Das bietet das neue Europa-Flugzeug der Swiss

Mitte Juli setzt die Schweizer Airline erstmals ihr neues Kurzstreckenflugzeug im Passagierverkehr ein. Hält der Flieger, was Swiss verspricht? Ein erster Test.

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VIPs, Politiker, Topkunden, Mitarbeiter und Hunderte Schaulustige waren da, als die Swiss Ende Januar ihr erstes neues Langstreckenflugzeug in Empfang nahm. Mit der Boeing 777-300 ER will die Fluggesellschaft sich im harten globalen Konkurrenzkampf neu erfinden und den Passagieren mehr Komfort bieten. Das Ereignis wurde denn auch gefeiert wie wenn die Schweiz den EM-Titel gewonnen hätte.

Die Einführung des Riesenvogels mit 340 Plätzen ist zwar für die Swiss und ihre Angestellten mit viel Arbeit verbunden. Sie ist aber eigentlich ein Klacks gegenüber dem, was nun auf die Schweizer Fluggesellschaft zukommt. Denn die Boeing 777-300 ER steht seit 2004 bei Dutzenden von Airlines hundertfach im Einsatz. Die Bombardier C-Series dagegen wurde ganz neu entwickelt. Die Swiss übernimmt das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug in den kommenden Wochen als erste Fluggesellschaft der Welt. Mitte Juli werden schon die ersten Passagiere damit fliegen.

Flugzeuge haben immer Kinderkrankheiten

Erster zu sein hat Vorteile. Swiss bekam sicherlich zusätzlichen Rabatt auf dem offiziellen Verkaufspreis von 75 Millionen Dollar pro Flieger. Zudem kann sie mit der Bombardier C-Series CS-100 die in die Jahre gekommenen, im Unterhalt teuren und auch spritschluckenden Jumbolinos schnell loswerden. Doch es birgt auch Risiken. Neue Flugzeuge werden zwar immer und immer wieder getestet, bevor sie in den regulären Einsatz gehen. Und sie müssen rigorose Prüfungen bestehen, bevor sie von den Luftfahrtbehörden zugelassen werden. Aber Kinderkrankheiten kann es immer wieder geben. Das musste Airbus beim A380 erleben, wo plötzlich Haarrisse in den Flügeln auftraten oder Boeing beim Dreamliner, wo die Batterien sich als Brandgefahr entpuppten. Nicht immer muss das Gezicke so gross sein. Manchmal sind es auch kleine Dinge, die den Betrieb aber doch aufhalten.

Mit der Boeing 777 und der C-Series bekommt die Swiss 2016 zudem gleich zwei neue Flugzeugtypen. Geplant war das nicht. Eigentlich hätte der neue Kurzstreckenflieger schon früher fliegen sollen, doch Hersteller Bombardier hatte Verspätung. Die Schulung des Personals, die administrativen und strukturellen Anpassungen und auch die Angewöhnung der Piloten und Flugbegleiter im täglichen Betrieb – all das kostet nun gleichzeitig Geld, Zeit und Nerven.

Platz für Baskteballspieler

All das werden die Passagiere kaum spüren. Die Swiss stellte ihnen einen «verbesserten Reisekomfort dank geräumigerer Kabine, tieferen Geräuschpegel und innovative Sitze» in Aussicht. Der Tages-Anzeiger war gestern auf dem ersten Flug dabei, bei dem Passagiere transportiert wurden, die nicht zu Swiss oder Bombardier gehörten. Zwar war das Flugzeug noch nicht mit dem Original-Interieur bestückt, aber erste Eindrücke liessen sich dabei durchaus gewinnen.

In der Tat hält das Flugzeug vieles, was der Hersteller und die Fluggesellschaft versprechen. Da ist zuerst einmal das Licht. Das Innere der Kabine ist wirklich sehr hell. Das liegt an den übergrossen Fenstern. Da ist zudem der Platz im Gang. Mit einer 2.11 Meter hohen Kabine kann selbst der Schweizer NBA-Basketballstar Thabo Sefolosha (2.04 Meter) im neuen Flugzeug problemlos aufrecht stehen. Auch in der Breite ist die C-Series grosszügig, vor allem weil eben auch nur fünf Sitze in einer Reihe stehen. In einem Airbus A320 zum Beispiel sind es sechs. Das verstärkt ein Gefühl von Freiheit.

Mehr Stauraum, aber...

Bombardier verspricht zudem die grössten Gepäckfächer der Branche. In die Behälter geht tatsächlich viel. Einen Nachteil hat das jedoch für die Passagiere am Fensterplatz. Beim Aussteigen hängen die offenen Wannen nach unten und machen den Weg zum Gang umständlich. Platz gibt es auch in den Toiletten. Sie sind deutlich geräumiger als in anderen Fliegern. Es gibt auf dem WC tatsächlich so etwas wie Bewegungsfreiheit -und erst noch einen Wickeltisch.

Noch nicht bekannt ist, wie bequem die Sitze sind, welche die Swiss in die C-Series baut. Auch weitere Details zur Kabine (gibt es vielleicht doch Wifi an Bord?) werden erst am 6. Juli bekannt gegeben. Eines ist aber klar: Swiss wählte eine Ausrüstung mit 125 Sesseln. Bombardier nennt das die «High Density»-Bestuhlung. Dank dünnerer und breiterer Sitze und eines gegenüber den umgebauten Airbus A320 auch grösseren Sitzabstandes von 30 Zoll soll das Raumgefühl aber besser sein als in den älteren Flugzeugen.

Die erste Landung der C-Series mit Passagieren in Zürich im Zeitraffer. (Video: Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.06.2016, 15:12 Uhr

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