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Der mutlose Präsident

Kuoni-Präsident Heinz Karrer steckt in einem Interessenkonflikt.

Müsste sich als Verwaltungsratspräsident für Kuoni stark machen: Heinz Karrer. Foto: Esther Michel
Müsste sich als Verwaltungsratspräsident für Kuoni stark machen: Heinz Karrer. Foto: Esther Michel

Kuoni steckt in der Krise und musste das Reisebüro­geschäft verkaufen. In der Schweiz beschäftigt der Konzern bald nur noch 300 Leute – der Hauptsitz steht zum Verkauf. Die Aktionäre haben seit 2007 drei ­Viertel ihres Einsatzes verloren. Mitverantwortlich für das Malaise ist eine Stiftung, die Kuoni kontrolliert, dort aber nicht in der Verantwortung steht. Seit Jahren fordern Aktionärsschützer die Aufhebung der Privilegien, die die Macht der Stiftung sichern. Vergeblich.

Die Stiftung will nichts ändern und verschanzt sich hinter dem Stiftungsrecht. Dafür sollte man von Heinz Karrer, der letztes Jahr Kuoni-Präsident wurde, erwarten können, dass er wenigstens versucht, der Stiftung die Flügel zu stutzen. Schliesslich ist er als Verwaltungsratspräsident einzig dem Wohl von Kuoni verpflichtet, nicht der Stiftung. So steht es im Gesetz.

600'000 Franken pro Jahr

Doch Karrer hat einen Interessenkonflikt. Gegen den Willen der Stiftung geht bei Kuoni nichts, nur mit ihrem Segen wurde Karrer 2007 Verwaltungsrat, stieg 2012 zum Vizepräsidenten auf und wurde schliesslich zum Präsidenten erkoren. Starker Mann bei Kuoni ist Dave Schnell, der seit 2007 als Vertreter der Stiftung im Verwaltungsrat des Reisekonzerns sitzt. Ob Schnell, der früher Swisscom-Finanzchef war, die ­Courage hätte, Karrer abzuwählen, sollte er die Stiftung angreifen, erfahren wir vermutlich nie. Denn Karrer wird kaum die Hand beissen, die ihn füttert. Als Präsident von Schnells Gnaden hat Karrer letztes Jahr bei Kuoni eine Vergütung von 600'000 Franken bezogen. Eine stattliche Summe angesichts der desolaten Lage des geschrumpften Reisekonzerns.

Darauf angesprochen, ob es nicht an der Zeit wäre, dass er sich bei Kuoni für die Abschaffung der Stiftungsprivilegien einsetze, gibt Karrer bloss einen unverbindlichen Satz von sich. Das ist umso stossender, als Karrer seit 2013 auch Präsident von Economiesuisse ist – also quasi kraft seines Amtes der oberste Hüter der freien Marktwirtschaft. Doch Karrer ist ein mutloser Präsident. Ihm ist der Erhalt der Ämter ­offenbar wichtiger als etwa der Schutz der grossen Mehrheit der Kuoni-Aktionäre, die 93,75 Prozent des Kapitals des Unternehmens aufgebracht haben.

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