Comparis-Konkurrent zieht sich aus der Schweiz zurück

Verivox, eine Tochterfirma von ProsiebenSat1, stoppt ihre Offensive gegen die Marktführerin.

«Die Geissens», Carmen und Robert Geiss, waren die Schweizer Werbegesichter für Verivox. <nobr>Foto: PD</nobr>

«Die Geissens», Carmen und Robert Geiss, waren die Schweizer Werbegesichter für Verivox. Foto: PD

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«Rooooobert, wir geben viel zu viel Geld für Autos aus», zeigt sich Carmen Geiss entrüstet. Die TV-Prominente rechnet vor, dass dank dem Onlinevergleichsportal Verivox bei der Autoversicherung Geld gespart werden kann. Niemand Geringeres als die deutsche Millionärsfamilie Geissen hätte den Schweizerinnen und Schweizern zeigen sollen, wie sie bei Versicherungen, Handytarifen oder der Immobilienfinanzierung günstiger fahren. In Videospots warben die Geissens nach dem Markteintritt in der Schweiz vor genau drei Jahren für Verivox.

Nun hat das Tochterunternehmen der Mediengruppe ProsiebenSat1 genug. Es hat seine Schweizer Niederlassung geschlossen. «Wir sagen ‹Adé› – Verivox stellt seine Geschäfts­tätigkeit in der Schweiz vorerst ein, um sich auf den deutschen Markt zu konzentrieren», steht auf der Website.

Nicht auf Touren gekommen

Am 1. September 2016 startete Ve­ri­vox mit grossen Plänen auf dem hiesigen Markt. In Deutschland ist der Vergleichsdienst neben Check24 Markt­führer. In der Schweiz trat er gegen Platzhirsch Comparis und weitere Anbieter wie Moneyland, Dschungelkompass und Anivo an.

Was ist der Grund für das ­kurze Gastspiel? «Für uns ist in der Schweiz vor allem das Geschäft mit Expertisen zu Stromtarifen interessant», sagt Ve­ri­vox-Sprecherin Sabrina Sassen. Da die vollständige Liberalisierung durch den Bund weiter auf sich warten lässt, ziehe man sich nun zurück und konzen­triere sich auf den deutschen Markt. «Von der Schliessung sind zwei Stellen in der Schweiz betroffen. Den beiden Personen wurde gekündigt», sagt Sabrina Sassen. Ein Wiedereintritt in den hiesigen Markt zu einem späteren Zeitpunkt bleibe eine Option.

In der Branche zeigt man sich wenig überrascht über den Rückzug, denn Verivox blieb bei den Konsumenten weitgehend unbekannt. Dabei rüsteten die Deutschen einst kräftig auf, um den Schweizer Markt zu erobern. So warben sie den bekannten Telecomfachmann Ralf Beyeler von Comparis ab. Mit Kommunikationsfrau Sabine Östlund stiess eine weitere langjährige Mitarbeiterin von Comparis zum Team. Doch beide verliessen Verivox nach eineinhalb Jahren wieder.

Nach dem schnellen Aufbau beschäftigte Verivox in den Zürcher Büros beim Utoquai bis zu fünf Personen. Weil das Geschäft nicht auf Touren kam und die ­erfahrenen Mitarbeiter gingen, kam der Abbau und schliesslich das Aus vor wenigen Tagen ebenfalls schnell.

Übermächtige Comparis

Dass der Grund für den Rückzug aus der Schweiz alleine an der ausbleibenden Liberalisierung des Strommarktes liegt, bezweifeln Kenner der Branche. Vielmehr dürfte es an der Übermacht von Comparis und dem starken Wettbewerb liegen, wie zu hören ist. Comparis gibt es bereits seit 23 Jahren, das Unternehmen beschäftigt hierzulande rund180 Personen.

Anfänglich war der Onlinedienstleister für Offertenvergleiche von Krankenversicherungen bekannt. In den vergangenen Jahren baute Comparis das Vergleichsangebot markant aus. Mittlerweile gibt es von Comparis auch Tipps zum Immobilienmarkt, zu Medikamentenpreisen, Privatkrediten und Anbietern von Kreditkarten.

Erstellt: 28.08.2019, 16:40 Uhr

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