Dank Tiefstapeln positiv überrascht

Das Ergebnis der Grossbank UBS lag deutlich unter dem des Vorjahres. Nach dramatischen Warnungen von UBS-Chef Ermotti im Vorfeld war die Überraschung dennoch positiv.

Konnte die tiefen Erwartungen doch noch übertreffen: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Archiv)

Konnte die tiefen Erwartungen doch noch übertreffen: UBS-Chef Sergio Ermotti. (Archiv) Bild: Keystone

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Vom «schlimmsten Erstquartal in der jüngsten Geschichte» hat UBS-Chef Sergio Ermotti noch vor kurzem gesprochen. An einer Investorenveranstaltung am 20. März warnte er ausdrücklich vor ausgesprochen schwachen Resultaten seiner Grossbank – und dies sowohl im Vermögensverwaltungsgeschäft als auch bei der Investmentbank. Dementsprechend lagen denn auch die Erwartungen an das Resultat heute ausgesprochen tief.

Und diese tiefen Erwartungen konnte die UBS nun doch übertreffen. Daran vor allem liegt es, dass ihre Aktie nach Börseneröffnung um mehr als 2 Prozent im Plus notierte. Angesprochen darauf, ob die UBS einfach die Erwartungen etwas gedämpft hat, um dann besser auszusehen, verteidigt sich Ermotti: «Vor allem der Start ins Jahr war extrem schwierig.» Schon die Börsenentwicklung im Dezember des Vorjahres lasse sich nur mit der Entwicklung im Jahr 1929 vergleichen – am Vorabend der Weltwirtschaftskrise. Dass die Zahlen nun besser als erwartet ausgefallen sind, liegt laut Ermotti vor allem an einer gewissen Normalisierung der Märkte seit Mitte März.

Kunden hielten lieber Bargeld

Für Banken ist der Markt dann schlecht, wenn die Leute sich von den Kapitalmärkten fernhalten. Wie Ermotti auch gegenüber Bloomberg ausführte, sind die Kunden nach wie vor extrem vorsichtig: Weltweit würden 32 Prozent der Vermögen in Bargeld gehalten, in Asien sogar 36 Prozent. Nur in den USA sieht es etwas besser aus, da sind es rund 23 Prozent der Vermögen.

Im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres sank der Quartalsgewinn (vor Steuern) der UBS um 27 Prozent auf 1,141 Milliarden Dollar – anders als früher weist die Grossbank ihre Ergebnisse jetzt in der US-Währung aus. In Franken beläuft sich der Vorsteuer-Quartalsgewinn auf 1,136 Milliarden. Dass sich das Resultat derart verschlechterte, lag auch daran, dass es vor einem Jahr aussergewöhnlich gut ausfiel – und nicht nur bei der UBS.

Die positive Überraschung, gemessen an den Erwartungen, geht vor allem auf das Investmentbanking und das Corporate Center zurück – dies, obwohl der Gewinnrückgang mit 64 Prozent im Investmentbanking im Vergleich zum Vorjahr in keinem anderen Bereich so ausgeprägt ist. Der Verlust im Corporate Center dagegen belief sich vor Steuern nur auf 15 Millionen Dollar, verglichen mit 92 Millionen Dollar im Vorjahr. Der grösste Teil der Veränderungen in diesem Bereich geht auf rein buchhalterische Effekte zurück (Accounting Assymetries).

In ihrem wichtigsten und grössten Geschäftsfeld, der internationalen Vermögensverwaltung für die reiche Kundschaft, hat die UBS sogar die schon tiefen Erwartungen enttäuscht. Der Vorsteuergewinn liegt hier mit 863 Millionen Dollar 21 Prozent tiefer als im gleichen Vorjahresquartal. Dazu erklärt der UBS-Chef: «Wir wollen nicht Anlagen um jeden Preis verkaufen, das langfristige Interesse unserer Kunden geht uns vor.» Auch in den beiden weiteren ihrer Geschäftseinheiten – dem Schweizer Geschäft Personal & Corporate Banking und der Vermögensverwaltung für Institutionelle Kunden Asset Management – wies die Bank einen geringeren Gewinn als im Vorjahr aus.

Auch Ermotti ist nicht zufrieden

«Wir sagen auch nicht, dass das absolut gesehen ein gutes Ergebnis ist», sagt UBS-Chef Sergio Ermotti zum Erreichten, «aber es ist angesichts der schwierigen Marktumstände eine starke Leistung und im Vergleich zur Konkurrenz ziemlich gut.» Damit dürfte er etwa den Umstand ansprechen, dass die UBS im Vergleich zur Credit Suisse eine deutlich höhere Rendite gemessen am Eigenkapital ausweist. Wie es mit den Ergebnissen der UBS – und auch der Credit Suisse – weitergeht, hängt wesentlich vom weiteren Verlauf auf den Weltmärkten ab. Die UBS gibt sich hier optimistisch, da man sich angesichts des Geschäftsmix und der Aufstellung in den Regionen gut aufgestellt sieht.

Im Vorfeld der heutigen Zahlenpräsentation haben Beobachter sich von Sergio Ermotti mehr Klarheit zu den Gerüchten erhofft, wonach das Asset-Management-Geschäft der UBS ausgelagert und mit jenem der Deutschen Bank, das unter der Marke DWS läuft, zusammengelegt werden soll. Doch der UBS-Chef gab sich hierzu verschlossen: «Wir geben keinen Kommentar zu solchen Spekulationen ab», sagte dazu Ermotti an der allgemeinen Pressekonferenz. Immerhin machte er deutlich, dass die Sparte weiterhin gut zur UBS passt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.04.2019, 17:44 Uhr

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