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«Die Ausflockungen sind völlig unproblematisch»

In der Schweiz, Italien, Deutschland und Österreich wurde ein Verkaufsstopp für bestimmte Grippe-Impfstoffe von Novartis verhängt. Der Hersteller respektiert den Entscheid, zeigt sich aber enttäuscht.

Von der Sicherheit der Impfstoffe überzeugt: Andrin Oswald im Interview mit der Tagesschau. (25. Oktober 2012)
Von der Sicherheit der Impfstoffe überzeugt: Andrin Oswald im Interview mit der Tagesschau. (25. Oktober 2012)
Screenshot SF

Nach dem Verkaufsstopp für zwei Impfstoffe von Novartis sieht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Engpass bei den Grippeimpfungen verschärft. Es wiederholte heute die Empfehlung an die Ärzte, Risikogruppen und deren Kontaktpersonen bevorzugt zu impfen.

Anfang Woche war das BAG davon ausgegangen, dass in der Schweiz in der nächsten Woche rund eine Million Impfdosen gegen die saisonale Grippe zur Verfügung stehen. Um alle Bestellungen der Spitäler, Arztpraxen und Apotheken zu erfüllen, wären eigentlich 1,3 Millionen Impfdosen nötig.

Der Verkaufsstopp für die beiden Novartis-Impfstoffe Agrippal und Fluad verknappe den Impfstoff nun zusätzlich, teilte das BAG mit. Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic hatte am Mittwoch für die beiden Impfstoffe einen Verkaufsstopp verhängt, weil bei Novartis in Italien Spritzen mit weissen Partikeln aufgetaucht waren.

«Wir würden gern ausliefern»

Gegenüber der «Tagesschau» betonte Novartis am Donnerstagabend, dass man bis anhin keine Nebenwirkungen festgestellt habe bei bereits Geimpften. Es handle sich bei den Ausflockungen um völlig unproblematische Verklumpungen eines Proteins, das im Impfstoff vorhanden sei, nicht um Verunreinigungen.

Andrin Oswald, Leiter Impfstoffsparte bei Novartis sagt, er habe sich selbst damit impfen lassen: «Wir respektieren die Entscheidung von Swissmedic, sind aber auch enttäuscht. Wir sind überzeugt, dass unsere Impfstoffe nicht nur wirksam sondern auch sicher sind und würden sie eigentlich gern ausliefern», sagt er gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Swissmedic wartet auf Informationen

Nach Angaben von Swissmedic betrifft der Novartis-Verkaufsstopp in der Schweiz rund 160'000 Impfdosen. Swissmedic betonte erneut, dass es sich dabei um eine Vorsichtsmassnahme handle.

Angaben von Novartis, wonach die Impfstoffe mit den Verklumpungen alle in Italien produziert und gar nie ausgeliefert worden seien, konnte Lüthi nicht kommentieren.

Weiterhin keinen Impfstoff in die Schweiz liefern kann auch die Firma Crucell. Um den Engpass zu entschärfen, hat das BAG bereits bei mehreren anderen Pharmafirmen zusätzlichen Grippeimpfstoff bestellt. Es geht davon aus, diese Nachlieferungen Mitte November eintreffen. Ab dann dürften gegen eine Million Dosen zur Verfügung stehen.

Keine Panik in den grossen Spitälern

Panik wegen mangelnder Impfstoffe herrscht in der Schweiz nach wie vor nicht, wie eine nicht repräsentative Umfrage der Nachrichtenagentur sda zeigt: Sowohl in den Universitätsspitälern Genf, Lausanne und Bern als auch in Zürich sind zurzeit genug Impfdosen vorhanden, wie es hiess.

Dem Berner Inselspital gelang es, einen Engpass zu verhindern: «Aufgrund von Lieferverzögerungen bei unserem gewöhnlichen Lieferanten Novartis haben wir unsere Bestellung dieses Jahr integral auf einen anderen Lieferanten geändert», teilte es mit.

Die Zürcher Kantonsapotheke hingegen kann seit Mittwoch 35 Prozent der Impfstoffe nicht verwenden, weil diese von Novartis stammen. «Die Kantonsapotheke konnte dafür bereits Ersatz beschaffen, der voraussichtlich in drei Wochen geliefert wird», teilte Andreas Hintermann, Leiter der Kantonsapotheke, auf Anfrage mit.

Eher treffen dürfte der Novartis-Verkaufsstopp Arztpraxen oder kleinere Spitäler, die ihre Grippeimpfstoffe nicht bei verschiedenen Anbietern bestellen und nur auf Novartis gesetzt haben. Es sei nun Sache der Kantonsärzte, zu schauen, dass in ihrem Kanton möglichst alle Risikogruppen geimpft werden könnten, sagte BAG-Sprecherin Mona Neidhart.

Bis die Grippewelle die Schweiz erreicht, bleiben noch ein paar Wochen Zeit. Erfahrungsgemäss ist dies zwischen Dezember und Februar der Fall.

Die Schlagzeilen über die Impfstoffe verunsicherten in der Schweiz dennoch viele Patienten: Wie die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Impffragen Claire-Anne Siegrist berichtete, erhielten die Hausärzte nach dem Auslieferungsstopp Italiens zahlreiche Telefonanrufe. Die Mehrheit dieser Leute ist bereits geimpft und wollte sich beim Arzt nach dem Hersteller ihres Impfstoffes erkundigen.

Nachbarländer reagieren

Einen Tag nach der Schweiz und Italien reagierten auch die Behörden in Österreich und Deutschland: In Deutschland verhängte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut einen teilweisen Verkaufsstopp. Novartis habe sich bereit erklärt, vier Chargen des Grippeimpfstoffs Begripal und eine Charge des Impfstoffs Fluad zurückzunehmen, teilte das Institut mit.

Und das österreichische Gesundheitsministerium riet den Ärzten, auf Alternativpräparate auszuweichen. Swissmedic stehe in Kontakt mit den Nachbarländern, sagte Lüthi dazu.

(SDA)

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