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Das verspricht sich die Mobiliar von Ringier

Der Versicherer will den digitalen Wandel forcieren – und holt sich das fehlende Wissen beim Medienkonzern.

Robert Mayer
Dem inlandorientierten Genossenschaftsversicherer Mobiliar fehlt das internationale Know-how. Foto: Keystone
Dem inlandorientierten Genossenschaftsversicherer Mobiliar fehlt das internationale Know-how. Foto: Keystone

Was will die Mobiliar bloss von der «Blick»-Gruppe? Von der «Blick»-Gruppe selbst gar nichts. Mit dem Erwerb eines Anteils von 25 Prozent an Ringier zielt der genossenschaftlich organisierte Versicherer in keiner Weise auf die verlegerischen Aktivitäten des Zürcher Familienunternehmens. Vielmehr verspricht er sich einen Schub für seine digitale Präsenz – dank dem bei Ringier gebündelten Know-how. (Lesen Sie hier, warum die Zusammenarbeit publizistisch nicht folgenlos sein wird.)

«Mit dem Einstieg bei Ringier machen wir einen riesigen Sprung in unserer Digitalisierungsstrategie», sagte Mobiliar-Chef Markus Hongler am Montag vor Medienvertretern. Und was bringt das den Kunden? Wenns die Mobiliar geschickt anstellt – das ist die hohe Kunst in der Digitalisierung –, sollen die Versicherungsnehmer über Handy und PC schneller und einfacher zu besseren Risikodeckungen kommen.

Ob Versicherungen, Ferienreisen oder Autos – die Kunden ziehts zunehmend auf digitale Marktplätze respektive Onlineplattformen, weil sie dort einen raschen und repräsentativen Überblick über das Gesamtangebot bekommen. Die Mobiliar wie auch andere Versicherer gehen noch einen Schritt weiter: Sie bauen sogenannte Ökosysteme auf zu Themen wie Wohnen, Mobilität oder Gesundheit. Dort kann die Kundschaft Dienstleistungen einkaufen, die über den reinen Versicherungsbedarf hinausgehen.

Handicap wettmachen

Hongler sprach von einem «Wettlauf» der Versicherungen bei den Ökosystemen, der sich noch «intensivieren» werde. Denn je grösser diese Systeme seien und je mehr «Verkehr» über sie laufe, desto rentabler seien sie zu betreiben. Die Mobiliar konzentriert sich auf zwei Ökosysteme – eines für Wohnen und eines für kleine und mittlere Unternehmen.

Rund eine Milliarde Franken will der in Bern ansässige Versicherer dafür investieren, wie Hongler schon früher ankündigte. Darin eingeschlossen ist auch die Ablösung von alten Systemen in der Informationstechnik. Über das erforderliche Kapital verfügt die Mobiliar. Auch kann sie den Einstieg bei Ringier problemlos finanzieren; dafür dürfte ein hoher dreistelliger Millionenbetrag fällig werden. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Woran es der Mobiliar aber mangelt, sind das Wissen und die Erfahrung, wie man den digitalen Wandel im Kundenkontakt gestaltet und umsetzt. Hinzu kommt laut Hongler ein Handicap im Vergleich zu Konkurrenten wie Zurich, Allianz, Axa oder Generali: Sie alle haben dank ihrer weltumspannenden Ausrichtung Zugang zu globalem Know-how. Dem inlandorientierten Genossenschaftsversicherer bleibt das verwehrt.

«Wir können viel voneinander lernen – trotz unterschiedlicher Firmenkulturen.»

Marc Walder, CEO Ringier

Diesen Nachteil will Hongler mit der langfristig angelegten Kooperation mit Ringier wettmachen. Der Schritt ist beiden Partnern umso leichtergefallen, als man sich bereits kennt: Die Mobiliar hatte im Frühjahr 2016 eine Beteiligung von 50 Prozent an Scout 24 Schweiz erworben. Die andere Hälfte an diesem Netzwerk von Onlinemarktplätzen für Fahrzeuge, Immobilien und Kleinanzeigen gehört Ringier.

Bessere Kundenansprache

Die beidseitigen Erfahrungen sind so gut gewesen, dass sich die beiden Akteure nun auf eine strategische Partnerschaft verständigt haben, wie Ringier-Chef Marc Walder ausführte. «In den letzten vier Jahren hat sich gezeigt, dass wir viel voneinander lernen können – trotz unterschiedlicher Firmenkulturen.»

Walder bezeichnete sein Haus als eines der am besten aufgestellten Medienunternehmen. 70 Prozent seines operativen Gewinns steuert nach Angaben des Konzernchefs das digitale Geschäft bei, was in Europa ein Spitzenwert darstelle. Erarbeitet wurde diese Position über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Die Mobiliar hingegen hat mit ihrer Digitalisierungsstrategie vor fünf Jahren begonnen.

Diesen zeitlichen Rückstand spürte man, wie Hongler einräumte. Entsprechend gross sind seine Erwartungen an den Wissenstransfer von Ringier: Die Mobiliar verspricht sich davon mittelfristig einen Wettbewerbsvorteil im Heimmarkt. Im Vordergrund steht dabei laut ihrem Chef die digitale Marktbearbeitung, namentlich wie sich Kundengruppen möglichst passgenau mit Versicherungslösungen verbinden lassen.

Nach Vollzug der Beteiligungsnahme bei Ringier wird die Mobiliar zwei Vertreter in den Verwaltungsrat des Medienkonzerns entsenden, neben Markus Hongler noch Präsident Urs Berger.

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