Das grosse Zittern der Dougan-Vertrauten

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam hat bei seiner alten Firma Prudential die eigenen Weggefährten an der Spitze platziert. Das Gleiche blüht jetzt auch der Schweizer Grossbank.

Garderobe im Credit-Suisse-Hauptsitz in Zürich: Wer darf sie unter dem neuen Chef Tidjane Thiam noch benützen? Foto: Markus Forte (Ex-Press)

Garderobe im Credit-Suisse-Hauptsitz in Zürich: Wer darf sie unter dem neuen Chef Tidjane Thiam noch benützen? Foto: Markus Forte (Ex-Press)

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Tidjane Thiam sagte bei seinem Auftritt vor den Medien, dass er «am liebsten» mit dem bestehenden Management seine Aufgabe bei der Credit Suisse anpacken würde. Das dürfte das CS-Spitzenpersonal kaum beruhigen. Einige von ihnen müssen damit rechnen, ihren Job zu verlieren. Darauf deutet Thiams Verhalten bei seiner Noch-Arbeitgeberin hin. Als Thiam im Frühling 2009 als neuer CEO der englischen Versicherungsfirma Prudential angekündigt wurde, besetzte er rasch zentrale Positionen mit eigenen Weggefährten.

Gefährdet erscheinen zunächst die Aushängeschilder des Investment Bankings, da dieser Bereich zugunsten der Vermögensverwaltung verkleinert werden soll. Reuters berichtete gestern mit Bezug auf Analysten, dass die Credit Suisse 15 Prozent der Belegschaft ihres Investmentbankings abbauen könnte. Das entspräche knapp 3000 Mitarbeitenden.

Das betrifft aber nicht in erster Linie die Spitze des Bereichs. Wie Morgan Stanley, eine US-Investmentbank, in einer aktuellen Einschätzung festhält, bindet die CS-Investmentbank auch nach der geplanten Verschlankung so viel ­Kapital wie sonst bei keinem vergleichbaren Finanzmulti. Das würde heissen, dass die Investmentbank weiterhin gross und wichtig für die Credit Suisse bleibt, was ein forsches Köpferollen in den obersten Etagen der Grossbank riskant machen würde. Denn auch der Rückbau benötigt erfahrene Manager an der Spitze.

Damit rückt das andere Standbein der Credit Suisse ins Zentrum eines möglichen Austausches von Spitzenmanagern durch den neuen Chef: die weltweite Vermögensverwaltung. Dort hat die Bank in den letzten zwei Jahren eine interne Fusion vollzogen. Sie legte das Assetmanagement – gemeint ist die «Produktion» von Anlageprodukten und Investmentlösungen für Kunden – und das Privatebanking, also die Beratung vermögender Klienten – in einem Grossbereich zusammen.

Shafir und Meister im Fokus

Die neue Division wird von zwei Chefs geleitet, dem Amerikaner Rob Shafir und dem Schweizer Hans-Ulrich Meister. Shafir gilt als einer der engsten Vertrauten des scheidenden CEOs Brady Dougan. Als solcher steht er nicht für einen Aufbruch zu neuen Ufern, vielmehr verkörpert er den Typus des«coolen» angelsächsischen Topmanagers. Im US-Steuerkonflikt hielt sich Shafir geschickt aus der Kampfzone heraus. Mit 57 Jahren hat der Amerikaner, der von Lehman Brothers kam, den Zenit überschritten. Etwas anders liegt der Fall von Hans-Ulrich Meister, Shafirs Kollege an der Spitze der Vermögensverwaltung. Meister verantwortet seit dreieinhalb Jahren als Co-Chef das globale Privatebanking der CS, zuvor leitete er «nur» den wichtigen Heimmarkt Schweiz. Er gilt als ehrgeizig, ist aber nur ein Jahr jünger als Shafir und gehört damit auch nicht mehr zu den Jüngsten an der Spitze.

Entscheidend dafür, ob Meister ganz oben «überlebt» oder nicht, ist aber, was sein Bereich an Erträgen und Einnahmen generiert. Erzielte Meisters Division 2011 noch 13,4 Milliarden Franken Einnahmen, so blieben diese zunächst stabil, um dann im letzten Jahr leicht auf 12,6 Milliarden abzusinken: Die CS-Privatbank tritt an Ort. All die Initiativen mit Projektnamen wie «Future PB» oder «Alpha» sorgten zwar für interne Umwälzungen mit vielen Zu- und Abgängen im Kader. Doch ausser Spesen brachten die Übungen nicht viel.

Die zentrale Leistungskennziffer, nämlich das Verhältnis von Kosten und Erträgen, ist im Gegenteil ernüchternd. 2014 lag die Zahl über 82 Prozent. 2011, als Meister die Gesamtverantwortung im Private Banking übernommen hatte, waren es 77 Prozent.

Rohners Schützling

Sollte Thiam, wie das viele erwarten, im Privatebanking höhere Ziele anstreben, dann könnten die bisherigen Resultate unter Meisters Führung zum Thema werden. Weitere Führungskräfte der Grossbank mit durchzogenem Leistungsausweis sind die oberste Personalchefin Pamela Thomas-Graham und Konzernjurist Romeo Cerutti. Thomas-Graham gilt als hoch bezahlte Spitzenfrau, die viel reist, aber im Geschäft laut Insidern wenig Spuren hinterlassen hat. Cerutti stand in der US-Steueraffäre im Fokus. Dass die CS sich zur «kriminellen Organisation» bekennen musste, fällt auch auf ihn zurück. Doch Cerutti hat in CS-Präsident Urs Rohner einen Schirmherrn. Seine Absetzung würde Kenner der Bank deshalb überraschen.

Bleibt der Finanzchef David Mathers, der neben Shafir das engste Verhältnis zum alten CEO Brady Dougan pflegte. Mathers wollte laut CS-Quellen selbst Konzernchef werden. Dass er deswegen auf der Abschussliste des neuen Kapitäns Thiam landet, muss nicht sein. Mathers führt neben den Finanzen auch die ganze Informatik und alle internen Abläufe und Prozesse. Ohne Mathers ginge der Überblick verloren. Seine Chancen, dass er bleiben kann, stehen gut.

Erstellt: 11.03.2015, 22:27 Uhr

Rob Shafir.

David Mathers.

Romeo Cerutti.

Hans-Ulrich Meister.

Pamela Thomas-Graham.

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