Weniger Cola zum gleichen Preis

Coca-Cola gibts in der Schweiz künftig nur noch in einer 450-ml-Flasche. Der Konsumentenschutz kritisiert die «versteckte Preiserhöhung».

Der Trend gehe zu kleineren Flaschen, sagt Coca-Cola: Getränke des Herstellers in einem französischen Supermarkt. Bild: Reuters

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Die Schweizer Abteilung der Coca-Cola Hellenic Bottling Company (HBC) scheint sich an einen Werbeslogan aus den 70er-Jahren zu erinnern: «Coke macht mehr draus». Der Getränkehersteller will nämlich mit Cola, Fanta, Sprite und weiteren Getränken ab dem kommenden April mehr Geld machen. Statt den Preis zu erhöhen, passt Coca-Cola in der ganzen Schweiz die Verpackung an. Die 500-ml-PET-Flasche wird um einen Flaschenkopf kleiner, also zwei Zentimeter, sowie rund zwei Millimeter dünner. Künftig fassen die Flaschen bloss noch 450 ml. Der Preis bleibt jedoch gleich. Dies entspricht einer Erhöhung von 11 Prozent. Die 1-Liter-Flasche verschwindet gar ganz vom Markt. Dafür führt Coca-Cola eine 750-ml-Flasche ein. Angepasst wird auch das Design der Flasche. So wird der Brand in die PET-Flasche eingraviert.

Intern längst informiert

Seine rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Unternehmen Anfang Dezember in ­Sitzungen sowie mit «Vertraulich» gekennzeichneten E-Mails informiert. Vor zwei Wochen wurden die beiden grössten Kunden Migros und Coop über die Änderungen informiert. Hergestellt werden die aktuellen Flaschen noch bis Mitte März – dann produziert Coca-Cola bloss noch die neuen Flaschen, die Mitte April in die Läden kommen sollen.

Intern machte man der Belegschaft klar, dass es sich bei den Änderungen um eine Optimierung der Kosten handelt. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde aber auch gesagt, dass der Entscheid gegen aussen anders kommuniziert werde, wenn es zu Medienanfragen kommen sollte. Ein Statement habe man bereits vorbereitet.

Die Medienstelle brauchte gestern dann dennoch bis zum späten Abend, bis sie auf einen ausführlichen Fragebogen mit einem allgemeinen Statement in wenigen Sätzen reagierte. Sie bestätigte die Einführung der neuen Flaschen und sagte, Coca-Cola passe die Verpackungen laufend an und sehe eine Tendenz zu kleineren Grössen. Man bekenne sich zum Standort Schweiz, müsse aber auch die ­lokalen Kosten bewältigen, die über die vergangenen Jahre konstant hoch gewesen seien. Man biete zudem weiterhin wettbewerbsfähige Preise an.

«Versteckte Preiserhöhung»

Für Prisca Birrer-Heimo ist klar: «Am Produkt ändert Coca-Cola offenbar nichts, deshalb ist das nichts anderes als eine versteckte Preiserhöhung.» Für die ­Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz ist dies ein ausgesprochen kundenunfreundliches Gebaren. «Wir haben in der Vergangenheit schon mehrfach kritisiert, dass Unternehmen die Verpackung ändern und damit die Preise erhöhen.» Zu diesen Vorwürfen nimmt Coca-Cola keine Stellung.

«In Coca-Cola steckt mehr Schweiz, als man denkt»: Matrosen des Basler Schulschiffs Leventina mit dem Süssgetränk Anfang der 60er-Jahre. Foto: Getty Images

Auch die beiden grössten Abnehmer der Coca-Cola-Getränke in der Schweiz geben sich wortkarg. «Wir sind in Gesprächen mit Coca-Cola und können uns gegenwärtig nicht öffentlich dazu äussern», schreibt etwa Coop. Die Migros bestätigt, dass sie vonseiten Coca-Colas über die beabsichtigte Änderung informiert worden seien und diese in Bezug auf die zukünftige Sortimentsgestaltung prüften.

Nicht äussern wollen sie sich dazu, ob sie die Preise der Cola-Flaschen künftig anpassen. Im Coop und in der Migros kosten die 500-ml-Flaschen 1.35 Franken. Da der Einkauf bei Coca-Cola für den Grossverteiler gleich teuer bleiben soll, ist nicht damit zu rechnen, dass sie die Preiser­höhungen für den Kunden ausgleichen. Gemäss Erfahrung der Konsumentenschützerin mit ähnlichen Fällen geschehe dies meistens nicht. Wie gross die Margen der Grossverteiler sind, bleibe jedoch nach wie vor verborgen.

Im Vertrieb rechnet Coca-Cola HBC mit keinen grossen Veränderungen, wie man sich intern erzählt. Dabei stützt sich die Firma auf den italienischen Markt, wo die neue verkleinerte Flasche bereits vor einem Jahr eingeführt worden ist. Die Coca-Cola Hellenic Bottling Company mit Sitz in Zug ist in fast 30 Ländern aktiv. Von den Nachbarländern ist neben Italien noch Österreich Teil dieses Verbundes. Dort wird weiterhin die herkömmliche 500-ml-Flasche verkauft, eine entsprechende Änderung werde aber diskutiert, heisst es in Coca-Cola-Dokumenten.

Parallelimporte möglich

Den Vertreibern von Coca-Cola in der Schweiz wäre es möglich, die Flaschen zu entsprechenden Konditionen in anderen Ländern zu beziehen. Zu diesem Mittel griffen in der Vergangenheit – zumindest zeitweise – Discounter wie Denner, Lidl oder Migrolino. Zu entsprechenden Parallelimporten wollten sich weder Coop noch Migros äussern. Es ist aber gut möglich, dass sie in den Verhandlungen ein Thema werden. Das Argument von Coca-Cola darauf: In den Verhandlungen betont der Konzern jeweils, wie wichtig der Standort der Abfüllanlage in Dietlikon für die Schweizer Wirtschaft ist. Schliesslich lautet der aktuelle Werbespruch von Coca Cola HBC auch: «In Coca-Cola steckt mehr Schweiz, als man denkt». Ab April wird in den ­Flaschen vor allem weniger Coca-Cola drinstecken.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 24.01.2019, 22:01 Uhr

Neue Verpackung, weniger Inhalt, gleicher Preis: Ein weitverbreiteter Trick

Der Trick, den Coca-Cola bei den neuen Flaschen in der Schweiz anwendet, ist simpel und weitverbreitet: Hersteller designen eine Verpackung neu, verkleinern den Inhalt und halten am Preis fest. Bei der Verbraucherzentrale Hamburg gehen jedes Jahr nach eigenen Angaben weit über 1000 Beobachtungen von solchen versteckten Preiserhöhungen ein. Die Organisation nennt das: «Weniger drin, Preis gleich». Auch in der Schweiz dokumentiert die Stiftung für Konsumentenschutz regelmässig die Tricks der Hersteller. Folgende drei Beispiele haben in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt:

San-Pellegrino-Mineralwasser



Nestlé ist der grösste Konkurrent von Coca-Cola und vertreibt unter anderem das Mineralwasser von San Pellegrino. Diese Flasche hat der Konzern im Sommer 2017 von 1,5 auf 1,25 Liter angepasst. Damit verbunden: eine Preiser­höhung von 10 Rappen pro Liter.

Mövenpick-Glacékübelchen



Im vergangenen April verkleinerte Mövenpick ihre Glacékübelchen. Nach einem Redesign fasste dieses bloss noch 165 statt 175 Milliliter. Der Preis blieb gleich. Die Verteuerung begründete Mövenpick mit dem «ergonomisch verbesserten» Löffelchen.

Parfüm von Essence



Im Oktober machte die Stiftung für Konsumentenschutz publik, das Eau de Toilette von Essence gebe es nur noch im 10-Milliliter-Fläschchen – dafür doppelt so teuer. Migros verteidigte den Hersteller: Kleine Mengen seien im Vergleich zu grösseren eben teurer. (zac)

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