Das Schwarzgeld und der SBB-Automat

Neu kann man an Billettautomaten der SBB Geld verschicken. Experten sind solchen Angeboten gegenüber kritisch eingestellt. Sie sehen Geldwäscherisiken.

Er ist auch eine kleine Bank: SBB-Ticketautomat.

Er ist auch eine kleine Bank: SBB-Ticketautomat. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Das Geschäft mit Geldüberweisungen floriert – getrieben von neuen Technologien und zunehmender Immigration. Die Schweiz ist dabei ein besonders interessanter Markt. Nur aus den USA, Saudiarabien und Russland schicken Migranten noch mehr Geld ins Ausland. Von hierzulande aus werden jährlich rund 24 Milliarden Franken in die Welt transferiert – mehr als doppelt so viel als vor zehn Jahren, wie Daten der Weltbank zeigen.

Ein schöner Teil davon entfällt auf Kleinstbeträge, die via spezialisierte Anbieter übermittelt werden. Davon profitieren auch die SBB, die seit Jahren mit Marktführer Western Union kooperieren. Zahlen zum Geschäftsverlauf oder -volumen will die Staatsbahn partout nicht nennen. Schlecht scheint es aber nicht zu laufen. Denn nun wird das Geschäft ausgeweitet.

«Positives Wachstum»

Bislang konnte man nur am Schalter Geld verschicken, neu geht das auch rund um die Uhr am Billettautomaten. Kunden müssen dazu eine spezielle App auf ihr Smartphone laden und sich einmal an einem Schalter der SBB registrieren. Nach dieser Prüfung – sie dauert rund fünf Tage – können sie Geld in die ganze Welt überweisen. Dazu wird dem Nutzer nach Erfassung eines Auftrages in der App jeweils ein QR-Code aufs Smartphone geschickt. Diesen scannt er an einem SBB-Billettautomaten. Bezahlen kann er nicht nur mit Karte sondern auch in bar.

Die SBB folgen damit einem Branchentrend. Weil das Geschäft wächst, weiten die Anbieter ihre Vertriebskanäle seit längerem aus. So kann man seit mehreren Jahren auch an Kiosken Geld überweisen. Konkrete Zahlen zum Geschäft will auch der Deutschschweizer Kioskkonzern Valora nicht nennen, der mit Moneygram zusammenarbeitet. «Wir verzeichnen von Jahr zu Jahr Wachstum und sind mit dem Erfolg der Dienstleistung zufrieden», erklärt jedoch Sprecher Mladen Tomic.

Kioske machens vor

Experten betrachten solche Angebote jedoch mit einer gewissen Skepsis. Das Bargeldgeschäft berge ein erhöhtes Risiko, warnen sie. Denn Geld aus zweifelhafter Herkunft sei bei Geldüberweisungen besonders schwierig zu erkennen, weil keine längerfristige Beziehung zum Kunden bestehe. Das stelle an das Personal besonders hohe Anforderungen. In den letzten zehn Jahren wurden der Meldestelle für Geldwäscherei in Bern von Schweizer Überweisungsfirmen insgesamt 1913 Verdachtsfälle gemeldet. Die Branche ist damit für 2,5 Prozent aller Geldwäschemeldungen in der Schweiz verantwortlich.

Die SBB sehen darin kein Problem. Das neue Automatenangebot entspreche den Vorgaben der hauseigenen Selbstregulierungsorganisation SRO SBB und der Finanzmarktaufsichtsbehörde Finma, betonen sie. «Bei der Registrierung am Schalter wird die Plausibilisierungsprüfung gemäss Geldwäschereigesetz durchgeführt», sagt Sprecher Reto Schärli. Eine vertiefte Kontrolle ist das jedoch nicht. Es bedeutet lediglich, dass Mitarbeiter einschätzen müssen, ob die Angaben des Kunden wahr sein können.

Automatische Prüfung

Deshalb gibt es eine zweite Barriere. «Der Kunde muss bei der Prüfung bereits die Empfänger der künftigen Transaktionen angeben», so der SBB-Mann weiter. Gegen Geldwäscherei habe man vorgesorgt, erklärt auch Valora. Transaktionen würden digital und zentral überprüft. Falle etwas auf, würden sie gestoppt. «Parallel achten dafür geschulte Mitarbeiter darauf, ob es Auffälligkeiten gibt», so Sprecher Tomic.

Erstellt: 19.08.2016, 19:36 Uhr

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