Der richtige Mann für eine turbulente Zeit

Mit Vincent Ducrot wird einer SBB-Chef, dem zuzutrauen ist, dass er das Image der Bundesbahnen aufpolieren kann.

Übernimmt in einer schwierigen Zeit die SBB-Spitze: Vincent Ducrot. Foto: Keystone

Übernimmt in einer schwierigen Zeit die SBB-Spitze: Vincent Ducrot. Foto: Keystone

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Ein altgedienter Bähnler übernimmt die SBB-Spitze: Der Entscheid für Vincent Ducrot ist richtig und vor allem wichtig für den Wiederaufbau von verlorenem Vertrauen in die SBB.

Ducrot machte Karriere unter ­Benedikt Weibel, dem Vorgänger des scheidenden Chefs Andreas Meyer. Das ist ein Indiz, für welche SBB er steht. Für eine, die den Service-public-Charakter in den Fokus stellt, die eine sichere und zuverlässige Bahn als oberste Priorität hat. Dies wurde unter Meyers Führung vor allem in der Öffentlichkeit nicht mehr als erstes Ziel der SBB wahrgenommen.

Was auch klar ist: Der 57-Jährige wird nicht so lange an der Spitze sein wie Andreas Meyer. Doch Ducrot wird genügend Zeit erhalten, um seine eigenen Ideen umzusetzen. Diese dürften über die Schärfung des ­Service-public-Gedankens hinaus auch in Richtung Digitalisierung gehen. Denn Ducrot ist selbst ­Elektroingenieur und verbrachte seine Anfangszeit in der SBB-Informatik. Zudem hat er in seiner Zeit bei den Freiburgischen Verkehrsbetrieben die Digitalisierung vorangetrieben. Etwa mit der Einführung einer neuen Ticket-App oder auch mit selbst­fahrenden Bussen.

Ducrots Ideen dürften sich nicht auf die Schärfung des Service-public-Gedankens beschränken, sondern auch in Richtung Digitalisierung gehen.

So gesehen könnte sich Ducrot als die richtige Person erweisen, um die SBB wieder in ruhigere Zeiten zu führen. Was nicht zu erwarten ist: dass es ganz ruhig wird um die SBB. Denn Ducrot übernimmt in einer schwierigen Zeit. Er muss nun zuerst das Vertrauen der Bevölkerung und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Bundesbahnen gewinnen. Da kam in den vergangenen Monaten einiges an Skepsis auf. Kein Wunder: Gerade die Pünktlichkeit, der einst grosse Stolz der SBB, hat arg gelitten.

Was auf Ducrot zurückfallen könnte, ist seine Rolle bei der Beschaffung der neuen Doppelstockzüge von Bombardier. Er hatte damals die Verträge mit Bombardier unterschrieben. Heute gibt er zu, dass die Beschaffung wohl zu komplex war und anders hätte ausgeführt werden können. Hier zeigt sich Ducrot selbstkritisch (lesen Sie hier ein erstes Interview mit Vincent Ducrot). Eine gute Voraussetzung, um die Reputation der SBB in der Bevölkerung, aber auch intern wieder aufzubauen.

Erstellt: 10.12.2019, 22:59 Uhr

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