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Der 13-Milliarden-Ablass

Die US-Bank J.P. Morgan hat sich mit dem Justizdepartement auf eine Rekordbusse geeinigt. Die Gangart gegenüber den Banken wird härter – kein gutes Omen für die Schweizer Institute.

Sass bei Obama plötzlich in der zweiten Reihe: J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon.
Sass bei Obama plötzlich in der zweiten Reihe: J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon.
Reuters
Der Glanz verblasste rasch: J.P-Morgan-Hauptquartier in New York.
Der Glanz verblasste rasch: J.P-Morgan-Hauptquartier in New York.
Reuters
Einzig die UBS hingegen kann für einmal aufatmen. Sie hat sich in der Hypothekenfrage mit den Behörden bereits geeinigt und ihre Bussen bezahlt.
Einzig die UBS hingegen kann für einmal aufatmen. Sie hat sich in der Hypothekenfrage mit den Behörden bereits geeinigt und ihre Bussen bezahlt.
Reuters
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Bei den Treffen von führenden Wirtschaftsvertretern mit US-Präsident Barack Obama sass James Dimon, CEO von J.P. Morgan, stets in der ersten Reihe. Die Bank hatte wie einst ihr legendärer Gründer gleichen Namens die Gunst und das Ohr des Weissen Hauses erworben. Anders als die meisten anderen schien sie ohne grössere Flops durch die Finanzkrise gesegelt zu sein. Zudem hatte sie zwei der Problemkinder – Bear Stearns und Washington Mutual - mit dem Segen von Regierung und Notenbank übernommen und vor dem Untergang bewahrt.

Dann kam zunächst der 6,5-Milliarden-Verlust mit dem «Londoner Wal», einem ausser Kontrolle geratenen Händler, der mit scheinbar sicheren Spekulationen diesen Betrag in den Sand gesetzt hatte. Und danach sickerte auch durch, dass J.P. Morgan ebenfalls weit stärker in die dubiosen Geschäfte im ausser Rand und Band geratenen Hypothekenmarkt gespielt hatte. Vor allem ist die Bank in einen langwierigen Prozess mit den beiden halbstaatlichen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae verwickelt. Der Glanz verblasste rasch, beim letzten Treffen im Weissen Haus musste Jamie Dimon in der zweiten Reihe Platz nehmen.

Lästige Bussen aus der Portokasse

Nun will Dimon jedoch aufräumen. In einem 13-Milliarden-Deal sollen alle Vergehen der Vergangenheit auf einen Schlag aus dem Weg geräumt werden. Es handelt sich dabei um eine moderne Form des Ablasshandels. Er zeigt aber gleich doppelt, dass die Sünden der Banken nicht mehr billig vergeben werden. 13 Milliarden Dollar entsprechen fast der Hälfte des Gewinns vor Steuern der Bank im letzten Jahr. Dieser lag bei 28,9 Milliarden Dollar. Die Zeiten, in denen man die lästigen Bussen aus der Portokasse berappen konnte, sind damit vorbei.

Fast noch schlimmer als die Höhe der Busse ist die Tatsache, dass in diesem Ablasshandel keine Generalamnestie mehr mit inbegriffen ist. J.P. Morgan hat nicht nur eingewilligt, dass die Untersuchungen des Justizdepartements und anderer Behörden wegen krimineller Verstösse weitergehen. Dimon hat die Mitarbeiter der Bank sogar aufgefordert, die Behörden bei diesen Untersuchungen zu unterstützen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Tage des «too big to jail» gezählt sein dürften. Mit anderen Worten: Fehlbare Banker müssen nicht nur mit hohen Bussen, sondern auch mit Gefängnisstrafen rechnen.

Einzig die UBS kann für einmal aufatmen

J.P. Morgan ist kein Einzelfall. Auch die Bank of America muss voraussichtlich 6 Milliarden Dollar Busse hinblättern, weil sie die Anleger mit dubiosen Finanzpapieren hinters Licht geführt hat. Das hat die Federal Housing Finance Agency bekannt gegeben. Diese Strafe ist bei genauem Hinsehen noch härter als bei J.P. Morgan, denn der Anteil am von Dimon ausgehandelten Ablass beträgt dort bloss 4 Milliarden Dollar.

Das entschlossene Vorgehen der US-Regierung gegen die eigenen Banken ist kein gutes Omen für die zu erwartenden Bussen gegen die Schweizer Banken. Einzig die UBS hingegen kann für einmal aufatmen. Sie hat sich in der Hypothekenfrage mit den Behörden bereits geeinigt und ihre Bussen bezahlt.

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