Dämpfer für Uber und Airbnb vor dem Börsengang

Beide Unternehmen müssen beweisen, dass sie Milliarden Dollar wert sind – ausgerechnet jetzt verschärft New York die Vorschriften.

Warten auf das grosse Geld, das bei einem Börsengang winkt: Angestellte von Airbnb am Hauptsitz in San Francisco. Foto: Gabrielle Lurie (Reuters)

Warten auf das grosse Geld, das bei einem Börsengang winkt: Angestellte von Airbnb am Hauptsitz in San Francisco. Foto: Gabrielle Lurie (Reuters)

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2019 verspricht sowohl für Uber als auch Airbnb das wichtigste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte zu werden. Die beiden weltweit führenden Akteure der Sharing Economy wollen an die Börse gehen und müssen deshalb beweisen, dass ihre hohen Bewertungen gerechtfertigt sind. Diesen Beweis zu erbringen, ist aber seit diesem Sommer schwieriger geworden.

New York hat die Zahl der Uber-Lizenzen eingefroren, um eine weitere Aushöhlung der Fahrerlöhne zu unterbinden. Airbnb wiederum muss die Gästelisten zur Kontrolle offenlegen, um das illegale Vermieten von Wohnungen zu stoppen.

Andere Städte in Europa und Japan wollen dem Beispiel New Yorks folgen – auch sie in der Absicht, die Spiesse zwischen etablierten Taxiunternehmen und der Hotelindustrie einerseits und den neuen Dienstleistern anderseits wieder gleich lang zu machen. Der New Yorker Stadtrat hat beschlossen, den digitalen Plattformen der Fahrdienstvermittler Uber und Lyft und des Wohnungsvermittlers Airbnb striktere Grenzen zu setzen. «Wir wollen den anderen Städten zeigen, dass eine Regulierung mit gesundem Menschenverstand möglich ist», sagte Corey Johnson, Sprecher des New Yorker Stadtrates.

Mehr Fahrer, mehr Staus

Hinter der Initiative steht auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio. «Unsere Stadt ist mit einer Krise konfrontiert, die arbeitende New Yorker in die Armut treibt und permanente Staus auf unseren Strassen schafft», beklagte er. Uber sieht New York als entscheidendes Testfeld und lobbyiert deshalb seit Jahren beharrlich gegen einschränkende Vorschriften.

Wenn Uber strikter reguliert werde, so das Argument des Fahrdienstvermittlers, würden die ärmeren, weiter vom Zentrum entfernten Stadtteile weniger gut bedient und die dort ­lebenden Arbeiter mit ihren tieferen Einkommen müssten notgedrungen wieder auf teurere Taxis umsteigen.

Für den neuen Uber-Chef Dara Khosrowshahi ist New York ein unerwarteter Rückschlag. Sein zentraler Auftrag ist es, vor dem für 2019 geplanten Börsengang die hohe Bewertung von Uber von über 60 Milliarden Dollar zu rechtfertigen. Zwar sagt er, Uber müsse vor der Publikumsöffnung nicht zwingend rentabel sein, aber er betont eben auch, dass «der Weg zur Profitabilität sichtbar sein muss».

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Uber-Fahrer in New York um fast das Dreifache auf 113'000 gestiegen. Gleichzeitig haben die Staus in der Stadt zugenommen, weil mehr Fahrer mehr Kilometer abspulen, um Kunden zu finden. Derweil häufen sich Berichte über Suizide von Taxifahrern.

Die Selbständigen unter ihnen haben hohe Schulden, weil sie auf Kredit bis zu 1,5 Millionen Dollar für eine Taxilizenz bezahlt haben, die heutzutage weniger als 200'000 Dollar wert ist. Das Tageseinkommen der Taxifahrer ist von 200 auf teilweise weniger als 50 Dollar gesunken.

Geschäftsmodell in Gefahr

New York will dem Gegensteuer bieten, indem die Zahl der Lizenzen auf dem aktuellen Stand eingefroren wird. Ausserdem müssen Uber und andere Fahrdienstvermittler die Differenz zwischen den Einnahmen der Fahrer und dem gesetzlichen Mindestlohn ausgleichen. Dies erklärt, weshalb neben den Taxifahrern auch die Uber- und Lyft-Fahrer die verschärfte Regulierung unterstützen.

Unter dem Druck der einflussreichen Gewerkschaft der Hotelangestellten geht New York auch gegen Airbnb vor. Der Wohnungsvermittler wird für den ­Anstieg der Mietpreise und den Mangel an erschwinglichem Wohnraum verantwortlich gemacht. Auch heisst es, das Unternehmen greife zu wenig hart gegen illegale Vermieter durch.

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Airbnb soll nun gezwungen werden, die Namen und Adressen der Kunden einer neuen Aufsichtsbehörde bekannt zu geben. Diese ist berechtigt, illegale ­Vermittlungen von unter einem Monat mit hohen Strafen zu ­belegen. Doch das will Airbnb nicht kampflos hinnehmen. Das Unternehmen legte Klage gegen die Stadt ein und machte geltend, die Offenlegung der Daten verletze die Privatsphäre der Kunden. Ausserdem werde damit das ­Geschäftsmodell empfindlich ­geschwächt. Tatsächlich zeigt die Erfahrung in San Francisco, dass sich die Zahl der Airbnb-Angebote halbiert hat, seitdem dort eine ähnliche Vorschrift erlassen wurde.

Will 2019 an die Börse: Airbnb-Chef Brian Chesky muss beweisen, dass sein Unternehmen die 31-Milliarden-Dollar-Bewertung verdient.(Bild: Mike Segar, Reuters)

Gleichzeitig wächst der Unmut der Angestellten. Sie warten ungeduldig auf die Börsenkotierung ihres mit 31 Milliarden Dollar bewerteten Unternehmens. Denn dann könnten sie die ihnen zugeteilten Aktien und Optionen mit den hohen Gewinnen verkaufen, die ihnen versprochen wurden. Airbnb-Chef Brian Chesky verkündete kürzlich, den Börsengang ab Mitte 2019 anzupeilen. Bis dann hofft er, die ­Beschäftigten mit höheren ­Löhnen und Boni bei der Stange zu halten.

Erstellt: 03.09.2018, 10:05 Uhr

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Einschränkungen mehren sich auch in Europa

Uber und Airbnb beherrschen zwar auch die Märkte vieler Länder ausserhalb Amerikas. Die beiden Pioniere der Sharing Economy stossen aber bei ihrer globalen Expansion vermehrt auf heftige Gegenwehr – besonders stark in Europa.

Im vergangenen Dezember hat Uber vor dem Europäischen Gerichtshof eine herbe Niederlage erlitten. Das Gericht entschied, dass Uber ein Verkehrsdienstleister und nicht nur ein privater Vermittlungsdienst sei. Damit wurde Uber rechtlich praktisch den klassischen Taxiunternehmen gleichgestellt. Chauffeure, die für Uber fahren, brauchen eine Lizenz.

Nach dem Gerichtsentscheid ist es jedem EU-Land überlassen, Uber zu regulieren und arbeitsrechtliche Vorschriften festzulegen. Bereits zuvor musste Uber nach heftigem Widerstand fast in ganz Europa die Dienstleistung Uber Pop einstellen. Diese arbeitet mit privaten Fahrern, die in ihren eigenen Fahrzeugen Gäste chauffieren, die sie von Uber vermittelt bekommen.

Auch Airbnb erhält in immer mehr europäischen Städten und Ländern Gegenwind. So wurde auf Palma de Mallorca in gewissen Stadtteilen die Kurzzeitvermietung von Wohnungen verboten. Auch Paris und London schränken Airbnb ein. Es gibt eine Höchstzahl an Tagen, an denen Wohnungen in bestimmten Quartieren weitervermietet werden dürfen. Amsterdam plant ähnliche Einschränkungen für Zweitvermieter.

In der Schweiz verzeichnet Airbnb über 30'000 Wohnungen zur Miete. Mehrere Städte haben mit dem Wohnungsvermittler Vereinbarungen geschlossen und beziehen eine Kurtaxe. In Berns Altstadt gibt es Bestrebungen, die tageweise Vermietung von Wohnungen einzuschränken. (eme)

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