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Der Billigzug rollt an

In unseren Nachbarländern fährt er teilweise schon oder nimmt demnächst den Betrieb auf: Der Billigzug. Auch in der Schweiz wäre dies möglich – unter bestimmten Bedingungen.

Freut sich über den Start seines privaten «Italo»-Zugs: Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, Präsident des privaten Betreibers Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) am Bahnhof Tiburtina in Rom. (April 2012)
Freut sich über den Start seines privaten «Italo»-Zugs: Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, Präsident des privaten Betreibers Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) am Bahnhof Tiburtina in Rom. (April 2012)
Keystone
Konkurrenz für die ÖBB auf der Paradestrecke Wien–Salzburg: Ein Zug der privaten Westbahn, deren Verwaltungsratsvorsitzender der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel ist.
Konkurrenz für die ÖBB auf der Paradestrecke Wien–Salzburg: Ein Zug der privaten Westbahn, deren Verwaltungsratsvorsitzender der ehemalige SBB-Chef Benedikt Weibel ist.
Keystone
Konkurrenziert die SBB im Güterverkehr: Die BLS, deren Zug im Bild auf dem Weg zum Lötschberg-Basistunnel bei Visp VS ist.
Konkurrenziert die SBB im Güterverkehr: Die BLS, deren Zug im Bild auf dem Weg zum Lötschberg-Basistunnel bei Visp VS ist.
Keystone
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Das Konzept der Billigflieger macht sich langsam auch auf den europäischen Schienen breit. In den Nachbarländern der Schweiz hält der Billigzug seit Ende 2011 schrittweise Einzug:

  • Österreich: Seit Dezember 2011 rollen sie zwischen Wien, Linz und Salzburg: die Züge der ersten Privatbahn auf den Schienen der Staatsbahn ÖBB. Stewardessen und WLAN inklusive. Eine einfache Fahrt von Wien nach Salzburg kostet 23.80 Euro, was dem Halbtaxpreis bei den ÖBB entspricht. Verwaltungsratsvorsitzender des Betreibers Westbahn ist der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel. Der Start war harzig. Wie der Tages-Anzeiger am vergangenen Samstag berichtete, weigerten sich die ÖBB nicht nur lange, die Westbahn in ihre Fahrpläne aufzunehmen. Sie zwangen das Start-up-Unternehmen auch mit Billigtickets in einen Preiskampf, den man dort weder erwartet noch einkalkuliert hatte. Zudem tobt hinter den Kulissen ein Rechtsstreit. «Derzeit geben wir mehr Geld für Anwälte als für das Marketing aus», sagt Weibel.
  • Italien: Im April nahm der private Hochgeschwindigkeitszug «Italo» seinen Betrieb auf der Paradestrecke Mailand–Bologna–Florenz–Rom–Neapel auf. Hinter dem Projekt steht das Unternehmen NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori) von Ferrari-Boss Luca di Montezemolo. Er setzt auf Luxus zu erschwinglichen Preisen. Laut Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, haben die privaten Anbieter bereits diverse Schikanen durch den staatlichen Betreiber Trenitalia erlebt.
  • Deutschland: Für fünf Euro von Hamburg nach Köln: Der private Hamburg-Köln-Express (HKX) startet laut Ftd.de noch diesen Monat seinen Betrieb auf dieser Paradestrecke. HKX ist der erste Mitbewerber, der die Deutsche Bahn auf einer Hauptstrecke des Fernverkehrs konkurrenziert. Zwischen Leipzig und Rostock betreibt bereits der französische Konzern Veolia seine Züge – bisher mit bescheidenem Erfolg, wie Ftd.de schreibt. Ausserdem soll im Herbst das Kölner Unternehmen MSM in den Bahnmarkt treten.
  • Frankreich: Auch in Frankreich kommt der Billigzug – allerdings nicht von einem privaten Anbieter, sondern von der staatlichen SNCF selbst. Wie das französische Blatt «Le Parisien» berichtet, wird der Billig-TGV ab Anfang 2013 rollen; dies zwischen Paris und den Städten Lyon, Montpellier und Marseille. Die Billette werden rund 25 Prozent günstiger sein als die herkömmlichen. Im Gegensatz zu herkömmlichen TGVs soll es in der Billigvariante weder eine erste Klasse noch einen Speisewagen geben. Es werden Bahnhöfe angefahren, die nicht im Innenstadtbereich liegen.

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