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Darum kostet der Nüsslisalat momentan das Doppelte

Ernteausfälle in Südeuropa sorgen für drastisch steigende Gemüsepreise. Leere Regale wird es dadurch trotzdem nicht geben.

Nichts geht mehr auf Südspaniens Gemüsefeldern (unsere Aufnahme, datiert vom 19. Januar, stammt aus der Umgebung von Caravaca de la Cruz, Provinz Murcia). Bild: Pablo Blazquez Dominguez (Getty Images)
Nichts geht mehr auf Südspaniens Gemüsefeldern (unsere Aufnahme, datiert vom 19. Januar, stammt aus der Umgebung von Caravaca de la Cruz, Provinz Murcia). Bild: Pablo Blazquez Dominguez (Getty Images)

«Die Situation ist höchst unerfreulich», sagt Marc Wermelinger. Für die Schweiz, die im internationalen Vergleich lediglich «Apothekermengen» beziehe, sei es noch möglich, die benötigten Volumen an Gemüse zu importieren, ergänzt der Geschäftsführer des Verbands des Schweizer Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel). In grösseren Ländern wie Grossbritannien hingegen sei es schon möglich, dass gewisse Gemüse- und Salatregale in den Geschäften derzeit leer blieben. Zudem liege die Schmerzgrenze der Schweizer Konsumenten bei den Gemüsepreisen «um einiges höher» als in den benachbarten Märkten. «Zu leeren Gestellen wird es hier nicht kommen», ist Wermelinger überzeugt. Ramón Gander, Mediensprecher von Coop, bestätigt die Einschätzung: «Wir haben keine Lieferengpässe.»

Grund für die Anspannungen sind schwere witterungsbedingte Ernteausfälle in Südeuropa. Bereits vor Weihnachten wurden die spanischen Provinzen Murcia, Valencia und Alméria von starken Regen und Überschwemmungen heimgesucht; seit Jahresbeginn sind noch Frost und Schnee hinzugekommen. Nicht minder schwierig ist die Lage im Süden Italiens. Auch dort sind Plastikzelte und -tunnel unter der Last von Schnee und Eis zusammengebrochen. Die Ernte von Artischocken, Broccoli, Sellerie, Blumenkohl und Kürbisgewächsen ist grösstenteils zerstört.

Kostet momentan zwischen 25 und 28 Franken: Der Nüsslisalat. Foto: Martin Ruetschi/ Keystone
Kostet momentan zwischen 25 und 28 Franken: Der Nüsslisalat. Foto: Martin Ruetschi/ Keystone

«Eine Entspannung in Süditalien ist nicht in Sicht, solange die Temperaturen am Tag unter 10 bis 12 Grad und in der Nacht unter 3 bis 4 Grad liegen», sagt Wermelinger. In dieser Woche werde es überwiegend so bleiben. Auch für Spanien erwartet der Swisscofel-Geschäftsführer «keine rasche Erholung der Angebotssituation».

Starke Preiserhöhungen bei Eisberg- und Nüsslisalat

Derzeit besonders schwierig zu beschaffen ist laut Wermelinger der Eisbergsalat, der primär aus Spanien geliefert wird und hierzulande in dieser Jahreszeit sehr beliebt ist. Darüber hinaus sei das wenige an Verfügbarem von minderer Qualität. Das wiederum erhöhe den Rüst- und Aufbereitungsaufwand für die Importeure, was die Preise im Grosshandel noch stärker in die Höhe treibe. «Verteuerungen um 100 Prozent und mehr sind hier keinesfalls ungewöhnlich», konstatiert Wermelinger. Luzi Weber, Mediensprecher von Migros, rechnet mit «längerfristigen Engpässen» beim Eisbergsalat. Da um Weihnachten etwa drei Wochen lang keine Schösslinge hätten gesetzt werden können, wirke sich dies auf die Ernte der kommenden Wochen aus.

Zum Vergleich: Ein Kilogramm Hohrückensteaks kostet um die 34 Franken. Foto: Dominic Ebenbichler/ Reuters
Zum Vergleich: Ein Kilogramm Hohrückensteaks kostet um die 34 Franken. Foto: Dominic Ebenbichler/ Reuters

Drastische Preissteigerungen verzeichnet ferner der Nüsslisalat. Verantwortlich hierfür sind aber nicht allein die Ernteausfälle in Italien. «Auch das Schweizer Angebot ist aufgrund der Wetterbedingungen nur unterdurchschnittlich», sagt Valérie Maertens, Mediensprecherin des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten. Liegt der Kilopreis auf dem Engrosmarkt Zürich normalerweise zwischen 14 und 16 Franken, so schwankt er gegenwärtig nach Angaben von Marc Wermelinger zwischen 25 und 28 Franken. In Italien sei der Nüsslisalat aktuell ganz ausverkauft, in Frankreich beinahe und dies bei Kilopreisen von 17 bis 27 Euro.

Ausweichen auf Schweizer Lagergemüse

Die Knappheit, wie sie auch bei Broccoli, Fenchel, Blumenkohl, Kopfsalat und teilweise beim Spinat zu beobachten ist, schlägt sich nicht nur in höheren Preisen nieder. «Die Konsumenten kommen darüber hinaus nicht in den Genuss von Aktionen, weil es an den erforderlichen Mengen fehlt», sagt Wermelinger. Seiner Ansicht nach dürfte die angespannte Marktlage noch für längere Zeit, womöglich bis in den Frühling anhalten, weil die misslichen Wetterverhältnisse auch junge Triebe zerstört und neue Aussaaten verhindert hätten. Verschiedene Importeure, so will der Swisscofel-Chef erfahren haben, prüften deshalb neue Beschaffungsmöglichkeiten etwa in Nordafrika. Laut Coop-Sprecher Gander «werden die kommenden Wochen entscheidend sein»; davon hänge ab, wie die Ernte im Frühling ausfallen werde.

Wermelinger erwartet indes nicht, dass die Preise für Importgemüse noch viel höher klettern werden. Preisempfindliche Verarbeiter wie die Systemgastronomie und Grossküchen hätten schon damit begonnen, auf inländische Lagergemüse wie Rüebli, Sellerie, Chinakohl oder Chicco Rosso auszuweichen. Über kurz oder lang würden auch die Konsumenten entsprechend reagieren. Laut Valérie Maertens verspüren denn die heimischen Gemüseproduzenten eine verstärkte Nachfrage nach Lagergemüse.

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