Nach Bericht zu Bespitzelung: CS-Topshots weg

Die Credit Suisse hat in der Bespitzelungsaffäre frühmorgens informiert. Die Bank spricht von «schwerwiegendem Reputationsschaden». Die Sache hat Konsequenzen.

Stehen im schlimmsten Strudel ihrer gemeinsamen Amtszeit bei der Credit Suisse: CEO Tidjane Thiam und Präsident Urs Rohner. Foto: Keystone.

Stehen im schlimmsten Strudel ihrer gemeinsamen Amtszeit bei der Credit Suisse: CEO Tidjane Thiam und Präsident Urs Rohner. Foto: Keystone.

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Die Bespitzelungsaffäre um den ehemaligen Topmanager Iqbal Khan hat personelle Konsequenzen bei der Credit Suisse. Das Wichtigste in Kürze:

  • Der operative Chef (Chief Operating Officer COO) Pierre-Olivier Bouée und der Leiter der globalen Sicherheitsdienste treten per sofort zurück.
  • Der COO hatte in einer Untersuchung im Auftrag des Verwaltungsrat erklärt, dass er die Überwachung des zur Konkurrentin UBS wechselnden Iqbal Khan alleine angeordnet habe, wie die CS am Dienstag mitteilte.
  • Die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei habe keinen Hinweis darauf, dass CEO Tidjane Thiam die Überwachung von Khan genehmigt habe.

Der Leiter des operativen Tagesgeschäfts hat die Verantwortung für die Bespitzelungsaffäre des ehemaligen Topmanagers Iqbal Khan übernommen und ist zurückgetreten. Nach der Untersuchung des Verwaltungsrats sind die genauen Ereignisse allerdings noch nicht geklärt.

Der «Chief Operating Officer» (COO) Pierre-Olivier Bouée habe angegeben, alleine entschieden zu haben, die Überwachung von Iqbal Khan anzuordnen, teilte die Credit Suisse am Dienstag mit. Die Untersuchung durch Homburger Rechtsanwälte im Auftrag des Verwaltungsrats habe keine Hinweise geliefert, dass der Verwaltungsrat, Konzernchef Tidjane Thiam oder andere Mitglieder der Geschäftsleitung vor dem 18. September 2019 davon gewusst hätten. Zu dem Zeitpunkt war die Überwachung bereits abgebrochen.

Die Untersuchung lieferte keine Hinweise darauf, dass CEO Tidjane Thiam im Vorfeld von der Überwachung Khans gewusst hatte. (Keystone/Peter Foley)

Bouée sagte aus, er sei besorgt gewesen, dass Khan, der am (heutigen) Dienstag zur Konkurrentin UBS wechselt, «ein Risiko für die wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen der Credit Suisse darstelle». Denn dieser habe weiterhin mit wichtigen Mitarbeitern der CS in Kontakt gestanden.

Sicherheitschef muss ebenfalls gehen

Jedoch habe weder die Überwachung noch die anschliessende Untersuchung Anhaltspunkte geliefert, dass Khan gegen vertragliche Verpflichtungen verstossen und versucht habe, Mitarbeitende oder Kunden der Credit Suisse abzuwerben, hiess es in der Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse.

Mit Blick auf die Beschattung gab es klare Worte: Der Verwaltungsrat unterstütze zwar «geeignete Massnahmen zum Schutz der Interessen des Unternehmens, auch in Fällen, in denen leitende Angestellte das Unternehmen verlassen». Der Auftrag zur Überwachung von Iqbal Khan sei jedoch «falsch und unverhältnismässig» gewesen und habe «zu einem schwerwiegenden Reputationsschaden für die Bank» geführt. Zudem habe die Untersuchung «bis heute» keine Hinweise zutage gefördert, dass die Credit Suisse weitere scheidende Mitarbeiter überwachen liess.

Bouée habe in der Folge seinen Rücktritt erklärt, den der Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung angenommen habe. Gleiches gilt für den Leiter der globalen Sicherheitsdienste, der von Bouée mit der Überwachung beauftragt worden war. Weitere Mitarbeiter der Grossbank seien nicht involviert gewesen.

Tägliche Beschattung

Was war geschehen? Khan wurde nach Angaben der Credit Suisse zwischen dem 4. September und dem 17. September 2019 während sieben Wochentagen mehrheitlich tagsüber überwacht. An der Ecke Fraumünster- und Börsenstrasse in der Zürcher Innenstadt entdeckte er dann ein Mitglied des Überwachungsteams und stellte diesen.

Sein Wechsel von der CS zur UBS löst einen Riesenwirbel aus: Iqbal Khan. (Reuters)

Was sich zwischen Khan und dem Detektiv genau zugetragen hat, sei allerdings nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen, weil dies Gegenstand einer laufenden Strafuntersuchung ist. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft hatte aufgrund einer Anzeige von Kahn ein Strafverfahren wegen Nötigung und Drohung eröffnet. Das Überwachungsunternehmen sei von einem externen Dienstleister beauftragt worden, hiess es von Credit Suisse weiter. Allerdings liege zur Auftragserteilung nichts Schriftliches vor.

Private Kommunikationen teilweise gelöscht

Homburger habe während der Untersuchung Zugang zu den der Credit Suisse zur Verfügung stehenden Informationen erhalten. Allerdings erhielt die Kanzlei keine Einsicht in die Akten der Polizei und der Staatsanwaltschaft über die strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Überwachung. Zudem sei private Kommunikation nur teilweise verfügbar gewesen: «Einige private Kommunikationen sind gelöscht worden».

Die Untersuchung habe keine Hinweise geliefert, dass die Überwachung mit den in Medienberichten dargestellten persönlichen Differenzen zwischen Thiam und Khan im Zusammenhang stand. Das persönliche Verhältnis zwischen den beiden sei jedoch auch nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.

Zum Nachfolger von COO Bouée und zum neuen Mitglied der Geschäftsleitung ernannte die Bank nun James Walker. Walker übe gegenwärtig «verschiedene wichtige Funktionen im Finanzbereich der Bank» aus, hiess es. So sei er Finanzchef der wichtigsten amerikanischen Tochtergesellschaften sowie Leiter «Product Control».

Ab 8 Uhr informiert die CS an einer Pressekonferenz (wir berichten live per Stream und Ticker). Der Präsident des Verwaltungsrats, Urs Rohner, und der Vorsitzende des Audit Committee, John Tiner, werden «weitere Erläuterungen zu diesen Beschlüssen abgeben». (cpm/sda)

Erstellt: 01.10.2019, 06:39 Uhr

Tod des Mittelsmanns

Der Auftrag zur Beschattung von Iqbal Khan kam über einen Mittelsmann zur Detektei Investigo. Dieser Mittelsmann T. hat nach Bekanntwerden der missglückten Überwachung am vergangenen Dienstag Suizid begangen. Einen Bericht von «Inside Paradeplatz» bestätigte Thomas Fingerhuth, Anwalt der Firma Investigo. Um den Auftraggeber zu verschleiern, würden solche Observationsaufträge nie direkt, sondern stets über Mittelsmänner vergeben, erklärte der Anwalt. T. hatte am Memo mit der Darstellung der Ereignisse mitgearbeitet und bei der Ver­breitung mitgewirkt.

Haben Sie Suizidgedanken, oder kennen Sie jemanden, der Unterstützung benötigt? Kontaktieren Sie bitte die Dargebotene Hand, Telefon 143. E-Mail- und Chat-Kontakte finden Sie auf www.143.ch. Das Angebot ist vertraulich und kostenlos. (red)

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