Zum Hauptinhalt springen

Der Druck auf die CS-Chefs wurde zu gross

Die Konzernleitung der Credit Suisse streicht sich einen Teil des Bonus – der Verwaltungsrat verzichtet auf eine Erhöhung der Honorare. Freiwillig geschah das nicht.

Tidjane Thiam und Urs Rohner – das Führungsduo der Credit Suisse versucht, die Wogen bei den Aktionären zu glätten. Foto: Alessandro Della Bella (Bloomberg/Getty Images)
Tidjane Thiam und Urs Rohner – das Führungsduo der Credit Suisse versucht, die Wogen bei den Aktionären zu glätten. Foto: Alessandro Della Bella (Bloomberg/Getty Images)

Im Rest der Bank freute man sich auf das verlängerte Wochenende und machte früh Schluss. Auf der Teppichetage der Credit Suisse dagegen herrschte am Gründonnerstag noch Hektik. Die Führung musste einen heiklen Entscheid fällen: einknicken oder nicht? Es war eine Wahl zwischen Pest und Cholera. In den letzten Wochen hatte es massive Kritik an ihren Bezügen gegeben. Wären sie stur geblieben, hätten sie an der Generalversammlung vom 28. April eine Schmach in Form einer Ablehnung der Vergütungstraktanden riskiert. Wenn sie auf die Einwände reagieren, kann man ihnen Beeinflussbarkeit und fehlende Konsistenz vorwerfen.

Die Führung der zweitgrössten Schweizer Bank wählte die zweite Option. Offensichtlich war der Druck auf sie zu gross geworden. Man habe in den letzten Wochen ausführliche Gespräche mit vielen Aktionären geführt, schreibt Verwaltungsratspräsident Urs Rohner in einem Brief an die Aktionäre. Dabei «haben wir viel Unterstützung für die Umsetzung unserer Strategie bekommen». Zugleich aber hätten «einige Aktionäre» Vorbehalte gegenüber «gewissen Aspekten» der Vergütung geäussert, erklärte Rohner den Gesinnungswandel.

Konkret hat der Verwaltungsrat beschlossen, «seine Vergütung auf dem Niveau von 2015 und 2016 zu belassen und auf die für 2017 vorgesehene Erhöhung zu verzichten», wie Rohner darlegte. Es ist ein Signal an die Kritiker, aber kein grosser Verzicht. Vorgesehen war eine Anhebung der Gesamtvergütung für das Gremium um 0,5 Millionen auf neu 12,5 Millionen Franken.

Rohner im Kreuzfeuer

Der CS-Präsident stand besonders im Kreuzfeuer. Er bekam für das abgelaufene Jahr knapp 4 Millionen Franken ausbezahlt – eine Erhöhung um rund ein Viertel. Dies, obwohl die Credit Suisse 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden schrieb und schon 2015 2,9 Milliarden verlor. Dass ein Lohnplus da heikel ist, scheint auch Rohner gewusst zu haben. Er verzichtete bereits vor der öffentlichen Schelte auf einen Bonusanteil von 0,75 Millionen Franken. Hätte Rohner das nicht getan, wäre die Vergütung um 46 Prozent emporgeschnellt. Dies wäre kaum mehr erklärbar gewesen.

Anders als andere Verantwortungsträger ist Rohner seit 13 Jahren in leitender Funktion für die Credit Suisse tätig. Von 2004 bis 2009 sass er in der Geschäftsleitung – seit 2009 im Verwaltungsrat. Er kann also die Schuld an den schlechten Resultaten nicht auf die ehemalige Führungsriege abschieben.

Das hat Konzernchef Tidjane Thiam oft getan. Er müsse aufräumen, und die schlechten Ergebnisse seien die Folge von Fehlentscheiden der Vorgänger, betonte er wiederholt. Dennoch verzichten auch er und seine Kollegen in der Geschäftsleitung jetzt auf Geld. Sie kürzen sich die Boni um 40 Prozent. Die Reduktion gilt für 2016 und 2017. Thiam hatte für 2016 11,9 Millionen zugesprochen erhalten, davon 3,7 als Fixsalär und 8,2 Millionen als Bonus. Vielleicht nahmen sich die CS-Manager ein Vorbild an John Cryan, dem Chef der ebenfalls kriselnden Deutschen Bank: Er verzichtete ganz auf den Bonus.

Wichtiger als Vorbilder dürften jedoch die einflussreichen Stimmrechtsberater gewesen sein. An ihren Empfehlungen richten sich viele professionelle Aktionäre aus. Zuletzt hatte die grosse ISS geraten, den Vergütungsbericht, die maximale Vergütung des Verwaltungsrats und die Boni für die Geschäftsleitung abzulehnen. Ähnlich votierte Glass Lewis, und Ethos verlangte neben einem Nein zu den Vergütungstraktanden auch die Abwahl von Rohner und seinem Vize Richard E. Thornburgh. Eine Niederlage an der Generalversammlung war nicht mehr ausgeschlossen.

In Verteidigungsstellung

Rohner und Thiam haben ihre Bezüge bis zuletzt vehement verteidigt. Letzterer erklärte in einem Interview, er und seine Kollegen beschränkten sich auf ihre Arbeit – die Löhne würden vom Verwaltungsrat festgelegt. Und dessen Präsident Rohner meinte, es sei okay, solange die Vergütung «nur dann in dieser Höhe ausbezahlt wird, wenn der zukünftige Erfolg sich einstellt und die langfristigen Ziele wirklich erreicht werden».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch