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«Das hat dem ganzen Finanzplatz geschadet»

Nach ihrer öffentlichen Kritik an den Schweizer Grossbanken wird die SNB ihrerseits angegriffen. CS-Chef Brady Dougan ist enttäuscht, FDP-Präsident Philipp Müller spricht von «plakativem Verhalten».

«So darf man nicht verfahren»: FDP-Präsident Philipp Müller an einer Pressekonferenz. (Archivbild)
«So darf man nicht verfahren»: FDP-Präsident Philipp Müller an einer Pressekonferenz. (Archivbild)
Reuters

Die Grossbank Credit Suisse wurde von der Kritik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) laut einem Bericht in «Der Sonntag» völlig überrascht. Sie erfuhr davon demnach erst letzten Dienstag, also zwei Tage bevor die SNB mit ihrer Forderung zum schnellen Eigenkapitalaufbau bei CS und UBS für Aufregung sorgte. Die Aktie der CS musste nach der öffentlichen Schelte einen Kurssturz von 8,5 Prozent hinnehmen.

Wie «Der Sonntag» weiter berichtet, trafen sich CS-CEO Brady Dougan und SNB-Präsident Thomas Jordan noch in der Woche vor Publikation des Berichts für ein Gespräch. Dabei sei zwar eine Stärkung des Eigenkapitals thematisiert worden, doch von einer geforderten Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr sei nicht die Rede gewesen. Zudem habe es kein Zerwürfnis zwischen Jordan und Dougan gegeben, das die scharfe Tonalität der SNB rechtfertigen würde.

«Schlecht für den ganzen Finanzplatz»

Gegenüber der «SonntagsZeitung» zeigt sich CS-Chef Brady Dougan verärgert und enttäuscht über das Vorgehen der SNB. Die Finma (Finanzmarktaufsicht) habe der Bank Vorgaben gemacht, ihr Kapital zu stärken, das habe die CS getan. Umso überraschender sei deshalb die Kritik der Nationalbank gewesen, sagt Dougan im Interview mit der «SonntagsZeitung». Eine Kürzung der Dividende und eine Kapitalerhöhung seien nie ein Thema gewesen.

Der SNB-Bericht habe Kunden und Marktteilnehmer verunsichert. Das sei nicht nur für die CS schlecht, sondern für den ganzen Finanzplatz. Ausserdem sei die Berechnung des CS-Kapitals durch die SNB falsch und basiere auf einem «sehr pessimistischen Szenario der Schuldenkrise».

Dougan weist die von der Nationalbank geforderte Kapitalerhöhung denn auch zurück: Das entspreche nicht den Plänen der CS. Ausserdem sei die Finma in dieser Sache massgeblich, nicht die SNB.

«Eine gigantische Wertvernichtung»

Auch FDP-Präsident Philipp Müller kritisiert den Bericht der SNB zur Finanzmarktstabilität. Die Warnung, dass die Grossbanken unterkapitalisiert seien, sei «kontraproduktiv» gewesen, sagte Müller in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Zwar teilt Müller die Ansicht der SNB, dass die beiden Grossbanken UBS und CS unterkapitalisiert seien. Die Warnung der Nationalbank habe aber zu einer «gigantischen Wertvernichtung an der Börse» geführt, kritisierte er. Ein Kurssturz schmälere auch das Eigenkapital eines Unternehmens. Ihm sei nicht klar, weshalb die Währungshüter «derart plakativ» interveniert hätten.

Auch an der Kommunikation der SNB übte Müller Kritik. Dass die SNB gewisse Kreise, unter anderem Journalisten, vorab über den Bericht informiert hatte, sei «brandgefährlich». «Wenn es um börsenrelevante Informationen geht, darf man nicht so verfahren», sagte der FDP-Präsident.

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