«Der Abbau ist kurzfristig ein harter Schlag für uns»

Was der Kahlschlag bei General Electric für die Schweiz als Industriestandort bedeutet – Antworten von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann.

«Was nützt es Arbeitsplätze politisch zu erzwingen, die nicht gesichert sind?»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann wehrt sich gegen eine Industriepolitik à la française.

«Was nützt es Arbeitsplätze politisch zu erzwingen, die nicht gesichert sind?»: Bundesrat Johann Schneider-Ammann wehrt sich gegen eine Industriepolitik à la française. Bild: Anthony Anex/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

1400 Menschen in der Schweiz verlieren ihre Stelle. Wie beurteilen Sie den Entscheid von General Electric?
Der Abbau ist zumindest kurzfristig ein harter Schlag für uns. Ich gehe davon aus, dass dieser Schritt für General Electric unternehmerisch notwendig war. Weltweit muss General Electric 12 000 Stellen abbauen. Dem Konzern geht es miserabel, und dem Schweizer Ableger mit seinen Gas- und Kohlekraftwerksturbinen ist der Markt weggebrochen. Es kommt auch immer darauf an, wie sich das internationale Umfeld entwickelt. Würden etwa die Sanktionen gegen Russland aufgehoben, sähe es für die betroffenen Aargauer Betriebe viel besser aus. Wir werden mit dem Management der Firma nun eine gründliche Analyse vornehmen.

Sie haben gegenüber dem Management unlängst noch für den Standort Schweiz geworben. Offensichtlich ohne Erfolg.
Das glaube ich nicht. Ich denke, es ist uns durchaus gelungen, die vielen Stärken des Standorts Schweiz darzulegen. Damit konnten wir wohl die Schliessung oder Verlagerung eines Werks verhindern.

Hat man Sie über das Ausmass des geplanten Abbaus damals informiert?
Nein, General Electric hatte zu diesem Zeitpunkt die Zahlen noch nicht beschlossen.

Die Franzosen haben offensiv und erfolgreich für General-Electric-Arbeitsplätze in ihrem Land gekämpft. Sie hingegen lehnen eine aktive Industriepolitik vehement ab. Müssen Sie sich jetzt nicht hintersinnen?
Eine Industriepolitik à la française ist «Chabis». Was nützt es, wenn man kurzfristig 1000 Arbeitsplätze politisch erzwingt, die nicht abgesichert sind, weil die Absatzmärkte fehlen?

Aber eben: Bei uns wird jetzt abgebaut.
Für die Schweiz sind die Zahlen nun klar. Ob Frankreich vom Stellenabbau nicht doch noch betroffen sein wird, wissen wir heute nicht. Unser Schweizer System ist viel erfolgreicher: Die Arbeitslosenquote in Frankreich ist fast doppelt so hoch wie bei uns, wir haben einen höheren Industrieanteil am BIP. Unser Standort ist attraktiv: Die Schweiz steht im internationalen Vergleich praktisch schuldenfrei da. Das ist die beste Absicherung gegen plötzliche Steuererhöhungen. Wir haben das beste Bildungssystem der Welt, wir haben die besten technischen Hochschulen. Das sind unsere Vorzüge, auf die wir setzen und die wir bekannt machen müssen.

Es hiess in der Vergangenheit, General Electric habe versprochen, den Standort Baden beim allfälligen Aufbau neuer Geschäftsfelder zu berücksichtigen, etwa im Bereich der erneuerbaren Energien. Wissen Sie, ob das noch gilt?
Sie werden ein solches «Versprechen» von einem Unternehmen nie erhalten. Und wenn, dann von einem Manager, der im entscheidenden Moment nicht mehr auf seinem Platz sitzt. Wie gesagt, ich glaube, die Führung von General Electric ist sich der Vorzüge unseres Landes bewusst. Ich kenne die betroffenen Betriebe im Aargau von meiner eigenen unternehmerischen Erfahrung her. Ich bin aufgrund der mir bekannten Signale zuversichtlich, dass für die Zukunft auch wieder hier investiert wird.

Könnte es auch schlicht und einfach sein, dass die Schweiz Schritt für Schritt deindustrialisiert wird?
Die Schweiz ist ein Industrieland, und sie wird und muss eines bleiben. Immer wenn ein Grosskonzern Stellen abbaut, reden alle darüber. Wir sollten viel öfter auch über die vielen erfolgreichen Kleinbetriebe, über die zahlreichen, topmotivierten Startups sprechen. So würde man den Menschen Mut machen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.12.2017, 17:35 Uhr

Artikel zum Thema

Schwere Managementfehler führen zu Kahlschlag im Aargau

1400 Jobs bei General Electric weg: Was zum Abbau beim Schweizer Ableger des US-Riesen führte. Mehr...

General Electric baut in der Schweiz 1400 Stellen ab

Der US-Konzern General Electric (GE) setzt in der Schweiz das Sparbeil an. Es ist bereits der zweite grosse Abbau innerhalb von eineinhalb Jahren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Des Handwerkers Angst vor dem Erfolg

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...