Deutsche Autobauer fürchten sich vor Trump

Eskaliert der Handelsstreit zwischen den USA und der EU, dürfte Donald Trump als Nächstes die deutschen Autobauer angreifen.

US-Präsident Trump drohte auf Twitter damit, Autoexporte aus der EU mit Strafzöllen zu verteuern.

US-Präsident Trump drohte auf Twitter damit, Autoexporte aus der EU mit Strafzöllen zu verteuern. Bild: Jonathan Ernst/Reuters

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Vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel beim US-Präsidenten Donald Trump heute in Washington versuchte deren Entourage, die Erwartungen zu dämpfen. Man rechne damit, dass die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium ab dem 1. Mai auch für die EU gelten würden, hiess es in Berlin.

Die EU hat bereits angekündigt, sie werde darauf reagieren, indem sie ausgewählte amerikanische Produkte mit Zöllen belegen werde. Dies könnte den Auftakt zu einem ernsten Handelskonflikt bilden, in dem die deutschen Autobauer in den Fokus geraten. Ergreife die EU Gegenmassnahmen, so twitterte Trump im März, werde er Autoexporte mit Strafzöllen verteuern. Betroffen wären vor allem deutsche Hersteller.

Dies käme Trump gelegen, da ihn die gewaltigen Handelsüberschüsse Deutschlands erzürnen. Für die deutsche Exportwirtschaft sind die Autobauer von grösster Bedeutung. 1,8 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt an der Industrie, auch bei Schweizer Zulieferern arbeiten 34'000 Menschen. Experten schätzen die möglichen Einbussen bei einem Strafzoll von 35 Prozent EU-weit auf mindestens 17 Milliarden Euro – jährlich.

Mehrfach betroffene Marken

VW, Daimler und BMW könnten von Trumps Massnahmen gleich dreifach betroffen sein: als Exporteur in die USA, als Exporteur aus den USA – und zudem als Exporteur aus dem benachbarten Mexiko. Gleichzeitig könnten die Strafaktionen aber auch den USA selber schaden. Deutsche Autokonzerne haben im letzten Jahr rund eine halbe Million Autos in die USA exportiert. Verglichen damit, dass allein VW weltweit mehr als 10 Millionen Autos verkauft, ist das relativ wenig.

Die Mehrzahl der Fahrzeuge, die BMW, Daimler und VW in den USA absetzen, produzieren sie im Land selber; in Werken in den strukturschwachen Bundesstaaten South Carolina, Tennessee und Alabama. 800'000 waren es 2017. Im Luxussegment beträgt der Anteil deutscher Autos auf dem US-Markt 40 Prozent. Auf Exporte angewiesen sind vor allem Audi und Porsche.

Deutsche Autobauer beschäftigen in den USA nicht nur 36'000 Arbeiter, BMW ist erstaunlicherweise auch der grösste Autoexporteur des Landes. Ford, General Motors und andere US-Hersteller bedienen den Weltmarkt vor allem aus Werken ausserhalb der USA. BMW und Daimler wiederum exportieren viele Luxus-Geländewagen, die sie in den USA herstellen, auch nach China.

Schnitt ins eigene Fleisch

Sollte China, wie dessen Regierung es angekündigt hat, auf US-Strafzölle mit eigenen Zöllen auf Autos aus den USA reagieren, wären die deutschen Hersteller auch von dieser Seite her betroffen. Beide erwägen, in diesem Fall einen Teil ihrer Produktion aus den USA nach China zu verlagern – das exakte Gegenteil dessen, was Trump bezweckt.

Gleichzeitig stehen die deutschen Autokonzerne noch an einer dritten Front unter US-Druck, in Mexiko. Audi, VW, neu auch Daimler und BMW, produzieren hier für den US-Markt. Trump droht, auch diese Importe – 2,5 Millionen Autos jährlich – mit Strafzöllen von 35 Prozent zu belegen. Dagegen wehren sich nicht nur die deutschen Konzerne, sondern auch die US-Riesen General Motors oder Ford, die in Mexiko selbst von einem Lohnniveau profitieren, das zehnmal tiefer liegt als in den USA.

Aus deutscher Sicht gibt es durchaus Verhandlungsspielraum, um Strafzölle gegen deutsche Autoexporte in die USA zu vermeiden. Derzeit werden deutsche Autos bei der Einfuhr in die USA lediglich mit 2,5 Prozent verzollt, amerikanische in Europa aber mit 10 Prozent. Diese ungleiche Behandlung entstand ursprünglich auf ausdrücklichen Wunsch der Amerikaner, die im Gegenzug das Recht erhielten, Importe von Nutzfahrzeugen und Pick-ups aus Europa mit 25 Prozent Zoll zu belegen. Die deutsche Regierung hat die einheimischen Autokonzerne kürzlich angefragt, ob sie bereit wären, eine Senkung der Zölle für US-Autos auf 2,5 Prozent zu akzeptieren. Die Antwort soll positiv gewesen sein.

Laut den Regeln der Welthandelsorganisation WTO müsste die EU in der Folge aber auch allen anderen Exporteuren den tieferen Zoll zugestehen. Etwa den japanischen Autobauern – ein Zugeständnis, das die deutsche Seite erheblich mehr schmerzen würde als dasjenige gegenüber den USA.

Erstellt: 27.04.2018, 11:02 Uhr

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