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Der Weg ins Energieschlaraffenland

Energie kostet nichts, weil im Überfluss vorhanden. Und Kobalt ist das neue Erdöl. Solche Visionen skizziert eine Studie des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Wie realistisch sind diese Zukunftsperspektiven?

Der Rohstoff ist unbegrenzt vorhanden. Fotovoltaikanlage auf einem Dach in Zürich-Oerlikon. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Der Rohstoff ist unbegrenzt vorhanden. Fotovoltaikanlage auf einem Dach in Zürich-Oerlikon. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die Dampfmaschine brachte die Industrielle Revolution, der Verbrennungsmotor revolutionierte die Mobilität. Und Elektrifizierung und Digitalisierung werden uns ein richtiges Energieschlaraffenland bringen. So lautet, etwas verkürzt, das Fazit der kürzlich erschienenen Studie «Die neue Energiewelt». Verfasst haben sie Autoren des Gottlieb-Duttweiler-Instituts. Sie zeichnen die Energiezukunft mit sehr viel Optimismus und Fantasie.

Ein Überblick über die interessantesten Thesen.

  • Bei dieser These stellt sich eine Frage, welche die Autoren zwar antönen, aber nur ansatzweise beantworten: die Frage nach dem Verbrauch. Wäre Energie nämlich im Überfluss vorhanden, würde ihr Preis drastisch sinken. Würde sie zudem aus erneuerbaren Quellen gewonnen, bedeutete Stromverbrauch auch keine Belastung für die Umwelt mehr. Es gäbe also keinen Grund, Energie nicht zu verschwenden – womit es auch mit dem Überfluss bald wieder vorbei sein könnte. Falls Sie sich nun fragen, wie die Energie denn verschwendet werden soll: Mit Bitcoins haben die Menschen bereits einen neuen Stromfresser erfunden. Nach Berechnungen des niederländischen Ökonomen Alex de Vries verbraucht das Bitcoin-System mehr Strom als die ganze Schweizer Volkswirtschaft in einem Jahr.
  • Trotz dieser marktwirtschaftlichen Lösung: In erster Linie scheint den ­Autoren eine staatliche Lösung vorzuschweben: «Wer investiert in ein Energiesystem, mit dem sich letztlich kein Profit machen lässt?», fragen sie an anderer Stelle der Studie und antworten mit: «Jemand, dem der volkswirtschaftliche Nutzen wichtiger ist als der ­betriebswirtschaftliche Gewinn – also der Staat.»
  • Der Preis für Kobalt zieht an: Innert 16 Monaten hat er sich verdreifacht. Und das könnte so weitergehen. Mit jedem Solardach und Windrad, das gebaut wird, steigt das Interesse an Batterien zur Energiespeicherung. Denn erneuerbare Energien produzieren schwankend. Für bewölkte und windfreie Zeiten muss der Strom irgendwo gespeichert werden. Kommt es also zu einem Kobaltschock? Davon sei nicht auszugehen, schreiben die Autoren. Sie verweisen darauf, dass eine Knappheit Kobalt verteuern würde. Folglich würde versucht, den Rohstoff zu rezyklieren. Oder es würde vermehrt nach Alternativen gesucht. Oder aber an Batterien geforscht, die geringere Mengen an kritischen Mineralien erfordern. Ein Beispiel hierfür sei die Protonenbatterie.

Schweiz muss mehr importieren

Wie fern diese Szenarien indes noch sind, zeigt eine andere Studie, die kürzlich publiziert wurde. Sie trägt den etwas umständlichen Namen «Electricity Market Design: Policy Coordination and Zonal Configurations» und wurde von Autoren der Universität Basel verfasst. In Auftrag gegeben hat sie – wie auch die Gottlieb-Duttweiler-Studie – das Bundesamt für Energie.

Die etwas realistischeren Autoren der Uni Basel blicken in ihrer Studie in die nähere Zukunft und sehen da vor allem eine Lösung für die Energieversorgung der Schweiz: mehr Importe. Zumindest sofern Erneuerbare nicht zusätzlich ­gefördert werden. Denn umfassende ­Investitionen in erneuerbare Energien fänden wahrscheinlich erst nach dem Atomausstieg statt, halten sie fest. Erst dann würden die Strompreise steigen und sich Investitionen folglich auch lohnen. Das Energieschlaraffenland – es ist noch weit entfernt.

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