Das Erfolgsgeheimnis von Motel One

Die Billig-Hotelkette hat ihre erste Station in der Schweiz eröffnet. Das von Dieter Müller gegründete Unternehmen hat aber nicht nur wegen seines Konzepts Erfolg.

Setzt auf Design: Motel-One-Chef Dieter Müller. Foto: W. Heider-Sawall («Wirtschaftswoche»)

Setzt auf Design: Motel-One-Chef Dieter Müller. Foto: W. Heider-Sawall («Wirtschaftswoche»)

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«Gute Konzepte werden nachgeahmt», sagt Dieter Müller, der Gründer und Chef von Motel One. Die Hotels der deutschen Kette stehen an bester Lage in den Innenstädten, und ihre Zimmer sind mit Designermöbeln ausgestattet. Dennoch sind die Zimmerpreise tief. Mittlerweile eifern beispielsweise der französische Accor-Konzern mit Ibis Styles und die Marriott-Gruppe mit ihren Moxy-Hotels der Motel-One-Gruppe nach. Dieter Müller stört das aber nicht: Es sei eigentlich eine Ehre, kopiert zu werden, sagte er diese Woche in Basel bei einem Gespräch anlässlich der offiziellen Eröffnung des ersten Motel One in der Schweiz.

Sein Konzept bezeichnet Müller als «relativ einfach», um im gleichen Atemzug gleich dessen vier Grundpfeiler aufzuzählen: Design, Qualität, attraktiver Standort, attraktiver Preis. Dass es aufgeht, zeigen die Zahlen: Mit dem neu eröffneten Hotel in Basel zählt die vor 15 Jahren gegründete Kette mittlerweile 55 Häuser mit insgesamt rund 14 500 Zimmern. Mehrheitlich stehen die ­Hotels in Deutschland, aber auch Städte in Österreich, in Grossbritannien und anderen Ländern Europas tauchen auf der Landkarte von Motel One auf. Weitere 20 Hotels mit zusammen rund 8000 Zimmern sind in Planung oder im Bau, darunter auch ein Haus mit gegen 400 Zimmern in Zürich. Dieses soll in gut einem Jahr an bester Lage – in der einstigen Selnau-Post – eröffnet werden.

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Die rasante Expansion von Motel One geht nicht auf Kosten des Ertrags. 2015 betrug die Umsatzrendite vor Abschreibungen 30 Prozent, unter dem Strich resultierte bei 322 Millionen Euro Umsatz ein Gewinn von 77 Millionen Euro. Die Investitionen kann das Unternehmen selber stemmen, Schulden hat es nur wenig, und die Eigentümer haben eine Dividende erhalten.

Ohne Restaurant und Minibar

Wie aber passen die günstigen Preise – in deutschen Städten ist bei Motel One das Einzelzimmer ab 69 Euro zu haben, in Basel ab 98 Franken – eigentlich mit dem Design- und Qualitätsanspruch der Kette zusammen? Die Antwort auf diese Frage liegt hauptsächlich im Weglassen. Bei Motel One wird viel weggelassen.Eine Minibar sucht man im Hotelzimmer vergebens. Einen Tresor ebenfalls. Ein Restaurant gibts auch nie in einem Motel One. Geschweige denn ein Fitnesscenter, einen Spa-Bereich oder Konferenzräume. Und das Frühstück ist nicht inklusive. Das alles senkt die Kosten erheblich: Vor Medienvertretern sagte Müller diese Woche, dass beispielsweise im Hotel in Basel schnell einmal doppelt so viele Angestellte nötig wären, gäbe es solche Angebote, wie sie in vielen anderen Hotels selbstverständlich seien.

Den Gästen fehlen diese Angebote aber offensichtlich nicht – anders ist eine Hotelauslastung von 75 Prozent im vergangenen Jahr nicht zu erklären. Motel One macht den Gästen den Verzicht auf die in anderen Hotels üblichen Angebote allerdings auch einfach. «Der Gast soll auf nichts verzichten müssen», erklärt Müller die Devise. Das beginnt bei den Standorten der Hotels: Diese befinden sich ausnahmslos an besten Innenstadtlagen, dort also, wo die Gäste kein Hotelrestaurant brauchen, sondern eine Auswahl von Lokalen in unmittelbarer Nachbarschaft haben. Letztes Jahr hat Motel One in Deutschland sogar rentable Hotels verkauft, weil diese zu peripher gelegen waren und deshalb «nicht mehr zur Marke gepasst haben», wie Müller sagt.

Veränderte Reisegewohnheiten

Teil des Erfolgsrezepts von Motel One ist aber auch die Standardisierung. Jedes Zimmer, egal in welchem Hotel in welcher Stadt, ist prinzipiell gleich ausgestattet. Das macht Planung und Betrieb einfacher und günstiger. In den Zimmern hat es zwar nur das Notwendigste, nur das, was die Gäste wirklich brauchen. Das dafür in hoher Qualität. So schlafen Motel-One-Gäste auf teurer Bettwäsche, im Badezimmer hängen dicke Badetücher, Sessel, Beistelltischchen und Lampen sind Designerstücke.

Der Erfolg von Motel One liegt indes nicht nur am Konzept allein, er hat auch viel mit den veränderten Reisegewohnheiten und dem damit einhergehenden Boom von Hotels in urbanen Zentren zu tun. Günstige Flüge und die immer ­stärker über Grenzen hinweg vernetzte, globalisiertere Wirtschaftswelt haben dazu geführt, dass häufiger gereist wird und die Reisen tendenziell kürzer werden. Davon profitiert haben insbesondere die Hotels in den Städten. Das zeigen die Statistiken von Basel und Zürich, den beiden ersten Motel-One-Standorten in der Schweiz, eindrücklich. In den beiden Städten ist in den letzten Jahren die Zahl der Hotels und das Bettenangebot markant angestiegen. So nahm allein in der Stadt Zürich die Zahl der Hotelbetten innert zehn Jahren um 2800 auf nun rund 14 200 zu. Dazu kommen weitere 3200 neue Betten, die in der Flughafenregion zusätzlich entstanden sind. Die zusätzlichen Kapazitäten wurden auch tatsächlich benötigt, wie das ebenfalls starke Wachstum der Übernachtungszahlen zeigt.

Preisdruck wird zunehmen

In der Hotelbranche löst der Markteintritt von Motel One in der Schweiz denn auch keine Panik aus. «140 Zimmer mehr erträgt es in Basel durchaus», sagt Felix Hauser, Präsident des Basler Hotelier-Vereins.

Auch sein Zürcher Pendant Martin von Moos glaubt, dass die Hotelbranche sich mit Motel One arrangieren werde. Er rechnet gleichzeitig aber auch damit, dass der Preisdruck weiter zunehmen wird. Dies aber nicht allein wegen der zusätzlichen Zimmer, die mit Motel One auf den Markt kommen. In den nächsten fünf Jahren würden insgesamt bis 2300 zusätzliche Hotelzimmer geschaffen, sagt von Moos. In den letzten Jahren habe der Preisdruck in vielen Häusern durch eine etwas bessere Zimmerauslastung kompensiert werden können. Mit der starken und schnellen weiteren Ausweitung des Angebots dürfte dies nun aber kaum mehr der Fall sein, so seine Prognose.

Erstellt: 09.09.2016, 22:52 Uhr

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