Denner legt im Glace-Preiskampf mit Coop nach

Der Discounter lässt es nicht auf sich sitzen, dass er bei Frisco-Glaces unterboten wurde.

Ein Vergleich von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt: Das günstigste Schoggicornet kostet bei Denner 80 Rappen, bei Coop 1.30 Franken und bei Migros 1.95. Bild: Reto Oeschger

Ein Vergleich von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt: Das günstigste Schoggicornet kostet bei Denner 80 Rappen, bei Coop 1.30 Franken und bei Migros 1.95. Bild: Reto Oeschger

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Es zählen die inneren Werte. Mit diesem Satz wird derzeit das Nestlé-Produkt Pralinato auf Plakaten beworben. Damit spielt dessen Hersteller Froneri auf den Schokoladenkern im Glace an. Froneri ist ein von Nestlé und R & R (Mars, Bounty) gegründetes, Milliarden Franken schweres Joint-Venture aus Rorschach.

Doch bei Denner sorgte letzte Woche ein ganz und gar äusserliches Merkmal für Ärger: der hohe Preis von Pralinato und dem Nestlé-Cornet Extrême in seinen Filialen. Vor zwei Wochen hatte Tagesanzeiger.ch/Newsnet darüber berichtet. Mit 2.30 Franken für den Schoggistängel respektive 2.80 Franken für das Cornet kostete die Markenglace 10 respektive 5 Rappen mehr als bei Coop.

Froneri rechtfertigt sich

Dies konnte und wollte Denner nicht auf sich sitzen lassen. «Wir nehmen unsere Aufgabe als Discounter auch nach fünfzig Jahren nicht auf die leichte Schulter und senken ab Dienstag die Preise für ein Pralinato um 20 Rappen und für Extrême-Cornets um 10 Rappen», sagt Pressesprecher Thomas Kaderli. Damit rutschen seine Preise wieder unter die von Coop. Die für Kunden gewohnte Preisordnung ist wieder hergestellt, die Denner gebietet, günstiger als der Grossverteiler zu sein.


Für Pralinato und Cornets zahlt man dieses Jahr mehr Ein Preisvergleich zeigt, welche Glaces teurer sind als letzten Sommer. Wie Händler Preisaufschläge um über 20 Prozent erklären. (Abo+)


Senken die anderen Händler jetzt ebenfalls ihre Glacepreise? Bei Coop und den Kiosken von Valora (K-Kiosk), die ebenfalls Nestlé-Glace verkaufen, winkt man ab. Von beiden heisst es, sie würden die Preise erst senken, wenn der Hersteller seinerseits seine im Grosshandel gültigen Preise senke.

Der Hintergrund der Verwerfungen? Froneri hat seine Preise für Nestlé-Produkte auf diesen Sommer hin erhöht. Wie stark, ist geheim. Darüber reden nicht einmal die betroffenen Händler.

Coop will den Vorteil bei sinkenden Grosshandelspreisen an die Kunden weitergeben.

Deren Marge bei solchen Produkten beträgt geschätzt 30 bis 40 Prozent. Sie versuchen sie gleich zu halten. Das heisst, wenn ein Hersteller den Grosshandelspreis zum Beispiel von 1.10 auf 1.40 pro Stück erhöht, erhöht sich der Preis für Konsumenten von 1.55 auf 1.95.

Offenbar war Denner vom Aufschlag des Herstellers stärker betroffen als seine Konkurrenten. Vermutet wird, dass Froneri das generelle Preisniveau für gewisse Glacesorten anheben wollte und Denner zu einem stärkeren Aufschlag zwang als Coop oder Valora, weil sein Preis für ein Pralinato von 1.90 zu tief war.


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Denner hob für diesen Glace­stängel den Preis um 40 Rappen an und für das Extrême-Cornet um 20 Rappen, während Coop und Valora ihre Preise nur je um 5 bis 10 Rappen erhöhten. «Die Preisanpassungen für diesen Sommer entsprechen den höheren Einkaufspreisen vonseiten Froneri», heisst es bei Coop. «Sobald die Grosshandelspreise wieder sinken, werden wir den Vorteil an Kunden weitergeben.» So will auch Valora verfahren.

Froneri entgegnet, seine Preise hätten im Durchschnitt nur um 2.5 Prozentpunkte aufgeschlagen im Vergleich zum Vorjahr. Denner sei frei in der Preisgestaltung. Der Discounter kontert, Froneri sage nicht die ganze Wahrheit, der Aufschlag für einige Glaces sei viel grösser gewesen als der Durchschnitt.

Alternativen für Kunden

Wie geht es weiter? Laut Detailhandelsexperte Thomas Rudolph von der Universität St. Gallen sind Eigenmarkenglaces der Detailhändler die grösste Konkurrenz. Je mehr Kunden Eigenprodukte von Denner, Migros und Coop kaufen würden, umso mehr käme Froneri mit seinen Preisen unter Druck.

Wie billig die Alternativen sind, zeigt ein Vergleich von Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Das günstigste Schoggicornet kostet bei Denner 80 Rappen, bei Coop 1.30 Franken und bei Migros 1.95. Wie stark die darin verarbeiteten Rohstoffe variieren, ist ohne aufwendige Tests nicht herausfinden. Doch Migros betont: «Für unsere Eigenmarken verwenden wir nur hochwertige Zutaten, die mindestens gleich gut sind wie die der Markenartikel.» So verteidigt auch Migros das Preisniveau ihrer Cornets und will die diesjährige Preiserhöhung um 22 Prozent nicht rückgängig machen.

Erstellt: 06.08.2018, 21:25 Uhr

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