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Der tiefe Fall der US-Post – im Winter droht der Bankrott

Ohne Finanzspritze oder Restrukturierung könnte die US-Post bis im Winter pleitegehen. Auf dem Spiel stehen eine halbe Million Arbeitsplätze. Vom Kongress ist aber wenig Hilfe zu erwarten.

Ausser Gebrauch: Entsorgte Briefkästen des US Postal Service im kalifornischen San José. Auch die Zahl der Briefkästen ist in den USA in den letzten Jahren um 60 Prozent gesunken.
Ausser Gebrauch: Entsorgte Briefkästen des US Postal Service im kalifornischen San José. Auch die Zahl der Briefkästen ist in den USA in den letzten Jahren um 60 Prozent gesunken.
Keystone

Der US Postal Service ist eine amerikanische Institution. Mit 653'000 Mitarbeitern ist das staatliche Unternehmen der drittgrösste Arbeitgeber des Landes. Nur Wal-Mart und das US-Militär beschäftigen mehr Personen. Nun steht die Post am Abgrund. Bis Ende Monat müsste sie 5,5 Milliarden Dollar an die Pensionskasse überweisen. Doch das Geld dazu hat der US Postal Service nicht, wie die «New York Times» berichtet. «Unsere Situation ist extrem ernst», erklärt Post-Chef Patrick Donahoe der US-Zeitung. «Falls der Kongress nicht handelt, werden wir pleitegehen.» Allein in diesem Geschäftsjahr wird die US-Post rund 9 Milliarden Dollar Verlust schreiben.

Seit Jahren spürt die US-Post die Folgen der Digitalisierung der Korrespondenz und die zunehmende Konkurrenz privater Anbieter im Paketgeschäft. 167 Milliarden Sendungen bearbeitet die US-Post noch jährlich. Das sind 22 weniger als noch vor fünf Jahren. Bis 2020 wird diese Zahl auf 118 Milliarden sinken. Im Paketgeschäft setzen Konkurrenten wie UPS und Fedex dem staatlichen Unternehmen zu. Hohe Lohnkosten, komplizierte Gewerkschaftsvereinbarungen, aber auch das Verbot, ins Finanz- oder Versicherungsgeschäft einzusteigen, erschweren der US-Post eine erfolgreiche Restrukturierung.

Finanzspritze unwahrscheinlich

«Die Situation ist schrecklich», bestätigt der demokratische Senator Thomas Carper, der dem Postausschuss vorsteht, der «New York Times». Zwar würde die US-Post auch ohne Überweisung der 5,5 Milliarden Dollar an die Pensionskassen überleben, aber spätestens diesen Winter könnte der Post endgültig das Geld für Lohnzahlungen ausgehen. «Die Post müsste dann wortwörtlich ihre Tore schliessen», betont Carper. «Das ist keine Entwicklung, die wir brauchen, um einer geschwächten Wirtschaft auf die Beine zu helfen.»

Eine staatliche Finanzspritze könnte den US Postal Service noch retten. Doch der Kongress scheint nach der Abnützungsschlacht um die Erhöhung der Schuldenobergrenze keine grosse Hilfe zu sein. Die Republikaner stellen sich ohnehin gegen die Rettung eines weiteren Staatskonzerns quer.

Die Post muss sparen

Mit einem radikalen Kostenschnitt hofft Patrick Donahoe, das sinkende Schiff dennoch wieder auf Kurs zu bringen. Die Ziele sind ehrgeizig. Die jährlichen Kosten über 75 Milliarden Dollar will er bis 2015 um 20 Milliarden Dollar kürzen. 120'000 Stellen sollen dafür gestrichen und die Zahl der Briefverteilzentren und Postämter radikal verringert werden. Ausserdem erhofft sich Donahoe eine Rückzahlung über 60 Milliarden Dollar aus einem Pensionsfonds. Diese Summe habe das Unternehmen gemäss eigenen Angaben zu viel bezahlt.

Das ehrgeizige Unterfangen droht jedoch zu scheitern. Eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften verbietet Massenentlassungen. Diese haben auch bereits ihren Widerstand angekündigt. Und weder die Regierung noch die Republikaner haben sich erfreut über den Vorschlag der Rückzahlung gezeigt. Dem US Postal Service stehen schwierige Wochen bevor.

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