Computer zu vermieten

Antonio Neri stellt das Geschäftsmodell von Hewlett Packard radikal um. Er will Produkte nicht mehr verkaufen.

Der Technologiekonzern Hewlett Packard setzt auf Rechenzentren und Datenwolke. Foto: Michel Euler (Keystone)

Der Technologiekonzern Hewlett Packard setzt auf Rechenzentren und Datenwolke. Foto: Michel Euler (Keystone)

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Natürlich hat Antonio Neri das Rad nicht neu erfunden. Doch steuert der Chef des Technologiekonzerns Hewlett Packard Enterprise (HPE) das Gespräch ganz schnell zu diesem, ihm wichtigen Thema. «In drei Jahren werden wir alles, was wir haben, als Service anbieten.» Die Menschen, vor allem die jüngeren, wollen lieber Nutzer als Eigentümer sein.

Genau dieses Prinzip will Neri nun auf Unternehmensebene anwenden: Von kommendem Jahr an werde HPE seine Produkte nicht mehr verkaufen, sondern über Abo-Modelle zum Gebrauch anbieten, sagt er. «Die Kunden wählen, was sie möchten, wie viel sie möchten, wo sie es möchten – und sie bezahlen nur, was sie verbrauchen.» Er reagiert damit auf Konkurrenten wie Salesforce oder Amazon Web Services (AWS), die traditionelle IT-Unternehmen mit Abo-Angeboten unter Druck setzen. Neri will alles als Dienst­leistung anbieten, Server und Software. Er hat inzwischen den Slogan «Everything as a Service» ausgerufen: «Das könnte der grösste Wandel in der Geschichte dieser Firma sein.»

Mieten ist das neue Kaufen

Ein Unternehmen soll künftig keine Hardware-Systeme samt zugehöriger Management-Software mehr kaufen, sondern HPE damit beauftragen, all die Systeme in den Rechenzentren dieses Unternehmens zu installieren und zu verwalten. Das ist eine Abkehr vom Gedanken, dass sämtliche Daten in der Cloud gespeichert werden müssten, wie es zum Beispiel Firmen wie AWS, Google oder Azure anbieten. Das Alleinstellungsmerkmal von HPE soll eine Hybridlösung aus internen Rechenzentren und Datenwolke sein. Deshalb hat der Konzern kürzlich den Supercomputer-Hersteller Cray für 1,3 Milliarden Dollar übernommen und eine Kooperation mit Google im Bereich Cloud-Computing vereinbart. Neri: «Wir haben festgestellt, dass viele Firmen die heiklen Daten gern in den eigenen vier Wänden behalten.»

Datenmenge steigt

Antonio Neri hat das Angebot mit dem Namen Greenlake bereits 2017 gestartet und möchte es nun erheblich ausbauen. Gemäss eigenen Angaben hat HPE mehr als 600 Kunden weltweit dafür gewonnen und setzte in dem Bereich 2,8 Milliarden Dollar um, etwa 10 Prozent des Gesamtumsatzes. Nun soll das Angebot auf mittelständische Firmen ausgeweitet werden, die Einnahmen auf 30 Prozent des Gesamtumsatzes wachsen. «Wir erfinden keinen neuen Markt, sondern reagieren darauf, dass die Datenmenge auch weiterhin explodieren wird», erklärt er. «Diese Daten müssen verarbeitet werden, durch künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Analyse, Modelle, Simulationen.»

Vor seiner Berufung an die Firmenspitze hat der 52-Jährige unter anderem den Bereich Flex-Capacity geleitet, der nun Greenlake heisst und von dem HPE glaubt, dass er die grössten Wachstumschancen besitzt.

Viele Verleihe sind nicht profitabel

«Mit dieser Strategie kann HPE relevant bleiben», sagt Jean Atelsek von der Analysefirma 451 Research. Sie glaubt, dass die Konzentration auf Abo-Modelle und vor allem der Zeitplan von lediglich drei Jahren für die komplette Umstellung des Geschäftsmodells zwar sehr kühn, aber nachvollziehbar sei: «Es ist eine Reaktion darauf, was Kunden heutzutage erwarten. Amazon, Microsoft und Google haben mit ihren Netzwerken den anderen das Mittagessen geklaut. HPE bietet eine einfache Lösung, das kann für Kunden attraktiv sein.»

Allerdings: Viele Firmen im Silicon Valley, die Abo-Services anbieten, sind nicht profitabel. «Wir müssen Geld verdienen, das stimmt natürlich. Die Budgets werden nicht grösser, und man kann bei einem Abo-Modell schnell reagieren, wenn man kleiner werden muss», sagt Neri. Was ihn optimistisch stimmt: Die Datenmenge steigt kontinuierlich an. «Wer 10 Prozent eines Billionenmarktes bekommt, der bekommt 100 Milliarden Dollar. Das ist schon sehr viel Geld.»

Erstellt: 01.07.2019, 21:41 Uhr

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