Der UBS rennen die Aktionäre davon

CEO Sergio Ermotti kann sie trotz guter Zahlen nicht mehr halten.

Die Schweizer Grossbank macht derzeit alles falsch: UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Sebastian Magnani/13Photo

Die Schweizer Grossbank macht derzeit alles falsch: UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Sebastian Magnani/13Photo

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Es gab Zeiten, da konnte UBS-Chef Sergio Ermotti machen, was er wollte, der Applaus war ihm sicher. Er hat die Grossbank umgebaut, auf die Vermögensverwaltung ausgerichtet und die Investmentbank zurückgefahren. Die UBS steht viel sicherer da als vor der Finanzkrise. 2007 bewegte sie mit einem Eigenkapital von rund 36 Milliarden Franken eine Bilanzsumme von 2200 Milliarden Franken, heute hat sie ein Eigenkapital von 57 Milliarden bei einer Bilanzsumme von rund 1000 Milliarden Franken.

Lange sah es auch so aus, als hätte Ermotti die Strategie der Zukunft gefunden, darum war die UBS lange Zeit besser bewertet als die meisten europäischen Banken – insbesondere als die Credit Suisse (CS). Doch Anfang Jahr hat der Wind gedreht. Mittlerweile gilt die CS als Hoffnungsträgerin, während die UBS nur noch alles falsch macht. Nicht nur im Fall Frankreich. Im Vergleich zur CS und zu Morgan Stanley, jener amerikanischen Bank, die am ehesten mit der UBS vergleichbar ist, fällt die UBS-Aktie im Moment deutlich ab.

Dass die Anleger dem Management nicht mehr viel zutrauen, zeigte sich letzte Woche, als die UBS die Welt positiv überraschen wollte und einen Quartalsgewinn von 1,8 Milliarden Franken vorlegte. Das war ein Viertel mehr als von Analysten erwartet. Einen kurzen Moment war die UBS-Aktie danach auch im Plus.

Rückstellungen für Rechtsfälle vergleichsweise gering

Die Freude währte allerdings nicht lange. Schon einen Tag später realisierten die Analysten, dass der grosse Teil der Überraschung aus dem Corporate Center stammte – einem Geschäftsteil, dessen Abschneiden sehr schwer zu prognostizieren ist, auch weil dort die Kosten für die grossen Rechtsfälle zusammenlaufen.

Daher könnten noch böse Überraschungen auf die Bank zukommen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Rückstellungen für die Rechtsfälle lediglich 2,7 Milliarden Franken betragen. Allein die jüngste Busse in Frankreich beläuft sich auf über 5 Milliarden. Auch darum haben die Aktionäre der UBS-Führung an der Generalversammlung die Decharge verweigert, ein eindeutiges Misstrauensvotum.

Neugeld aus Asien ist Teil des Problems

Namentlich der Stimmrechtsberater ISS wies zudem auf eine weitere Klage hin, die die US-Regierung eingereicht hat. Demnach war die UBS in der Finanzkrise nicht nur Opfer, sondern auch Täterin. Gemäss der Klageschrift haben UBS-Mitarbeiter den Kunden wissentlich verbriefte Hypotheken in der Höhe von 41 Milliarden Dollar angedreht, obwohl sie wussten, dass sie nichts wert waren. Ob die UBS diesen Rechtsfall gewinnt, ist fraglich. Die Folgen könnten drastisch sein: die Konkurrenz zahlte in ähnlichen Fällen Milliarden.

Am Tag nachdem die UBS ihre Resultate vorlegte, sahen die Investoren nicht mehr die positiven Zahlen, sondern nur noch, dass die Marge in der Vermögensverwaltung, dem Geschäft, das den grossen Gewinn bringen sollte, sinkt, und zwar innerhalb von zwei Jahren um 22 Prozent von 18 auf 14 Basispunkte (100 Basispunkte entsprechen einem Prozent), während sie bei Morgan Stanley um 17 Prozent stieg.

Das Resultat der CS wird nächste Woche bekannt. Der Grund für die negative Entwicklung bei der UBS ist, dass ein grosser Teil des Neugelds aus Asien kommt und dort die Margen tiefer sind als im europäischen Geschäft. In diesem Bereich verpasste die UBS die Erwartungen deutlich.

UBS reagiert stärker auf Notenbankpolitik

Ein weiterer negativer Punkt ist, dass die UBS deutlich stärker auf Zinssenkungen der Notenbanken reagiert als die Konkurrenz. Während der Gewinn vor Steuer bei Morgan Stanley um 6 Prozent zurückgeht, wenn das Zinsniveau um ein Prozent sinkt, sind es bei der UBS 8 Prozent, bei der CS hingegen nur 4 Prozent.

Ermotti selber wies darauf hin, dass er sinkende Zinsen erwartet und dies als Risiko ansieht. Aus Sicht der Aktionäre ist auch das vor allem ein Risiko für die Bank. Sie sehen keinen Plan, wie sich das ändern soll. Darum stimmen sie mit den Füssen ab und verkaufen die Aktien.

Die UBS relativiert. Sprecher Samuel Brandner sagt: «Die UBS-Aktie ist in diesem Jahr durch den Fall in Frankreich belastet. Dennoch ist die Aktie relativ gesehen nach wie vor die stärkste europäische Grossbankenaktie. Die UBS ist ähnlich wie alle anderen Banken mit vergleichbarem Geschäftsmodell von der Zinsentwicklung betroffen. Die Entwicklung der Zinsen war auch das Hauptthema der Berichterstattung der US-Banken.»



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Erstellt: 27.07.2019, 21:06 Uhr

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