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Das iPhone X rettet die Bilanz von Apple – zumindest noch

Apple erzielt Rekordzahlen – dank des Premiummodells. Im Weihnachtsgeschäft war das iPhone X der Primus, wird es jetzt zum Sorgenkind?

Mirjam Hauck
Trotz eines Einstiegspreises von über 1000 Dollar begehrt: Einer der ersten Käufer, der im Apple Store in New York ein iPhone X ergatterte. (22. September 2017)
Trotz eines Einstiegspreises von über 1000 Dollar begehrt: Einer der ersten Käufer, der im Apple Store in New York ein iPhone X ergatterte. (22. September 2017)
Brendan McDermid, Reuters

Manches Medium hatte in den vergangenen Tagen gemutmasst, das iPhone X könnte zum grossen Flop für Apple werden. So berichtete das «Wall Street Journal» mit Verweis auf anonyme Quellen, dass Apple im ersten Quartal 2018 die Produktion seines Premiumproduktes halbieren werde.

Sollten ursprünglich 40 Millionen Smartphones gefertigt werden, plane der Konzern jetzt nur noch die Produktion von 20 Millionen iPhone X. Das Indiz dafür: Apple habe bei den Zulieferern 60 Prozent weniger Bauteile bestellt. Solche Einschätzungen auf Basis von Informationen aus der Zulieferkette hatten sich jedoch schon in der Vergangenheit als falsch erwiesen.

7 Millionen iPhone X in China verkauft

Und so schien es auch diesmal zu sein. Apple-Chef Tim Cook verkündete am Donnerstagabend Rekordzahlen aus dem Weihnachtsgeschäft – vor allem dank des iPhone X. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf gut 20 Milliarden Dollar. Und das, obwohl das Weihnachtsquartal diesmal mit 13 Wochen eine Woche kürzer gewesen sei als im Jahr zuvor, wie der Firmenchef betonte. Den bisherigen Rekord hatte Apple im Weihnachtsquartal 2015 mit 18,4 Milliarden Dollar Gewinn erzielt.

Das iPhone X sei seit dem Verkaufsstart jede Woche das bestverkaufte Apple-Gerät gewesen, so Cook. Auch im Vergleich zur Konkurrenz schnitt der Apple-Primus den Marktforschern von Canalys zufolge im Weihnachtsgeschäft hervorragend ab.

Video – Das iPhone X im Kurzcheck

Vor- und Nachteile: Das Fazit nach einem ersten kurzen Test. (Video: Nicolas Fäs)

Im vierten Quartal 2017 war das iPhone X demnach das Smartphone, das sich insgesamt am besten verkaufte – und das bei einem Einstiegspreis von 999 Dollar. 29 Millionen Stück verkaufte Apple, davon 7 Millionen allein in China. Insgesamt ging der iPhone-Absatz im Jahresvergleich jedoch um eine Million Geräte auf 77,3 Millionen zurück.

Das «ewige» Warten

Das könnte daran gelegen haben, dass das iPhone X erst im November statt wie sonst üblich schon im September in den Handel kam. Ausserdem hatte Apple bei Markteinführung mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen: Teilweise mussten Apple-Fans bis zu sechs Wochen auf ihr neues Smartphone warten.

Grund waren Verzögerungen bei der Fertigung einzelner Module. Mittlerweile bekommt ein Kunde, der das Gerät im Apple-Webshop kauft, sein iPhone X am darauffolgenden Arbeitstag zugestellt. Und das bisher teuerste iPhone ist eindeutig populär: Der durchschnittliche Preis eines verkauften Apple-Telefons stieg im Jahresvergleich von 695 auf 796 Dollar.

Trotzdem verfehlte die Prognose für das laufende Vierteljahr die Erwartungen der Analysten. Das könnte darauf hinweisen, dass sich das iPhone X nach dem ersten Schub nun doch schlechter verkauft als gehofft. Finanzchef Luca Maestri versuchte, diesem Eindruck entgegenzuwirken. Der Umsatz mit dem iPhone X werde im laufenden Quartal im zweistelligen Prozentbereich wachsen, betonte er.

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak nervt sich über den Power-Button.

Das Gerät, das in der Schweiz in der Basisversion 1199 Franken und in der Spitzenversion 1389 Franken kostet, bietet als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem ebenfalls im September 2018 vorgestellten iPhone 8 vor allem die Entsperrung per Gesichtserkennung und einen OLED-, statt LED-Bildschirm. Doch nicht jeder iPhone-X-Besitzer ist vom ersten iPhone mit randlosem Display begeistert.

So sagte Apple-Mitbegründer Steve Wozniak jüngst dem Business Insider, dass ihn der Power-Button an der Seite nerve, weil er nicht verlässlich für einen Befehl stehe: Wenn man ihn schnell drücke, passiere etwas anderes als beim zweimaligen Drücken. Und wenn man den Button dreimal bediene, bringe das noch mal ein anderes Ergebnis. Er bevorzuge Dinge, die einfach und verständlich seien.

Man kann das auch so lesen, dass Wozniak findet, dass das Unternehmen Apple mit dem iPhone X gegen sein oberstes Prinzip verstösst, intuitive und einfache Geräte zu entwickeln. Das iPhone bleibt aber das wichtigste Gerät für Apple, mehr als die Hälfte seines Umsatzes macht der Techkonzern mit seinen Smartphones.

Im Steuerjahr 2017 sorgten sie für einen Gewinn von etwa 48 Milliarden Dollar. Nach Angaben der Marktforscher von Comscore sind 43 Prozent der in den USA genutzten Smartphones von Apple. Etwa 86 Millionen US-Amerikaner über 13 Jahre besitzen ein iPhone.

Auch Apples neuestes Gerät, der smarte Lautsprecher HomePod – das Konkurrenzprodukt zu Amazons Echo und Google Home – wird daran vermutlich nicht viel ändern. Das Gerät, das 349 Dollar kosten soll, ist vom 9. Februar an in den USA, Grossbritannien und Australien im Handel. In Deutschland soll er im Frühjahr in den Handel kommen. Wann der Verkauf in der Schweiz startet, ist noch unklar.

Apple braucht dringend gute Nachrichten

Gute Nachrichten wie die, die Tim Cook am Donnerstag verkünden konnte, sind wichtig für den Konzern. Der jüngste Skandal ist noch nicht lange her: Im Dezember wurde bekannt, dass Apple die Leistung bei vorangegangenen iPhone-Modellen drosselt, wenn der Akku älter wird. Einige Apple-Nutzer fühlten sich durch diese Vorgehensweise betrogen und reichten in den USA eine Sammelklage ein. Auch die französische Justiz ermittelt wegen des Verdachts der Täuschung und «geplanter Obsoleszenz».

Anfang Januar hatten zwei Apple-Grossinvestoren, ein Hedgefonds und ein Pensionsfonds, den Konzern ausserdem aufgefordert, etwas gegen Smartphone-Sucht bei jungen Menschen zu tun. Es gebe immer mehr Belege dafür, dass eine intensive Smartphone-Nutzung für Jugendliche negative Folgen haben könne, so die Autoren des Briefes. Das wachsende gesellschaftliche Unbehagen darüber werde irgendwann auch Apple treffen.

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