Der Kofferraum wird zum Briefkasten

Die deutsche Post liefert Pakete künftig ins Auto. In der Schweiz war das auch schon einmal Thema.

Vom Internet in den Kofferraum: Ein DHL-Angestellter deponiert ein Paket im Auto des Empfängers.

Vom Internet in den Kofferraum: Ein DHL-Angestellter deponiert ein Paket im Auto des Empfängers. Bild: zvg

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Per Drohne geliefert, innert kürzester Zeit: So sieht die Zukunftsvision aus, wenn es um die Zustellung von Paketen geht. Ob und wann diese Vision Wirklichkeit wird, weiss niemand. Doch das grosse Experimentieren im Bereich Päckli-Lieferung hat ohne Zweifel begonnen.

Jüngstes Beispiel ist der deutsche Paketdienst DHL. Er will den Kofferraum zum Briefkasten umfunktionieren. Im Herbst startet er zusammen mit dem Autohersteller Smart in Stuttgart ein Pilotprojekt, wenige Monate danach soll der Kofferraum-Dienst in drei weiteren deutschen Städten verfügbar sein. Wer einen der Mini-Wagen fährt, kann ihn ab dann als mobile Lieferadresse für Paketzustellungen nutzen.

Mit Code die Klappe öffnen

Das funktioniert so: Sowohl der Paket-Empfänger als auch der Pöstler nutzen spezielle Apps. Der Smart-Besitzer generiert für seine Online-Bestellungen mittels der App eine einmal gültige Transaktionsnummer (TAN), die er im «c/o»-Feld der Empfängeradresse eingibt. Bei der Versandbestätigung erfährt er, wann sein Paket ankommen wird. Für die Lieferung des Pakets muss er sein Auto in der Nähe seines Wohnorts parkieren. Der Pöstler erhält ebenfalls per App die Koordinaten des Lieferorts und die TAN, mit der er den Kofferraum öffnen kann. Er deponiert dort das bestellte Paket und kann allenfalls sogar Retouren mitnehmen. Sobald er den Kofferraum wieder geschlossen hat, verliert er auch den Zugang. Der Empfänger erhält danach per App eine Push-Nachricht.

Mit dem neuen Dienst will DHL dem «Wunsch nach hoher Flexibilität im Lebensalltag der Verbraucher» gerecht werden. Heisst: Die Menschen bestellen immer mehr online, gleichzeitig sind sie oft unterwegs und können die Ware häufig nicht selber in Empfang nehmen. Das ist mühsam, weil sie die Pakete nachher meistens selbst auf der Post abholen müssen – und es beschert den Postdiensten zusätzliche Kosten.

Vieles wird wieder zurückgeschickt

Das Problem wird wohl zunehmen: Die DHL schätzt laut der «Süddeutschen Zeitung», dass die Menge an im Netz bestellten Paketen bis 2020 um fünf bis sieben Prozent wächst. In der Schweiz ist der Umsatz im Online- und Versandhandel laut dem Marktforschungsinstitut GFK seit 2010 um 46 Prozent gestiegen. Am liebsten bestellen Schweizer Konsumenten Multimedia und Elektrogeräte online, auf Platz zwei folgen Kleider und Schuhe.

Auch in der Schweiz wird an neuen Zustellmethoden gefeilt. Schon lanciert hat die Post etwa 24-Stunden-Automaten, an denen Pakete und eingeschriebene Briefe empfangen und versendet werden können. Ausserdem können Online-Einkäufer ihre Pakete an Hunderten Pick-Post-Stellen abholen, online die Abholfristen verlängern, eine zweite Zustellung verlangen oder das Paket an eine andere Adresse weiterleiten lassen. Mit viel Brimborium hat die Post letztes Jahr zudem Drohnentests gestartet. Auch die Auto-Zustellung war schon ein Thema: Post-Chefin Susanne Ruoff erwähnte sie letzten Herbst explizit in einer Präsentation. Spruchreife Pläne, ein ähnliches Testprojekt zu starten wie DHL, gibt es laut Sprecherin Nathalie Dérobert allerdings noch nicht.

Erstellt: 27.07.2016, 21:06 Uhr

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