Das hätte die UBS vor zehn Jahren machen sollen

Die Grossbank hat aus der Vergangenheit gelernt und trägt ihre Rechtsstreitigkeiten nun vor den zuständigen Gerichten aus.

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Wieder einmal steht die UBS am Pranger. Die Amerikaner drohen zum wiederholten Male mit einer Milliardenklage, und Frankreich will wegen alten Steuerfällen gleich 5,3 Milliarden Franken. Endlich macht UBS-Chef Sergio Ermotti das, was die Bank schon seit zehn Jahren hätte tun müssen: Sie ficht ihre Rechtshändel vor den zuständigen Gerichten aus und nimmt nicht gleich die ganze Schweiz in Geiselhaft.

Wie war das vor zehn Jahren? Jahrzehntelang haben die Schweizer Banken das Geld von reichen Ausländern versteckt, ihren Kunden geholfen den eigenen Staat zu betrügen, und damit selbst gutes Geld verdient. Dann kam die Finanzkrise. Die USA setzten Druck auf und verlangten die Herausgabe von Kundendossiers. Die UBS war schwach, staatlich gestützt und brachte es fertig, die ganze Regierung auf ihre Seite zu zwingen. Gleich zweimal gab man in Bern nach und erlaubte es der UBS, das Bankgeheimnis zu brechen.

Das erste Mal möglicherweise noch zu Recht, denn da ging es um kriminelles Verhalten. Aber als man im Sommer 2009 nochmals 4450 Kundendossiers in die USA schickte, bewahrte das die UBS zwar vor einer weiteren Busse und ihre Manager vor Straf- und Schaden­ersatzklagen, dafür geriet der ganze Finanzmarkt unter Druck. Die Schweizer Banken zahlten über 5 Milliarden Busse und gaben das Bankgeheimnis auf, nur um die drohenden Klagen zu vermeiden. Als sich dann die Lage etwas beruhigte, kamen die Amerikaner schon mit der nächsten Forderung – und die UBS zahlte 1,4 Milliarden Franken Busse, weil ein Händler in Japan den japanischen Libor manipuliert hatte. Wohlgemerkt: Die Busszahlung ging an die USA, nicht etwa an Japan. Und als ob das nicht absurd genug wäre: Sowohl im Steuerfall als auch beim Libor wurden in den folgenden Strafprozessen die meisten Banker freigesprochen.

Ob das diesmal wieder so ist, und ob die UBS freigesprochen wird, wie Ermotti glaubt, wird sich zeigen. Aber wenn nicht, dann liegt wenigstens ein Urteil vor, und die Verantwortlichen können benannt und gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen werden. 

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 21:54 Uhr

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