einzig aus Tafelwasser und natürlichen Aromastoffen. Damit ist es gesundheitsbewussten Amerikanern ein Ersatz für die zuckerhaltigen Getränke Cola, Fanta und Co. Denn die finden immer weniger Nachfrage. Seit zwölf Jahren ist der Konsum von Süssgetränken rückläufig. Gestiegen ist hingegen derjenige von Wasser (vgl. Grafik unten).

Marktentwicklung

Grafik vergrössern

Coca-Cola und Pepsico leiden unter dem Wandel. In den USA kommen die beiden auf einen Marktanteil von 40 Prozent bei Süssgetränken (vgl. Grafik unten). Als Reaktion hat sich Coca-Cola die Reduktion des Zuckergehalts auf die Fahne geschrieben. Laut Hope Lee vom Marktbeobachter Euromonitor zeigt sich das in der Zero-Linie und den Getränken, die mit Stevia gesüsst werden. Stevia ist ein pflanzlicher Süssstoff, der beispielsweise bei Coca-Cola Life eingesetzt wird. «Bis zum ersten Quartal 2018 wird Coca-Cola Zero in allen Schlüsselmärkten eingeführt sein», schreibt Lee in einem Kommentar.

Süssgetränke

Grafik vergrössern

Wie herausfordernd die Situation ist, zeigt Diet Coke. 1982 wurde das Getränk als gesündere Variante von Coca-Cola eingeführt. Gesünder als das zuckerfreie und kalorienlose LaCroix ist es heute aber nicht mehr. Es ist zwar weiterhin das drittbeliebteste Süssgetränk in den USA. Der Umsatz von Diet Coke sinkt aber laut der Branchenpublikation «Beverage Digest» seit 2006 Jahr für Jahr.

Ob Coca-Cola diesen Trend umkehren kann, wird sich bald zeigen. Denn seit Januar stehen neben dem klassischen Diet Coke vier neue Varianten im Regal. Sie erinnern mit ihren fruchtigen Geschmacksrichtungen stark an LaCroix.

Zudem hat Coca-Cola im Oktober den Tafelwasserproduzenten Topo Chico aus Mexiko für 220 Millionen Franken übernommen. Topo Chico hat wie LaCroix auch Mineralwasser mit Geschmacksrichtungen auf Lager. Dank der Vertriebskanäle von Coca-Cola soll die bisher besonders in Texas beliebte Marke auch im Rest der USA zulegen. Derzeit ist Topo Chico nur die sechstwichtigste Marke in diesem Marktsegment, das 2017 laut Euromonitor 15 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar zugelegt hat (vgl. Grafik unten).

Grösste Tafelwassermarken

Grafik vergrössern

Auch Pepsico will an diesem Wachstum partizipieren. Das Unternehmen mit Marken wie Pepsi, Lipton und Gatorade hat aber einen anderen Weg gewählt. Es hat Anfang Februar bekanntgegeben, dass es mit der Marke Bubly ins Geschäft mit aromatisiertem Mineralwasser einsteigen will. Pepsico spürt weniger Druck als Coca-Cola, da sie dank des Lebensmittelbereichs mit Marken wie Doritos und Cheetos diversifizierter ist als Coca-Cola. Jeden zweiten Dollar setzt Pepsico mit Nahrungsmitteln um. Dennoch läuft auch bei Pepsico derzeit nicht alles rund.

So haben die beiden Unternehmen mit den Zahlen zum vierten Quartal zwar die Erwartungen der Analysten übertroffen, vollständig überzeugen konnten sie aber nicht. Pepsico leidet im Hauptmarkt Nordamerika, wo der Umsatz in der Getränkesparte 6 Prozent zurückging. Einzig wegen der erfreulichen Entwicklung in denanderen Weltgegenden konnte PepsiCo ein Umsatzplus ausweisen. Trotz der durchwachsenen Zahlen kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 15 Milliarden Dollar sowie eine Dividendenerhöhung von 15 Prozent an.

Marktentwicklung aller Anbieter

Grafik vergrössern

Coca-Cola konnte für das vierte Quartal stabile Volumen ausweisen. Wachstum in den Bereichen Wasser und Tee kompensierte den Rückgang bei den Süssgetränken. Trotzdem rechnet das Unternehmen mit einem organischen Umsatzwachstum von 4 Prozent im laufenden Jahr, was die Analysten der Grossbank J. P. Morgan als beeindruckend bezeichnen. Wegen der weiterhin wenig rosigen Aussichten drängt sich derzeit weder in Coca-Cola noch in Pepsico eine Investition auf.

Erstellt: 27.02.2018, 09:20 Uhr

Artikel zum Thema

Coca-Cola benennt «Fuzetea» für über eine Million Franken um

In 27 Ländern lanciert Coca-Cola einen neuen Eistee. Für die Schweiz ändert der Konzern vorsorglich den Namen. Mehr...

Milliardärsfamilie macht Coca-Cola Konkurrenz

Der deutsche Familienclan Reimann kauft für 18,7 Milliarden Dollar den Brausehersteller Dr Pepper und schafft so ein riesiges Getränkeimperium. Mehr...

«Das Gehirn reagiert wie auf Kokain»

Interview #12 Zucker sei böse und töte, sagt Bestsellerautor Hans-Ulrich Grimm – und fordert, dass eine Coca-Cola 12 Franken kosten müsse. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Vom Liebling Hitlers zum Verräter

Mamablog Aufklärung schützt vor sexueller Gewalt

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...