Der stille Riese Fenaco will Bauernhöfe digitalisieren

Der Grosskonzern möchte mit der Verwertung von Daten die Landwirte besser bedienen. Und hat weitere Ideen, wie er seinen Einfluss noch ausbauen kann.

Die andere Hauptrolle auf dem Hof spielt die Fenaco. Foto: Keystone

Die andere Hauptrolle auf dem Hof spielt die Fenaco. Foto: Keystone

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Der Landwirtschaftskonzern Fenaco gehört zu den grössten Unternehmen der Schweiz. Obwohl weitgehend unbekannt, kommt man hierzulande kaum um ihn herum. Egal, ob man bei Agrola tankt, Getränke von Ramseier oder Sinalco trinkt, bei McDonald’s Pommes isst oder bei Landi oder Volg einkauft, überall steht die Fenaco dahinter. Zudem hat die bäuerliche Genossenschaft die hiesige Landwirtschaft fest im Griff. Sie verkauft alles, was man auf dem Hof so braucht – von Saatgut und Futtermittel bis Mistgabeln und Traktoren –, und gehört zu den wichtigsten Abnehmern landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

In vielen Agrarmärkten ist sie bereits Marktführerin. Und die Fenaco wächst weiter. 2018 hat sie den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um über 8 Prozent auf 6,8 Milliarden Franken gesteigert, wie sie gestern vermeldete. Mal gewinnt sie organisch Marktanteile, mal übernimmt sie andere Firmen, um zu wachsen. Das Resultat ist das gleiche: Die Macht der Fenaco steigt.

Öffentliche Kritik aus der Landwirtschaft an der Genossenschaft gibt es kaum. Die meisten Bauern äussern höchstens hinter vorgehaltener Hand Bedenken gegenüber der einflussreichen Organisation.

Beim Sekretariat der Wettbewerbskommission (Weko) heisst es, Fenaco könne wie alle grossen Konzerne der Schweiz auf den Radar gelangen. Eine Vorabklärung oder gar eine Untersuchung gegen die Genossenschaft sei aber nicht im Gange. Denn selbst wenn die Fenaco in gewissen Märkten möglicherweise eine marktbeherrschende Stellung habe, sei das per se nicht unzulässig. Unzulässig sei nur der Missbrauch einer solchen Stellung, erklärt Andrea Graber, Vizedirektorin und Leiterin des Diensts Produktemärkte bei der Weko.

Möglicherweise wird die Fenaco dereinst sogar wissen, was der Bauer braucht, noch ehe es der Bauer selber weiss.

Die Fenaco hat mehrere Eisen im Feuer, um auch in Zukunft zulegen zu können. Etwa die Smart-Farming-Plattform Barto, an der sich Fenaco mit gut einem Drittel der Aktien beteiligt hat.

Barto hat das Ziel, den Bauernhof zu digitalisieren und den administrativen Aufwand für die Landwirte zu reduzieren. Auf der Plattform werden Daten gesammelt, vernetzt, ausgewertet und generiert. Ein aktuelles Anwendungsbeispiel: Der Bauer erfasst, was er seinen Tieren füttert, und kann die Daten später direkt dem Bundesamt für Landwirtschaft zugänglich machen, um Direktzahlungen zu erhalten.

Noch befindet sich die Plattform im Aufbau. Später einmal solle sie dann Schnittstellen zu allen möglichen Interessenten ermöglichen, sagte Fenaco-Chef Martin Keller gestern. Die Plattform solle allen offen stehen. Und: Der Bauer behalte stets die Hoheit darüber, wer welche Daten einsehen könne.

Für die Fenaco wären solche Daten Gold wert, denn sie gäben ihr Einblick in die Betriebsabläufe ihrer Kunden. So könnte der Konzern den Kunden stets das passende Produkt anbieten – lange vor der Konkurrenz. Möglicherweise wird die Fenaco dereinst sogar wissen, was der Bauer braucht, noch ehe es der Bauer selber weiss.

«Potenzial nach oben»

Ein Mittel für die Fenaco, Kunden an sich zu binden, ist die letztes Jahr erstmals ausgeschüttete Erfolgsbeteiligung. Knapp 12'000 Bäuerinnen und Bauern kamen in den Genuss davon. Den Landi-Genossenschaften brachte die Aktion 1'000 Neumitglieder. Denn eine Landi-Mitgliedschaft ist Bedingung, um am Programm teilzunehmen. Das Interesse sei gross gewesen, sagte Keller. «Wir haben deshalb entschieden, die Erfolgsbeteiligung langfristig weiterzuführen.»

Der Konzern schüttet das Geld aber nicht einfach bedingungslos an die Bäuerinnen und Bauern aus. Wer profitieren will, muss der Fenaco Umsatz bringen. Je mehr Umsatz, desto höher die Erfolgsbeteiligung. Wer in einem Jahr Agrar- oder Landi-Produkte im Gesamtwert von weniger als 10'000 Franken kaufte, erhielt beispielsweise nur ein Geschenkpaket.

Das Paket plus 1'000 Franken Rückvergütung gab es dagegen für alle, die dem Konzern mindestens 50'000 Franken Umsatz bescherten. So kann die Fenaco ihre starke Stellung im einen Marktbereich auf andere Segmente ausdehnen, weil es für die Kunden interessant ist, gleich alles bei der Genossenschaft zu beziehen.

Fenaco-Chef Keller rechnet damit, dass schweizweit rund 18'000 Bauernfamilien die Kriterien erfüllen können, um an der Erfolgsbeteiligung zu partizipieren. Vieles spricht dafür, dass der unbekannte Agrarriese in Zukunft noch riesiger wird.

Erstellt: 15.05.2019, 22:46 Uhr

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