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«Der Bundesrat hat kein Konzept in der Aussen- und Industriepolitik»

EMS-Chefin Magdalena Martullo ist stolz auf die Halbjahreszahlen ihrer Holding. Sie sieht jedoch schwarz für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und kritisiert den Bundesrat heftig für seine Wirtschaftspolitik.

«Es ist immer noch zu unattraktiv, in Westeuropa zu investieren»: Magdalena Martullo zum Geschäftsumfeld der EMS-Chemie.

Die EMS-Chemie erzielte im ersten Halbjahr ein Ergebnis, das über den Erwartungen der Anleger lag. Der Kurs der Namenaktie legte heute bis nach dem Mittag um mehr als 4 Prozent auf 308.75 Franken zu.

Die EMS-Chemie steigerte den Umsatz bis Ende Juni auf 954 Millionen Franken, 5,5 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Überproportional legte das Betriebsergebnis (Ebit) zu. Es betrug 183 Millionen Franken.

«Ich sehe keine Verbesserung in Europa»

Im Gesamtjahr erwartet das Unternehmen Zahlen, die «leicht über Vorjahr» zu liegen kommen. EMS-Chefin Magdalena Martullo erklärt gegenüber Keystone (siehe Video oben), das Unternehmen habe grosse Anstrengungen unternommen, um den Anwendungsbereich der Produkte auszudehnen. Damit wollte man der sinkenden Nachfrage in Europa begegnen.

Generell sieht Martullo die Aussichten auf dem alten Kontinent eher düster. «Ich sehe keine Verbesserung in Europa. Es ist immer noch zu unattraktiv, in Westeuropa zu investieren», sagt die Tochter des ehemaligen EMS-Chefs und Alt-Bundesrats Christoph Blocher. Standortqualitäten wie die Rahmenbedingungen im Arbeitsmarkt hätten sich kaum verändert. Die Nationalbanken druckten lediglich mehr Geld. «Damit steigt das Risiko, dass die Situation früher oder später eskaliert», befürchtet Martullo.

Lob und Tadel für Bundesrat

Gut läuft das Geschäft hingegen in den USA und in China. Das Freihandelsabkommen zwischen Bern und Peking sei ein klarer Pluspunkt – selbst für die EMS-Chemie, auch wenn sie davon nicht direkt profitieren dürfte. «Leider gehören unsere innovativen Produkte zu den sieben Prozent, die gar nicht von Zollreduktionen profitieren», erklärt Martullo.

Abgesehen vom beschlossenen Freihandel mit China kritisiert die EMS-Chefin jedoch die Landesregierung: «Der Bundesrat hat kein Konzept in der Aussen- und Industriepolitik.» Es gebe keine klare Vorstellung davon, wie sich das Land im immer schärferen Standortwettbewerb behaupten könne, beklagt Martullo.

sda/keystone/rub

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