Credit Suisse enttäuscht Erwartungen

Die Grossbank hat im dritten Quartal mehr verdient. Doch nicht alle Gewinnzahlen erfüllen die Erwartungen.

Drückt Kosten und steigert den Reingewinn: CS-CEO Tidjane Thiam.

Drückt Kosten und steigert den Reingewinn: CS-CEO Tidjane Thiam. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Die Credit Suisse hat im dritten Quartal 2018 zwar deutlich mehr verdient als im Vorjahr, die Markterwartungen damit aber nicht erreicht. Im Gesamtjahr sieht sich die Grossbank auf gutem Weg zum ersten Gewinn seit drei Jahren.

Unter dem Strich verdiente die zweitgrösste Schweizer Bank in der Periode von Juli bis September 424 Millionen Franken. Das sind zwar über 70 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresquartal. Ähnlich stark war das Wachstum beim Vorsteuergewinn, der sich auf 671 Millionen belief.

Damit hat die Bank die Analystenprognosen gemäss AWP-Konsens beim Vorsteuergewinn knapp erreicht, beim Reingewinn hingegen verfehlt. Die CS-Aktie ist zu Beginn des Börsenhandels mit einem Minus von gut 3 Prozent denn auch klarer Verlierer unter den SMI-Werten, während der Gesamtmarkt leicht zulegt.

Verhältnis aus Kosten und Erträgen hoch

Anders als Konkurrentin UBS ist die CS im dritten Quartal nicht gewachsen. Vielmehr verminderte sich die Erträge um 2 Prozent auf 4,89 Milliarden. Obwohl die Kosten noch stärker gesenkt wurden (-9 Prozent), ist das Kosten-/Ertragsverhältnis mit knapp 85 Prozent immer noch sehr hoch. Das heisst, die Bank gibt für jeden eingenommen Franken fast 85 Rappen aus.

Die Credit Suisse steht bekanntlich im letzten Jahr ihrer dreijährigen Restrukturierungsphase und hat entsprechend nur noch wenige Monate bis zum geplanten Abschluss der Sanierung vor sich.

Wie die UBS dies bereits früher getan hat, legt auch die CS den Fokus vermehrt auf die Vermögensverwaltung mit reichen Kunden und verabschiedet sich dafür von gewissen risikoreichen Teilen des Investment Bankings. Bald Ende der Restrukturierung

Konzernchef Tidjane Thiam zeigte sich in der Mitteilung zufrieden mit den Fortschritten bei der Restrukturierung. «Unser Ziel war ein Geschäftsmodell, das sowohl eine gute Entwicklung in einem günstigen Marktumfeld als auch ein widerstandsfähiges Geschäft in schwierigeren Phasen ermöglicht. Unsere Ergebnisse im bisherigen Jahresverlauf zeigen die erzielten Fortschritte.»

Im Berichtsquartal wurde die Bank allerdings von der schwierigeren Marktlage etwa in den Schwellenländern gebremst, wie dies auch die grosse Konkurrentin UBS zu spüren bekommen hatte. Dies führte zu einer geringeren Kundenaktivität, die den üblichen Rückgang in den Sommermonaten noch verstärkte.

Dies zeigte sich etwa in deutlich schwächeren Zahlen in den Divisionen Asien-Pazifik (APAC) oder Global Markets. Letztere hat gar einen Verlust geschrieben.

Kosten massiv gesenkt

Vor diesem Hintergrund sei das Ergebnis «beachtlich», erklärte der Konzernchef. Insgesamt habe man bereits zum achten Mal in Folge ein Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal erzielt.

Ein guter Teil des erzielten Erfolges basiert allerdings auf Kosteneinsparungen. Die Bank hat seit Ende 2015 kumuliert die Nettokosten um 4 Milliarden Franken gesenkt. Damit sieht sie sich auf Kurs, das für 2018 angestrebte Ziel einer Kostenbasis von unter 17 Milliarden Franken zu erreichen.

Ob diese Kostenbasis dann noch weiter gesenkt werden soll, wie zum Teil im Markt spekuliert wurde, muss sich noch zeigen. CS-Chef Thiam dürfte darüber an einem Investorentag in wenigen Wochen informieren.

Vermögensverwaltung auf gutem Weg

Im neuen Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung, sieht sich die Bank auf gutem Weg. Sie hat in den entsprechenden Einheiten im Berichtsquartal 10,3 Milliarden Franken netto an Neugeldern angezogen.

Die verwalteten Vermögen der Gesamtbank werden per Ende September mit 1'405 Milliarden Franken ausgewiesen und damit leicht höher als noch zu Mitte Jahr. Im Vergleich zur UBS ist die CS hier allerdings weniger als halb so gross.

Weitere leichte Fortschritte hat die Bank ausserdem in Bezug auf die Kapitalbasis erzielt. Die Quote des harten Kernkapitals (CET1) stieg per Ende des Quartals auf 12,9 Prozent von 12,8 Prozent.

Keine Finanzziele für das vierte Quartal

Mit Blick nach vorne gibt sich die Grossbank angesichts des schwieriger gewordenen Lage vorsichtig optimistisch. Er könne zwar keine Finanzziele für das vierte Quartal abgeben, sagte Investor Relations-Chef Adam Gishen in einer Telefonkonferenz. Aber es gebe keine Zweifel an einem sehr positiven Ergebnis im Gesamtjahr 2018. Damit peilt die Grossbank den ersten Gewinn nach drei Jahren mit happigen Milliardenverlusten an.

2019 erwartet die Bank dann eine weitere Gewinnverbesserung, dies unter anderem dank der Abwicklung der sogenannten Strategic Resolution Unit, die das Geschäft enthält, aus dem die CS aussteigen will. Zudem sollen die Finanzierungs- und Restrukturierungskosten sinken.

Kostenziele fast erreicht

Die Bank sieht sich auf gutem Weg, das für Ende 2018 angestrebte Ziel, die Kosten auf unter 17 Milliarden Franken zu drücken. Der Bank flossen Nettoneugelder in Höhe von 16,6 Milliarden Franken zu verglichen mit 15,4 Milliarden im zweiten Quartal. Die verwalteten Vermögen wurden per Ende September mit 1'405 Milliarden Franken ausgewiesen und damit um 7 Milliarden höher als noch Ende Juni.

Konzernchef Tidjane Thiam zeigte sich zufrieden mit den Fortschritten bei der Restrukturierung. Es sei der höchste bereinigte Gewinn in einem dritten Quartal seit 2014 gewesen, liess er sich in der Mitteilung zitieren.

Im ersten und zweiten Quartal seien die Märkte im allgemeinen günstig gewesen und die Kundenaktivität hoch. Und: «Im dritten Quartal, das von deutlich schwierigeren Bedingungen und geringerer Kundenaktivität geprägt war, konnten wir die Widerstandsfähigkeit unseres neuen Geschäftsmodells unter Beweis stellen.»

Stimmung weiter eingetrübt

In den Sommermonaten sei das Marktumfeld anspruchsvoll gewesen. Zusätzlich zur saisonalen Verlangsamung sei die Volatilität in den Schwellenländern und bei einigen Schwellenländerwährungen gestiegen, da die Marktteilnehmer Bedenken über die Auswirkungen einer Normalisierung der Zinsen in den USA, die Handelsspannungen sowie die erheblichen politischen Unsicherheiten hatten, so Thiam.

Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte die CS noch einen Reingewinn von 647 Millionen Franken erzielt.

Mit Blick nach vorne zeigt sich die Grossbank vorsichtig. Trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen in Bezug auf den Welthandel und der möglichen Auswirkungen der Änderungen in der Geldpolitik der Zentralbanken seien die Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2018 nach wie vor positiv, hiess es.

Allerdings habe sich die Stimmung im dritten Quartal weiter eingetrübt. Man gehe auch von einer erneuten Verschlechterung im vierten Quartal aus.

(cfr/sda)

Erstellt: 01.11.2018, 07:15 Uhr

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