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«Uns entgeht ein Drittel der Einnahmen»

Alle Skywork-Flüge sind abgesagt: Wie Passagiere und die Flugplatzleitung mit dem Grounding umgehen.

«Das Grounding macht mich total traurig»: Passagiere reagieren auf die Skywork-Pleite. (30. August 2018) Video: Tamedia/SDA

Vom Aus der Berner Regionalfluggesellschaft Skywork Airlines wurden am Donnerstagmorgen auf dem Berner Flugplatz nur wenige Passagiere überrascht – vor allem Ausländer. Unter ihnen befand sich der Botschafter von Usbekistan in Deutschland. Er wollte mit Skywork nach Berlin fliegen, wie er vor dem Flugplatzgebäude der Nachrichtenagentur SDA sagte, und wurde dann vom Flugplatzpersonal über das Skywork-Grounding ins Bild gesetzt. Danach ging die Suche nach Alternativen los.

Reaktionen nach dem Skywork-Grounding: Fluggäste und der Flughafenchef äussern sich zum Skywork-Konkurs. (Video: Tamedia/SDA)

Ebenfalls noch nichts gewusst von der Betriebseinstellung der Berner Airline hatte ein Teenager, der mit Skywork nach Amsterdam reisen wollte, um von dort aus nach Hong Kong weiter zu fliegen. Eine Flugplatzangestellte bat ihn und seine Familie ins Büro und informierte sie dort. Auf dem Flugfeld ging derweil der Betrieb mit Kleinflugzeugen weiter. Auf den Abstellflächen waren mehrere Skywork-Flugzeuge zu sehen. Auf den Informationsbildschirmen stand «cancelled» neben den Flügen von Skywork.

Flughafen-CEO: Betrieb geht weiter

«Skywork war unser Hauptkunde», sagt Mathias Gantenbein, CEO des Flughafens Bern-Belp. Der Wegfall dieses Schwergewichts sei schmerzlich. «Uns entgeht kurzfristig ungefähr ein Drittel der Einnahmen», sagt er. An den Bewegungen im Bereich Linien- und Charterverkehr hatte Skywork einen Anteil von 60 Prozent.

«Um die Lücke zu schliessen, sind im Gespräch mit Fluggesellschaften», sagt Gantenbein. Der Betrieb des Flughafens sei nicht unmittelbar gefährdet. Helvetic etwa bringe heute 200 Passagiere an die Wärme. «Für uns gilt Normalbetrieb. Gestrandeten Kunden helfe man, indem man mit ihnen nach einer Transportmöglichkeit suche.

«Nun müssen alle nach Zürich, Basel und Genf»

«Dass das so Knall auf Fall kommt, ist für mich total enttäuschend», sagt ein Passagier. Er habe Skywork geschätzt, weil man von Bern aus habe fliegen können. Gerade für ältere Leute sei dies optimal gewesensagt er in einem Interview der SDA. Das Bazl hätte intervenieren sollen, als man die sich verschlechternde Finanzlage erkannt habe, findet er.

Flugzeugfans und Stammgäste des Flugplatz-Cafés reagierten schockiert auf das Aus von Skywork. Jean-Pierre Moresi aus dem Berner Vorort Wabern sagte der Nachrichtenagentur SDA, die Bedeutung von Skywork für die Grossregion Bern sei gross. «Nun müssen alle Kunden nach Zürich, Basel und Genf».

Die Skywork Airlines hat am 29. August 2018 den Flugbetrieb eingestellt. Betroffen sind über hundert Angestellte und 11'000 Passagiere.
Die Skywork Airlines hat am 29. August 2018 den Flugbetrieb eingestellt. Betroffen sind über hundert Angestellte und 11'000 Passagiere.
Franziska Rothenbühler
Nach gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Partner seien die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben, den Betrieb weiterzuführen, teilte das Unternehmen mit.
Nach gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Partner seien die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht mehr gegeben, den Betrieb weiterzuführen, teilte das Unternehmen mit.
Franziska Rothenbühler
In Zagrab hatten sich die Young Boys erfolgreich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Etliche Fans bereiteten der Mannschaft beim Flugplatz Bern-Belp einen würdigen Empfang.
In Zagrab hatten sich die Young Boys erfolgreich für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert. Etliche Fans bereiteten der Mannschaft beim Flugplatz Bern-Belp einen würdigen Empfang.
Thomas Hodel, Keystone
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Besonders für nicht mehr so junge Flugpassagiere seien die kurzen Wege auf dem kleinen Berner Regionalflugplatz sehr praktisch, sagte Moresi, nach eigenen Angaben bisher ein regelmässiger Kunde der Berner Fluggesellschaft.

Die Meinungen waren geteilt in der Frage, ob es dem Flugplatz Bern gelingen wird, die Skywork-Lücke zu schliessen. Die einen sagten, nach dem Skywork-Aus werde es schwierig, neue Fluggesellschaften zu finden. Die anderen fanden, Bern habe trotz allem ein Potenzial.

Reisebüros an der Arbeit

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) rät Passagieren, die den Flug in einem Reisebüro gebucht haben, sich dort zu melden. Die Veranstalter kümmern sich um Alternativen und haben am Donnerstag bereits begonnen, ihre Gäste zu kontaktieren, wie es beispielsweise bei Tui Suisse und Hotelplan Suisse hiess.

Bei Tui Suisse sind rund 150 Personen betroffen, die demnächst mit einem Pauschalarrangement hätten abreisen wollen und etwa zwanzig Gäste, die schon in den Ferien sind. «Wir versuchen, sie auf andere Flüge umzubuchen oder Alternativen für sie zu suchen», sagte Sprecherin Corina Räber zu SDA. Dabei werde kulant vorgegangen.

Bei Hotelplan Suisse sind nach Angaben von Prisca Huguenin-dit-Lenoir 690 Kunden vom Skywork-Konkurs betroffen. Rund zwanzig Gäste wurden bereits oder werden noch am Donnerstag umgebucht. 533 haben Pauschalarrangements der verschiedenen Reisemarken gebucht, die übrigen Flüge oder einzelne Leistungen.

«Es gilt nun, fortlaufend alle Betroffenen zu kontaktieren und mit ihnen Alternativen und Umbuchungen zu besprechen», sagte Huguenin-dit-Lenoir. Die meisten der Betroffenen bei Hotelplan Suisse haben Wien oder die Balearen-Inseln Mallorca und Ibiza als Reiseziele. Auch bei Tui Suisse ist Mallorca das häufigste Flugziel der Betroffenen.

SDA/mch

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