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Credit Suisse holt sich frisches Kapital

Die Grossbank stärkt rasch ihr Eigenkapital. Sie will über 15 Milliarden Franken beschaffen, gut die Hälfte davon sofort. Auch eine weitere Sparrunde folgt. Zudem wurde das Quartalsergebnis präsentiert.

Die Schweizer Grossbank meldet für das zweite Quartal einen Gewinn von 788 Millionen Franken: Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. (Archivbild)
Die Schweizer Grossbank meldet für das zweite Quartal einen Gewinn von 788 Millionen Franken: Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich. (Archivbild)
Keystone

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS) reagiert auf die Kritik einer zu schwachen Kapitalisierung und kündigt eine rasche Stärkung ihres Eigenkapitals an. Insgesamt soll durch eine Reihe von Massnahmen Kapital in der Höhe von 15,3 Milliarden Franken beschafft werden. 8,7 Milliarden Franken davon werden gemäss CS durch sofortige Massnahmen realisiert.

Mit der Ankündigung, rasch die Eigenkapitalbasis zu stärken, hat die Credit Suisse bei den Anlegern offensichtlich wieder Vertrauen zurückgewonnen. Der Kurs der CS-Aktie stieg stark. Kurz nach 10 Uhr war die CS-Aktie 18,21 Franken wert, was gegenüber dem Schlusskurs vom Vorabend einem Plus von 6,2 Prozent entsprach. Der Swiss Market Index (SMI) bewegte sich derweil knapp 0,5 Prozent höher.

Analysten äusserten sich mehrheitlich positiv

Analysten äusserten sich mehrheitlich positiv zu den von der Grossbank kommunizierten Massnahmen. «Diesen Anstrengungen gebühren löbliche Worte», schrieb etwa die Notenstein Privatbank in einem Kommentar. Kritisch fügte sie aber auch hinzu, dass wenn Kapitalerhöhungen und Sparmassnahmen bei der Ergebnispräsentation stärker im Fokus stehen als die nackten Zahlen, die Lagebeurteilung selbsterklärend sei.

Mit den zahlreichen Massnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis will die Credit Suisse die Unsicherheiten, die nach der Veröffentlichung des Finanzstabilitätsberichts der Schweizerischen Nationalbank (SNB) entstanden sind, beseitigen. «Die unangefochtene Kapitalstärke ist von herausragender Bedeutung für unsere Gruppe», wird CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in einem Communiqué zitiert.

Kapitalquote von 9,4 Prozent

Die 15,3 Milliarden Franken zusätzlichen Eigenkapitals beschafft sich die CS einerseits durch Anleihen, die im März 2013 in Aktien gewandelt werden, und durch sogenannte Tier-1-Genussscheine. Anderseits soll hybrides Kapital schneller in anrechenbare Finanzinstrumente umgewandelt werden, Beteiligungen und Immobilien verkauft und Boniansprüche von Mitarbeitenden in Aktien beglichen werden.

Mit solchen Massnahmen soll sich die für die Schweizer «Too big to fail»-Regelung massgebende Kapitalquote (Look-through Swiss Core Capital Ratio) Ende Jahr gemäss Credit Suisse auf 9,4 Prozent belaufen. Ziel gemäss den Basel-III-Vorschriften wäre eine Quote von 10 Prozent bis ins Jahr 2018.

Einsparungen von 1 Milliarde Franken

Weiter hat die Grossbank weitere Sparmassnahmen von 1 Milliarde Franken angekündigt. Das bisherige Ziel von 2 Milliarden Franken Kosteneinsparungen sei bereits frühzeitig erreicht worden. Das zusätzliche Sparziel soll bis Ende 2013 umgesetzt werden, wie es in einer Mitteilung der Credit Suisse heisst.

Rund die Hälfte der Einsparungen werden im Geschäftsbereich Vermögensverwaltung erfolgen, die andere Hälfte bei der Investmentbank. Die Kosten für die Sparmassnahmen beliefen sich auf 183 Millionen Franken und seien im zweiten Quartal verbucht worden. Wie viele Mitarbeiter von dieser Massnahme betroffen sein werden, wollte Dougan nicht beziffern. Um eine Grössenordnung eines möglichen Stellenabbaus zu geben, wies Dougan darauf hin, dass im Zuge des 2-Milliarden-Franken-Kostensenkungsprogramms, das bereits abgeschlossen wurde, der Personalbestand um 2500 Mitarbeitende reduziert wurde.

Quartalsergebnis

Für das zweite Quartal weist die Credit Suisse einen Vorsteuergewinn von 1,1 Milliarden Franken aus. Unter dem Strich bleibt ein Reingewinn von 788 Millionen Franken. Das ist etwas mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (768 Millionen Franken) und deutlich mehr als im Vorquartal (44 Millionen Franken).

In der Vermögensverwaltung (Privat Banking) erreichte die Bank dank höherem Zinserfolg und höheren Kommissions- und Gebührenerträgen sowie einem tieferen Geschäftsaufwand einen Vorsteuergewinn von 775 Millionen Franken. Das sind 28 Prozent mehr als im ersten Quartal, aber 7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Bei der Investmentbank hingegen sank das Spartenergebnis gegenüber dem Vorquartal um mehr als die Hälfte auf 383 Millionen Franken, wie die Grossbank am Mittwoch mitteilte. Das Vorjahresergebnis übertraf die Sparte allerdings deutlich (84 Prozent).

Im Geschäft mit institutionellen Kunden (Asset Management) weist die CS ein Vorsteuerergebnis von 133 Millionen Franken aus. Gegenüber dem Vorquartal liegt das Ergebnis damit um 48 Prozent tiefer und gegenüber dem Vorjahresquartal um 37 Prozent tiefer. Die Bank weist Netto-Neugelder von 4,4 Milliarden Franken aus.

Dividende in Form von Aktien

Die Credit Suisse plant, für das laufende Jahr die Dividende ganz in Form von Aktien auszuschütten. In den Quartalsabschlüssen seien die Ausschüttungen in der Grössenordnung des letzten Jahres entsprechend berücksichtigt worden, über die Höhe und Form der Dividenden werde allerdings der Verwaltungsrat entscheiden, sagte CS-Chef Brady Dougan in einer Telefonkonferenz.

Dividenden in bar würden erst dann wieder an die Aktionäre ausbezahlt, wenn die Bank ihre Kapitalbasis auf das regulatorisch geforderte Niveau gebracht habe, so Dougan. Der CS-Chef sagte weiter, dass man mit der Bekanntgabe der Massnahmen zum gegenwärtigen Zeitpunkt jegliche Zweifel bezüglich der Stärke der Kapitalausstattung beseitigen wolle.

SDA/mw

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