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Der geheime Boni-Trick des Renault-Chefs

Ein Finanzkonstrukt soll Carlos Ghosn und anderen Renault-Managern zu versteckten Bonuszahlungen verhelfen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist für ihn denkbar ungünstig.

Die Sache mit dem möglichen Geheimbonus wird für den Renault-Chef zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt öffentlich: Carlos Ghosn (hier in einer Aufnahme vom Genfer Autosalon 2016)
Die Sache mit dem möglichen Geheimbonus wird für den Renault-Chef zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt öffentlich: Carlos Ghosn (hier in einer Aufnahme vom Genfer Autosalon 2016)
Keystone

Nagellack - das ist das Thema, zu dem Renault am Dienstag kommuniziert. Der Autohersteller bringe den «Twingo Nail Polish» in vier Farben auf den Markt, ein Accessoire «für die aktive Frau», die natürlich - so viel zum Klischee - auch gern Twingo fahre, das kleine Stadtauto des französischen Herstellers.

Es gibt am Dienstag noch eine andere, etwas brisantere Nachricht zu Renault. Und die scheint zu bestätigen, was womöglich nicht nur ein Klischee ist: dass Carlos Ghosn, der umstrittene Konzernchef, geldgierig ist. Ghosn habe von Londoner Investmentbankern ein Finanzkonstrukt ertüfteln lassen, das ihm und weiteren Topmanagern zu neuen, «versteckten Bonuszahlungen» verhelfen soll, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Dokumente. Demnach schlagen Ghosns Banker-Berater für die Unternehmensallianz von Renault mit dem japanischen Partner Nissan die Gründung einer Stiftung nach niederländischem Recht vor, um den Lenkern des Bündnisses eine Zusatzvergütung zu ermöglichen. Der Clou dabei: Die so erlangten Extrazahlungen unterlägen nicht der Kontrolle durch die Aktionäre der beiden Konzerne. Doch mit seinen Aktionären hat Ghosn regelmässig Ärger. Wegen seiner Bezahlung.

Die Sache mit dem möglichen Geheimbonus wird für Ghosn zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt öffentlich: An diesem Donnerstag ist Generalversammlung bei Renault - und die Aktionäre dort könnten wieder einmal Ghosns Vergütung für das abgelaufene Geschäftsjahr missbilligen, so wie sie es 2016 schon getan hatten. Nicht nur der Renault-Hauptaktionär, der französische Staat, hält die sieben Millionen Euro, die Ghosn eingestrichen hat, für überhöht. Zumal Ghosn für 2016 auch 8,4 Millionen Euro in seiner Eigenschaft als Nissan-Chef kassiert hat. Auch sogenannte Aktionärsberater wie die Firma Proxinvest kritisieren Ghosns Bezüge als "vollkommen exzessiv, gemessen an der Grösse des Konzerns und an seinen europäischen und französischen Wettbewerbern". Allerdings ist das Aktionärsvotum zur Chef-Bezahlung bisher nicht verbindlich. Erst von 2018 an müssen sich französische Unternehmen in diesen Fragen dem Willen ihrer Eigner fügen. Daher könnte sich der Renault-Verwaltungsrat über die Missbilligung wieder einmal hinwegsetzen, wie im Vorjahr.

Die Begründung für das Konstrukt: Es ermuntere zu mehr Kooperation

Hinter dem Streit ums Managergeld steckt auch ein, nun ja, heikler persönlicher Konflikt: In seiner Zeit als Wirtschaftsminister zählte Emmanuel Macron zu Ghosns schärfsten Kritikern. Nun ist Macron Staatspräsident und er dürfte seine Kämpfe mit dem schillernden Autochef Ghosn nicht vergessen haben. 2015 stockte er sogar mit heimlichen Optionsgeschäften den Staatsanteil bei Renault auf, mit dem alleinigen Zweck, Ghosn im Streit um die Macht im Konzern niederstimmen zu können. Schliesslich ist Macron gelernter Investmentbanker.

Nun legt Ghosn im Wettkampf um die gerissensten Bankertricks wieder vor. Man darf gespannt sein, ob sich Ober-Aktionär Macron das gefallen lässt. Dem Dokument zufolge, aus dem Reuters zitiert und das von Renault-Nissan zunächst unkommentiert blieb, enthielte die Boni-Kasse in den Niederlanden derzeit einen zweistelligen Millionenbetrag. Der würde auf sechs Renault-Nissan-Manager verteilt. Begründet werde das Konstrukt damit, dass den Vorständen auf diese Weise ein Anreiz geschaffen würde, die Kooperation zwischen dem französischen und dem japanischen Unternehmen zu vertiefen. Was für eine gedeihliche Kooperation.

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