Das bedeutet die GV-Schlappe für die UBS-Spitze

Verweigerte Décharge für Sergio Ermotti, Axel Weber & Co.: Der Knall von Basel in sechs Punkten analysiert.

Kassiert eine bittere Niederlage an der Generalversammlung der UBS in Basel: Bank-Chef Sergio Ermotti. (2. Mai 2019)

Kassiert eine bittere Niederlage an der Generalversammlung der UBS in Basel: Bank-Chef Sergio Ermotti. (2. Mai 2019) Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Die Weigerung der Aktionäre, die UBS-Führung zu entlasten, ist eine herbe Schlappe für Bank-Präsident Axel Weber und seinen CEO Sergio Ermotti. Die Niederlage stellt für das Führungsduo aber primär eine Schramme im Image der Bank-Erneuerer dar, eher als dass das Votum juristische Risiken für sie birgt. Die Analyse der Décharge-Verweigerung in sechs Punkten:

Juristische Bedeutung
Rein rechtlich haben die Aktionäre nun zwar die Möglichkeit, die Bankführung per Verantwortlichkeitsfrage zur Rechenschaft zu ziehen für den Schaden, welcher der Bank möglicherweise aus dem Rechtsstreit in Frankreich entsteht.

Klagerisiko für UBS-Führung
Dass tatsächlich ein Aktionär klagt, gilt aber als unwahrscheinlich. Denn zum einen wird es noch Jahre dauern, bis klar ist, wie teuer der Streit um Beihilfe zur Steuerhinterziehung in Frankreich wird. Zum anderen müsste ein Kläger der Bankführung eine Pflichtverletzung nachweisen. Das ist eine sehr hohe Hürde.

Imageschaden
Dennoch ist das Votum ein herber Rückschlag für die Bankführung. Axel Weber selbst wurde auf der Generalversammlung nicht müde zu betonen, dass er und Sergio Ermotti nach Amtsantritt die Bank aufgeräumt und auf die neue, steuertransparente Welt ausgerichtet haben. Zahlreiche Rechtsfälle konnten aus dem Weg geräumt werden, wie die Manipulationen des Liborzinses oder um Manipulationen von Devisenkursen.

Frankreich-Stein am Hals
In Frankreich nun wollte die UBS-Führung keinen teuren Vergleich abschliessen, der zudem ein Schuldeingeständnis miteingeschlossen hätte. Das ging schief. In der ersten Instanz kassierte die Bank nun die Verurteilung über eine Busse nebst Schadenersatz von über fünf Milliarden Euro. Das lässt Aktionäre nun laut fragen, ob die Strategie, das Prozessrisiko einzugehen, die richtige war. Und Webers und Ermottis Image der Problemlöser ist beschädigt.

Der nächste grosse Schlag droht
Mit dem US-Prozess um Schadenersatz zum Verkauf von Ramschhypotheken steht bereits das nächste teure Risiko vor der Tür. Sollte auch dieser Prozess in der ersten Instanz verloren gehen, und die UBS zu milliardenschwerem Schadenersatz verurteilt werden, könnten Weber und Ermotti unter argen Druck geraten.

Frankreich-Fall: Ermotti und Weber kaum mehr im Amt
Für ein finales Urteil über das Vorgehen, Prozesse zu riskieren, ist es aber noch zu früh. Sicher ist nur: Weber und Ermotti werden das Frankreich-Problem ihren Nachfolgern übergeben. Denn bis der Frankreich-Streit final entschieden ist, dürften bis zu neun Jahre vergehen. Dann sind beide längst nicht mehr im Amt. Ohne diesen Streit gelöst zu haben. Diese Hypothek wird ihre Abschiedsbilanz eintrüben.

Geduldig beantwortete er Frage um Frage, am Schluss reichte es fürs Vertrauen (die Décharge) doch nicht: UBS-Präsident Axel Weber an der Generalversammlung der Grossbank in der Basler St.-Jakobs-Halle. Keystone

Erstellt: 02.05.2019, 15:13 Uhr

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