Das doppelte Spiel eines Wirtschaftsjournalisten

Der Publizist René Zeyer vermischt Journalismus und PR-Arbeit – und zieht Kritik auf sich.

Betreibt ein eigenwilliges Geschäftsmodell: Wirtschaftspublizist und Buchautor René Zeyer. Foto: Keystone

Betreibt ein eigenwilliges Geschäftsmodell: Wirtschaftspublizist und Buchautor René Zeyer. Foto: Keystone

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«Cui bono, wem nützt es?» ­Diese Frage stellt Wirtschaftspublizist und Buchautor René Zeyer ­gerne in seinen Texten. Wem nützt die Berichterstattung zu weltweiten Datenlecks wie den Panama Papers oder den Paradise Papers? Wem nützen kritische Artikel über die Machenschaften von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz?

Zeyers These: Die Recherchen seien Machwerke einseitig angefütterter Journalisten mit dem Zweck, die kritisierten Personen fertigzumachen. So zum Beispiel Pierin Vincenz oder Jean-Claude Bastos, den umstrittenen Schweizer Geschäftsmann, der mit ­seiner Quantum-Global-Gruppe den angolanischen Staatsfonds verwaltet hat.

«Wer über Raiffeisen Texte schreibt, soll in diesem Bereich keine PR-Mandate akquirieren.»Dominique Strebel, Studienleiter am MAZ

Nun stellt sich heraus, dass Zeyer ein sehr eigenwilliges Geschäftsmodell betreibt. Einerseits gibt er sich als harter Rechercheur aus, als Journalist, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Ungerechtigkeiten anprangert. Andererseits führt er eine Kommunikationsagentur, mit der er Kunden die «Entwicklung von PR-Texten, Ghostwriting sowie Kommunikationsstrategien» anbietet.

Wer seine Auftraggeber sind, das ist Zeyers Geheimnis. Kann es sein, dass er seine beiden ­Geschäftsfelder vermischt und unter dem Deckmantel journalistischer Arbeit noch ganz andere Ziele verfolgt, nämlich die ­Akquise von lukrativen Kommunikationsmandaten?

Geld für einen Artikel

Dafür gibt es eindeutige Hinweise. Sowohl bei Exponenten von Raiffeisen als auch von Quantum Global wurde Zeyer in den vergangenen Monaten vorstellig. Das bestätigen drei voneinander unabhängige Personen. Eine sagt, Zeyers Praktiken seien in der PR-Branche allgemein bekannt. Zeyer verlangte im Fall Bastos Geld für einen seiner wohlwollenden Artikel und bot sich im Fall Raiffeisen wie auch bei Quantum Global als PR-Profi für die Öffentlichkeitsarbeit an.

Bei Raiffeisen legte er laut Quelle sogar ein Kommunikationskonzept auf den Tisch, das er zu Geld machen wollte. Kostenpunkt: 20'000 Franken. Weiter hat Zeyer sich auch den Raiffeisen-Akteuren Patrik Gisel, ­Pascal Gantenbein und Guy ­Lachappelle persönlich als Kommunikationsberater angeboten. Gleichzeitig schrieb er in der «Basler ­Zeitung» über Raiffeisen.

Dieses «Geschäftsmodell» ist offenbar nicht neu. Im Jahr 2007 untersuchte Zeyer die Internetauftritte der Bundesratsparteien. «Während CVP, SP und FDP gerade mal mittelmässige Noten erhalten, kommt in seiner Analyse die SVP klar am besten weg», berichtete damals das Onlineportal Derarbeitsmarkt.ch. Verantwortlich für den SVP-Auftritt war die Firma INM. Deren Geschäftsführer bezeichnet Zeyer in einem Beitrag auf Dieostschweiz.ch als «meinen Freund» – und er bestätigt, von ihm oder seinen Firmen Kommunikationsmandate erhalten zu haben.

Interessenkonflikt nicht offengelegt

In den letzten Monaten griff René Zeyer öffentlich Journalisten des Onlinemagazins «Republik» und auch dieser Zeitung an und warf ihnen fehlerhafte Recherchen vor. Bloss: In seinen Texten verdreht der Wirtschaftsjournalist gewisse Fakten.

Beispiel: Zeyer liess seine Leser glauben, die Eidgenössische Steuerverwaltung ermittle im Fall Bastos lediglich gegen die Beratungsfirma KPMG. In Wirklichkeit richtet sich das Verfahren der Steuerverwaltung in erster Linie gegen Bastos, zwei Quantum-Global-Firmen und ihren Verwaltungsratspräsidenten. Und gegen KPMG nur wegen Gehilfenschaft oder Mitwirkung zu den Steuerdelikten. Zeyer wusste von diesen Tatsachen, die sich leicht in öffentlichen Quellen überprüfen lassen.

Also: Cui bono? René Zeyer spielt offensichtlich ein doppeltes Spiel. Er versucht sich mit ­seiner Berichterstattung PR-Aufträge zu sichern – ohne den damit verbundenen Interessenkonflikt je offengelegt zu haben. In der Branche stösst Zeyer damit auf Unverständnis. Dominique Strebel, Studienleiter an der Schweizer ­Journalistenschule MAZ, sagt: «Das zentrale Kapital eines Journalisten ist seine Unabhängigkeit. Wer über ­Bastos oder Raiffeisen journalistische Texte schreibt, soll sicher in diesem Bereich keine PR-Mandate akquirieren. Alles andere macht den Journalisten völlig unglaubwürdig.»

René Zeyer liess Fragen zu seinen Geschäftspraktiken unbeantwortet – aus Gründen der Vertraulichkeit seiner Geschäfte.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.04.2019, 21:42 Uhr

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