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Der neue ABB-Chef startet mit einer Gewinnwarnung

Ein überraschend tiefer Gewinn im vierten Quartal lässt die ABB-Aktien um 4,5 Prozent tauchen. Die Hintergründe.

ABB überrascht die Anleger mit einer Gewinnwarnung, die Aktie gibt an der Börse deutlich nach.
ABB überrascht die Anleger mit einer Gewinnwarnung, die Aktie gibt an der Börse deutlich nach.
Reuters
Grund für die Gewinnwarnung sind starke Winterstürme in der Nordsee, welche mehrere Offshore-Windprojekte verzögern: Hochseewindpark Bard Offshore 1 in der Nordsee.
Grund für die Gewinnwarnung sind starke Winterstürme in der Nordsee, welche mehrere Offshore-Windprojekte verzögern: Hochseewindpark Bard Offshore 1 in der Nordsee.
Reuters
Er hat die Sparte Energietechnik ebenfalls bereits durchleuchtet: Der Amerikaner Joe Hogan hat sein Amt vergangenen September abgegeben.
Er hat die Sparte Energietechnik ebenfalls bereits durchleuchtet: Der Amerikaner Joe Hogan hat sein Amt vergangenen September abgegeben.
Keystone
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Der neue ABB-Chef Ulrich Spiesshofer hat sich seinen Einstand vermutlich anders vorgestellt. Der Deutsche, der vergangenen September die Nachfolge von Joe Hogan übernahm, muss drei Wochen vor der Präsentation der Jahresergebnisse eine Gewinnwarnung abgeben.

Der Grund sind schwere Winterstürme in der Nordsee, die zu Verzögerungen von dortigen Offshore-Windprojekten geführt haben. Dies hat Sonderkosten von 260 Millionen Dollar in der Sparte Energietechniksysteme zur Folge. Hinzu kommen Altlasten aus Spartenverkäufen sowie ein schwacher Auftragseingang, die zusammen das Ergebnis der Division zusätzlich mit 50 Millionen Dollar belasten. Dadurch ist der Gewinn im vierten Quartal auf 525 Millionen Dollar geschrumpft. Im Vorjahresquartal betrug er noch 604 Millionen.

Die Stürme hatten ABB gezwungen, die im Bau befindlichen Windanlagen mehrmals zu evakuieren, wie Spiesshofer an einer Telefonkonferenz sagte. Lieber nehme er Abschreibungen in Kauf, als dass er Menschenleben riskiere.

Risiken unterschätzt

Verschiedene Analysten relativieren die Gewinnwarnung. Ein Grossteil der Belastungen sei auf das Wetter zurückzuführen und habe einmaligen Charakter. Bei den betroffenen Anlagen handle es sich um Projekte, die zwischen 2007 und 2011 akquiriert worden seien, sagt Helvea-Analyst Stefan Gächter. Damals habe die Industrie die Risiken der Offshore-Projekte unterschätzt. Im Wissen um die technischen Herausforderungen würden Projekte selektiver angenommen und die Risiken besser abgesichert, sagt der Analyst. Die Industrie habe hier Lehrgeld zahlen müssen.

Grosse Mühe mit Offshore-Anlagen bekundete etwa auch der ABB-Konkurrent Siemens. So kämpfte der deutsche Technologiekonzern bei mehreren Projekten mit Verzögerungen. Probleme machten insbesondere die sogenannten Umspannwerke, welche die Schnittstelle zum Weitertransport der Energie über das Seekabel zum Festland bilden. Allein 2012 sorgte dies für Abschreiber in der Höhe von 600 Millionen Euro.

Bei ABB ist es laut Helvea-Analyst Gächter vermutlich auch darum gegangen, Altlasten zu bereinigen. Neben Spiesshofer als Konzernchef hat auch die Spitze der Sparte Energietechnik einen neuen Leiter erhalten. Der Italiener Claudio Facchin löste im Dezember Brice Koch ab, der bei OC Oerlikon Konzernchef wird. Mit Facchin habe die Sparte einen Manager, der das globale Systemgeschäft auf Kurs bringen werde, um die Performance zu verbessern, wird Spiesshofer in der Mitteilung zitiert.

Spiesshofer will an der Sparte festhalten

Die Sparte Energietechnik ist schon länger ein Sorgenkind. Unter dem früheren Konzernchef Joe Hogan wurde das Projektgeschäft durchleuchtet. Dabei kam ABB zum Schluss, allzu viele Grossaufträge an Land gezogen zu haben, die sich nicht rechnen oder gar Verluste einbringen. In der Folge wurden in knapp einem Dutzend Länder die Abteilungen für Grossprojekte geschlossen. Der Umbau belastete das Ergebnis 2011 mit 350 Millionen Dollar.

Spiesshofer will aber trotz der Probleme an der Sparte festhalten. Zwar sei der Auftragseingang zuletzt schwach gewachsen. Zum Verkauf stehe das Geschäftsfeld jedoch nicht. Angesichts des künftigen Energiebedarfs habe die Sparte grosses Potenzial.

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