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Der amerikanische Albtraum der CS-Aktionäre

Die Credit Suisse entzieht sich mit ihrer Vergütungspraxis jeder sinnvollen Kontrolle.

MeinungVon Arthur Rutishauser

Die Art, wie die Credit Suisse ihre Chefs entlöhnt, gibt Jahr für Jahr Stoff für einen Skandal. Seit Lukas Mühlemann im Jahr 2000 die amerikanische Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ) kaufte, sind die Löhne der CS-Chefs explodiert und ist der Kurs der Aktie implodiert. Ein amerikanischer Albtraum für die Aktionäre. Inzwischen ist es auch der Führung der zweitgrössten Schweizer Bank nicht mehr wohl mit ihren Riesenbezügen. Regelmässig hat Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in den letzten Jahren freiwillig auf einen Teil des ihm zugedachten Lohns verzichtet, Konzernchef Tidjane Thiam kassierte für letztes Jahr nur 60 Prozent des Bonus, der ihm eigentlich zugedacht war. Und der frühere Chef Brady Dougan, ansonsten grossen Salären nicht abgeneigt, spendete 2010 einen Teil seines Einkommens, als er aus einem Vergütungsplan 70 Millionen bekam und ­daneben noch 19,5 Millionen Franken Lohn bezog.

Angesichts all dessen und der Tatsache, dass sich die Gewinne der CS – wenn es denn in den letzten Jahren welche gab – mit schöner Regelmässigkeit wegen Abschreibungen, Bussen und Verlusten in Luft aufgelöst haben, müssten sich die Eigentümer eigentlich seit langem wehren und die Vergütungsberichte allesamt ablehnen. Dass dies nicht geschieht, hat seine Gründe. So sind Grossaktionäre aus dem Nahen Osten ganz zufrieden, nicht mit dem Aktienkurs, aber damit, dass sie aus hochverzinslichen Anleihen, den sogenannten Cocos, annähernd 10 Prozent Rendite ziehen. Eine weitere grosse Gruppe von Aktionären, die Pensionskassen, verlassen sich auf die Stimmrechtsberater. Die Schweizer Pensionskassen oft auf Ethos, welche den Vergütungsbericht der Credit Suisse schon oft erfolglos abgelehnt hat, die Ausländer auf die amerikanische ISS, welche viel Einfluss hat. Darum gab es auch zwei geheime Telefonkonferenzen, bei denen es offensichtlich der CS-Führung gelang, die Amerikaner auf ihre Seite zu ziehen. ­Warum, ist nicht transparent. Aus Sicht der Schweizer Aktionäre ein zweiter amerikanischer Albtraum, denn damit wird jede sinnvolle Kontrolle der Bankführung verunmöglicht und die Minder-Initiative ad absurdum geführt.

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