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«Die Anzahl Mitarbeiter muss um die Hälfte reduziert werden»

Investor Rudolf Bohli will die CS aufspalten. Dabei sollen im Investmentbanking auch Tausende Jobs wegfallen, wie er im Interview erklärt.

Mit Rudolf Bohli sprachen Jorgos Brouzos und Holger Alich
«Die Investitionen sind schon gemacht»: Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli will die Credit Suisse in drei Teile zerlegen. Bild: dePablo/Zurita/laif
«Die Investitionen sind schon gemacht»: Hedgefonds-Manager Rudolf Bohli will die Credit Suisse in drei Teile zerlegen. Bild: dePablo/Zurita/laif

Sie sind seit kurzem Aktionär der Credit Suisse und arbeiten an einem Plan, mit dem Sie die Bank umbauen wollen. Die CS soll zum reinen Vermögensverwalter werden. Ist die Attacke mehr als eine PR-Aktion, Sie halten nur 0,2 Prozent der Aktien?

Wenn Sie 5 Prozent halten, dann brauchen Sie viel Unterstützung. Wir halten noch weniger, deshalb müssen wir weitere Aktionäre von unserem Plan überzeugen.

Es gibt viele die sagen, dass Sie mit ihrem Einstieg bei der CS gar nichts verändern wollen, sondern es einfach auf einen kurzfristigen Gewinn abgesehen haben.

Nein, wir nehmen das Engagement bei der CS ernst.

Man konnte lesen, dass Sie bereits 100 CS-Investoren an Bord haben.

Das ist ein Missverständnis. Wir haben mit Investoren gesprochen, die heute noch keine CS-Aktien haben, aber diese kaufen und uns dann unterstützen könnten.

Sie sprechen gar nicht mit den bestehenden Aktionären?

Das haben wir bislang aus rechtlichen Gründen nicht getan. Da jetzt unser Plan öffentlich ist, werden wir nun damit beginnen. Wir müssen aber auch nicht mit jedem Aktionär sprechen.

Wie lange haben Sie sich Zeit gegeben, um den Plan zu verwirklichen?

Wir geben uns die Zeit, die es braucht. Die CS verhält sich wie ein Supertanker, den bewegen sie nicht in kurzer Zeit.

Wie reagierte die CS auf Ihre Vorschläge?

Freundlich. Das Management hat den Auftrag ihre Strategie auszuführen. In einem Jahr läuft diese aus. Spätestens dann braucht es einen neuen Plan.

Liesse sich Ihr Vorhaben mit der aktuellen CS-Spitze um Tidjane Thiam umsetzen?

Ich glaube schon. Die Besetzung ist für unser Vorhaben perfekt. Tidjane Thiam hat keine starke Bindung zum Investmentbanking, noch gehört er zum Privatebanking-Zirkel. Er könnte sich das ganz nüchtern anschauen. Es ist ein Vorteil für das Management und den CS-Verwaltungsrat, dass wir diese Diskussion lancieren.

Wieso? Für CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner ist es wohl kaum möglich, Ihren Plan zu unterstützen.

Nein, ich glaube nicht, dass das für Urs Rohner ein Problem wäre.

Bei Ihren früheren Aktionen beim Vermögensverwalter GAM oder dem Airline-Caterer Gategroup haben Sie die hohen Cheflöhne kritisiert. Sind die Saläre der CS-Spitze zu hoch?

Die Löhne sind kein Teil unserer Kritik. Klar, die Manager verdienen gut. Wir glauben, dass ihre Saläre stärker an ganz klare Leistungsziele zu binden sind. Denn ich habe kein Problem damit, wenn jemand viel verdient, solange er die entsprechende Leistung erbringt.

Hätten denn Thiam und Co. in der Vergangenheit mehr leisten müssen?

Nein, ich will aber auch nicht über die Vergangenheit sprechen. Die Bank hat in den vergangenen Monaten mit vielen Altlasten aufgeräumt. Sie ist jetzt dafür bereit, unseren Plan umzusetzen.

Ihr Plan sieht vor, dass die Investmentbank abgespalten wird. Ist sie alleine überlebensfähig?

Eine Division kann doch nicht weiterbestehen, nur weil sie untergehen würde, wenn sie auf sich alleine gestellt wäre. Die Grösse der Handelsabteilung muss überprüft werden. Dort sind 12'000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz pro Mitarbeiter beträgt 500'000 Dollar. Das ist viel zu wenig. Da werden viele Geschäfte gemacht, die nichts bringen.

Sie muss also weiter schrumpfen?

Wir gehen davon aus, dass die Anzahl Mitarbeiter im Investmentbanking um die Hälfte reduziert werden muss.

Bei der CS heisst es, dass gerade in Asien viele Kunden eine Verzahnung von Investmentbank und Vermögensverwaltung wünschen.

Es stimmt, dafür braucht es gewisse Fähigkeiten aus der Investmentbanking. Dazu gehören besonders die Beratung bei Firmenkäufen, dafür braucht es aber keinen grossen Apparat. Es reicht eine sehr fokussierte Gruppe. Auch eine Beratungsabteilung für Firmenkredite wäre denkbar. Welche sich in die Vermögensverwaltung integrieren lässt.

Sie wollen auch, dass die CS in eine grundlegend neue Informatiklösung investiert. Was nützt das?

Man muss die veralteten IT-Systeme aus der Bank bringen, erst dann kann sich das Institut besser entwickeln. Geschieht das nicht, wird die Bank überholt.

Wie lange dauert das?

Drei Jahre.

Das ist ambitioniert. Für Banken sind IT-Umstellungen oft langwierig teuer.

Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man etwas neu baut, dann wird die IT viel einfacher. Die Risiken sinken, wenn das System nicht mehr veraltet ist. Die Kosten dafür wären bald amortisiert. Denn die CS gibt heute 1 Milliarde Franken pro Jahr aus, um alte Systeme am Laufen zu halten.

Was bedeuten Ihre Pläne eigentlich für die Arbeitsplätze, besonders in der Schweiz? Droht ein Abbau?

Die CS braucht viel mehr Leute, die sich um die Kunden kümmern. Heute ist die Verteilung zwischen Kundenberatern und den Arbeitnehmern für das Rückwärtige komplett falsch. Auf eine Person beim Kunden kommen sieben Mitarbeiter im Backoffice.

Was kostet Ihr Plan?

Die Investitionen sind schon gemacht. Die Schweizer Einheit oder das Asset Management sind schon eigene Rechtseinheiten. Sicher würde es etwas kosten, aber die Ausgaben würden sich mehr als lohnen.

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