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Deutsche Bahn hatte Kenntnis von einem drohenden Winterchaos

Bereits im Oktober lag dem Bahnunternehmen ein interner Bericht vor, der grosse Probleme bei einem strengen Winter vorhersagte. Doch die Bahn konnte nicht mehr eingreifen.

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Überfordert: Deutsche Bahn am 23. Dezember in Hamburg.
Überfordert: Deutsche Bahn am 23. Dezember in Hamburg.
Keystone
Gegen den Schnee: Mit Spezialzügen wird der Schnee von den Geleisen entfernt.
Gegen den Schnee: Mit Spezialzügen wird der Schnee von den Geleisen entfernt.
Keystone
Der Berliner Bahnhof muss vom Schnee gereinigt werden.
Der Berliner Bahnhof muss vom Schnee gereinigt werden.
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Ausgerechnet an den Festtagen waren weite Strecken der Deutschen Bahn lahmgelegt. Blockiert war die Hauptschlagader zwischen Hannover und Berlin, mehrfach ausgefallen auch die Strecke Berlin–Hamburg, komplett lahmgelegt der Raum Leipzig und die Verbindung auf die Insel Rügen. Dazu kamen zahlreiche Probleme auf Nebenstrecken: Weichenstörungen, vereiste Stromleitungen, Schnee auf den Schienen. Die Menschen staunten, wie das Wetter dieses Land der Ingenieure derart ausbremsen konnte.

Jetzt meldet «Spiegel online», dass die Deutsche Bahn lange vor dem ersten Schnee wusste, dass sie bei einem strengen Winter nicht würde standhalten können. Bereits im Oktober habe das Unternehmen in einem internen Bericht festgestellt, dass die Reserven bei eisigem Wetter nicht ausreichen würden. «Strecken, wo sonst nur halbvolle Züge fahren, müssten deshalb ausgedünnt und Züge verkürzt werden, um dann im Ausnahmefall entsprechende Reserven zu haben», so «Spiegel online».

Die Deutsche Bahn habe ein entsprechendes Massnahmenpaket mit dem Namen Prävention Winter 2010/2011 dem Parlament vorgelegt. Ihre Vorschläge: weniger Züge zwischen Köln und Berlin, Köln und Hamburg, Köln und Basel sowie Dortmund und München. Die zurückgestellten Wagen könnten dann als Reserve im Ernstfall dienen. Ausserdem sollten Hunderte zusätzliche Weichenheizungen eingebaut werden.

Nur ein Viertel der neuen Weichenheizungen eingebaut

Doch für die Umsetzung des Plans reichte die Zeit nicht. Zu lange war zuvor bei der Instandhaltung der Infrastruktur gespart worden. Der Frust der Zuggäste richtet sich darum nun verstärkt gegen die Politik statt gegen die Bahn selber. So rief Klaus-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, zu Verständnis für das Unternehmen auf. «Es war geplant, bis zum Wintereinbruch rund 800 neue Weichenheizungen einzubauen. Davon wurden allerdings nur etwa 200 eingebaut», sagte Naumann dem «Hamburger Abendblatt». Schuld daran sei der «Sparzwang», den die deutsche Regierung der Deutschen Bahn mit dem Börsengang auferlegt habe.

Noch deutlicher wird SPD-Verkehrspolitiker Uwe Beckmeyer: Er wirft der Regierung vor, Geld von der Bahn abzuziehen, um den eigenen Staatshaushalt zu sanieren, wie er dem «Hamburger Abendblatt» sagte. Ähnliches sagt auch Rita Pawelski von der CDU. Was man jetzt sehe, seien die «bösen Folgen» des Börsengangs. Die Deutsche Bahn ist verpflichtet, jährlich Dividenden an ihren Eigentümer, den deutschen Staat, auszuschütten.

Möglich, dass das Chaosjahr bei der Deutschen Bahn – im Sommer waren in Zügen die Klimaanlagen ausgefallen – die Politiker zum Umdenken bewegt. So kündigte FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring Gespräche über die Deutsche Bahn im Parlament an. «Das ist Thema im Verkehrsausschuss», sagte er gegenüber Stern.de. «Wir haben zu viel Fahrplan für zu wenig Material.» Nach einer Lösung verlangen auch die verschiedenen Landesregierungen – sie zahlen jährlich Beiträge an den Betrieb der Bahn. «Es kann nicht sein, dass man im Sommer vor Hitze nicht im Zug sitzen kann und der Zug im Winter gar nicht erst losfährt», sagte Jörg Bode, Verkehrsminister von Niedersachsen, der «Neuen Presse». Das System müsse auch funktionieren, wenn mal Schnee falle.

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