Die CS liess die Detektive auffliegen – ohne Vorwarnung

Die in der Beschattungsaffäre involvierten Privatermittler sind schockiert darüber, wie die Bank mit ihnen umgesprungen ist.

E-Mail des Detektivbüros an den CS-Sicherheitschef: «Wir gehen davon aus, dass Sie den Namen unserer Firma sowie Details zum Auftrag und zur Auftragsausübung nicht kommunizieren.» Foto: Reuters/Arnd Wiegmann

E-Mail des Detektivbüros an den CS-Sicherheitschef: «Wir gehen davon aus, dass Sie den Namen unserer Firma sowie Details zum Auftrag und zur Auftragsausübung nicht kommunizieren.» Foto: Reuters/Arnd Wiegmann

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Die Credit Suisse verliess sich für die Beschattung ihres Managers Iqbal Khan auf den inzwischen verstorbenen Vermittler T., der für den geheimen Auftrag ein Zürcher Detektivbüro beauftragte. Doch als die Observation bekannt wurde, liess die Bank diese Firma ohne Rücksprache auffliegen. Sie ignorierte dabei Regeln zur Geheimhaltung, welche die Sicherheitsfirma explizit verlangt hatte.

Die Situation spitzte sich am Montag, 23. September 2019, dramatisch zu. Über das Wochen­ende hatten verschiedene Medien über die missglückte Ob­servation von Khan und dessen privaten Streit mit CS-Chef Ti­djane Thiam zu Jahresbeginn berichtet. Der Skandal machte weltweit Schlagzeilen.

CS wollte Bestätigung

In dieser überhitzten Situation kannte die Sicherheitsabteilung der Grossbank den Namen der Detektei, welche die Observation durchgeführt hatte, wohl vorerst nicht. Denn aus Geheim­haltungsgründen war Mittelsmann T. dazwischengeschaltet. Solche Aufträge müssen geheim bleiben, sie werden mündlich vereinbart, vieles beruht auf Vertrauen.

Doch solche eisernen Regeln der Geheimhaltung galten an jenem Montagmittag nicht mehr. Als die CS den Namen der Firma – Investigo GmbH – erfuhr, verfasste das Detektivbüro im Auftrag der Bank ein Memo und schickte es um 11.37 Uhr an CS-Sicherheitschef Remo Boccali. Darin wird zuerst der Ablauf der Observation beschrieben. Offenbar ging es der Bank darum, eine Bestätigung zu bekommen, dass die Beschattung legal verlaufen war. Im letzten Abschnitt des ­E-Mails schrieb Investigo: «Wir gehen davon aus, dass Sie den Namen unserer Firma sowie Details zum Auftrag und zur Auftragsausübung nicht kommunizieren.» Und weiter: «Um eine einheitliche, koordinierte Kommunikation sicherzustellen, bitten wir Sie, uns über die nächsten Schritte, die Sie planen, vorgängig zu informieren.»

In diesem Moment hätten die Detektive noch geglaubt, dass eine geregelte Kommunikation über den Vorfall erfolgen würde, die in ihrem und im Sinne der CS sein würde, sagt Investigo-Anwalt Thomas Fingerhuth.

Doch sie irrten sich. Bereits am Nachmittag gab die CS-Pressestelle den Namen der Firmaan Medienleute weiter, ohne Investigo zuvor zu informieren. Auch Vermittler T. erfuhr nichts. «Es kam aus heiterem Himmel. Es gab davor keine Rücksprache», sagt Anwalt Fingerhuth. Das bestätigt auch der Rechtsvertreter des verstorbenen T.

«Die Firma ist ruiniert»

Und mehr als das: Die Medienstelle der Bank nannte nicht nur Investigo beim Namen. Einzelne Journalisten informierte sie offenbar auch über das E-Mail, das Investigo an CS-Sicherheitschef Boccali geschickt hatte. Kurze Zeit später war auch das in den Medien – jedoch in gekürzter Form. Der letzte Abschnitt mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit und Anonymität fehlte.

Die CS will sich zur Angelegenheit nicht äussern. Es gebe nach der gestrigen Medienkonferenz vonseiten der Bank nichts hinzuzufügen.

Für Investigo sagt Rechtsanwalt Fingerhuth: «Die Namensnennung war für die Besitzer der Privatdetektei ein totaler Schock. Die Firma ist ruiniert.»

Erstellt: 02.10.2019, 21:59 Uhr

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