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Den Grossbanken brechen die Gewinne im Rohstoffgeschäft weg

In den USA nehmen Behörden und Politik den Rohstoffhandel der Grossbanken unter die Lupe – und nun sinken auch noch die Einkünfte der Banken aus dem Geschäft. Die grösste US-Bank will sogar aussteigen.

Die Nachfrage nach Rohstoffen ist teilweise gesunken: Eine Ölraffinerie in Kalifornien.
Die Nachfrage nach Rohstoffen ist teilweise gesunken: Eine Ölraffinerie in Kalifornien.
Bret Hartman, Reuters

Den grossen Investmentbanken brechen einer Studie zufolge die Einnahmen im Rohstoffgeschäft weg. In der ersten Jahreshälfte erwirtschafteten die zehn führenden Institute der Branche ein Viertel weniger Einnahmen in diesem Bereich als vor Jahresfrist, wie die Beratungsfirma Coalition in einer Analyse schreibt.

Als Gründe nannten die Experten eine schwächere Nachfrage bei Investoren sowie weniger starke Kursschwankungen. Unter anderem im Strom- und Gashandel habe es starke Rückgänge gegeben. Die grossen Investmentbanken äussern sich üblicherweise nicht direkt zu ihren Rohstoffumsätzen, sondern nennen häufig nur die Ergebnisse für den grösseren Bereich Anleihen, Währungen und Rohstoffe.

Goldman Sachs wird wegen Preistreiberei verklagt

Die Wall-Street-Banken hatten sich in den letzten Jahren zu mächtigen Spielern im Rohstoffhandel aufgeschwungen – und das weit über das Börsenparkett hinaus. Sie besitzen eigene Warenlager. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat deswegen nun sogar eine Klage am Hals.

Goldman Sachs soll über Jahre die Preise für Aluminium in die Höhe getrieben haben. Davon ist ein US-Aluminiumverarbeiter überzeugt, der vor dem Bezirksgericht Detroit eine Klage gegen die Bank und die Londoner Metallbörse LME eingereicht hat. Die LME-Muttergesellschaft wies den Vorwurf am Sonntag zurück. Auch Goldman Sachs erklärte, sich vor Gericht wehren zu wollen.

Hintergrund der Klage ist ein Geschäftsmodell, das auch den Argwohn von Finanzaufsehern geweckt hat: Viele Grossbanken besitzen eigene Lagerhäuser für Rohstoffe. Sie verdienen damit direkt am Hunger der Industrie, etwa nach Metallen.

Der Aluverarbeiter Superior Extrusion aus Michigan wirft Goldman Sachs vor, die Auslieferung des Aluminiums aus den bankeigenen Lagerhäusern in Detroit verzögert zu haben, um höhere Lagermieten kassieren zu können. Die LME als die marktbeherrschende Metallbörse habe dieses Vorgehen gedeckt.

Andere, namentlich nicht genannte Lagerhaus-Betreiber seien ähnlich vorgegangen. Superior Extrusion will im Namen aller Geschädigten eine Sammelklage durchsetzen.

Auch die Bierbrauer sind erzürnt

Wie tief der Frust bei den Alukunden sitzt, zeigten jüngst Äusserungen von Timothy Weiner vor einem Ausschuss des US-Senats. Der Risikomanager der zweitgrössten US-Brauerei Miller Coors beschwerte sich über das Geschäftsgebaren der Banken und der LME. Er schätzte die Zusatzkosten für die Kunden allein im vergangenen Jahr auf 3 Milliarden Dollar. «Das aktuelle System funktioniert nicht.»

Es sei kaum mehr möglich, Alu direkt von den Herstellern zu beziehen, erläuterte Weiner. Das Metall gehe direkt in die Lagerhäuser. Die US-Grossbanken hätten mit Hilfe der LME «einen Flaschenhals geschaffen, der den Nachschub an Aluminium einschränkt».

Miller Coors und andere Kunden hätten bis zu anderthalb Jahre auf eine bestellte Lieferung warten müssen. «Das ist bei keinem anderem Rohstoff so, den wir kaufen.»

Grösste US-Bank will sich von Rohstoffgeschäft trennen

Laut der bereits am Donnerstag eingereichten Klage betreibt Goldman Sachs über seine Tochtergesellschaft Metro International 29 der 37 von der LME zugelassenen Lagerhäuser in Detroit. Schätzungen zufolge kontrolliere die Bank damit die Hälfte allen Alus, das in US-Lagerhäusern liege, hiess es.

US-Aufsichtsbehörden und Politiker fürchten durch den Zugriff der Wall Street auf Rohstoffe Interessenkonflikte und eine Machtballung. Vor diesem Hintergrund will sich die grösste US-Bank JP Morgan Chase von dem Geschäftsfeld trennen, wie sie Ende Juli erklärte.

SDA/mw

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