Die Chinesen waren schneller

Swatch-Konzernchef Nick Hayek hätte seine Bezahl-Uhr gerne in der Schweiz lanciert. Doch es harzt an geeigneten Partnern.

Christian Bock, Direktor METAS (links) und Swatch-CEO Nick Hayek präsentieren an einer Medienkonferenz die neue Uhr «Globemaster» von Omega. (21. Oktober 2015)

Christian Bock, Direktor METAS (links) und Swatch-CEO Nick Hayek präsentieren an einer Medienkonferenz die neue Uhr «Globemaster» von Omega. (21. Oktober 2015) Bild: Peter Schneider/Keystone

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«China hat die grösste Mittelklasse der Welt – 300 Millionen Menschen!» Nick Hayek ist trotz schrumpfender Exporte der Uhrenindustrie nach China zuversichtlich, dass das Land ein lukrativer Markt bleibt. Der Rückgang der Uhrenexporte nach China habe auch damit zu tun, dass viele chinesische Touristen ihre Uhren heute im Ausland kauften, wo diese aus Wechselkurs- und Steuergründen billiger seien. Dies sagte der Chef der Swatch-Gruppe am Mittwoch am Rande einer Pressekonferenz der Uhrenmarke Omega.

China ist für den Uhrenkonzern mit Abstand der wichtigste Kunde. Vergangene Woche hat Hayek dort die erste Serie von Swatch-Uhren mit Bezahlfunktion vorgestellt. In die konventionellen Batterieuhren wurde ein Funkchip mit NFC-Technologie eingebaut. Dieser funktioniert – wie bei Chipkarten zur Türöffnung oder bei biometrischen Reisepässen – ohne Batterie. Wird der Chip von einem Magnetfeld aktiviert, sendet er die auf ihm gespeicherte Information aus.

Genauso wie bei Kreditkarten mit NFC-Chip können die Besitzer der neuen Swatch ihre Uhr an das Bezahlterminal im Geschäft halten und so ihren Einkauf bezahlen. Laut Hayek muss jedoch zur Sicherheit jeweils noch der Pin eingegeben werden.

Mit Raiffeisen und Credit Suisse

Da Swatch nur die Uhr verkaufen, nicht aber die Transaktionen abwickeln will, muss die Uhr jeweils an ein existierendes Bezahlsystem gekoppelt werden. In China hat sich Swatch den grössten Debitkartenanbieter als Partner geschnappt: Union Pay. In der Schweiz läuft die Suche nach Partnern harziger, wie Hayek gestern sagte. «Es war mein Wunsch, dass wir die Uhr in der Schweiz lancieren.»

Mit Raiffeisen und der Credit Suisse habe Swatch zwar zwei Banken gefunden. Doch es harze bei den Anbietern, welche die Infrastruktur stellten. Laut Hayek verhinderten diese bisher die Einführung der Bezahl-Swatch mit ihren finanziellen Forderungen. So hätten sie von Swatch unter anderem eine Grundgebühr pro Uhr verlangt. Zudem sei die Idee eines Pre-Paid-Systems diskutiert worden, wobei die Firmen verlangt hätten, dass ein Grundbetrag pro aufgeladenes Guthaben an sie gehe. Hayek nannte unter anderem den Bezahlterminal-Anbieter Aduno. Die dortige Pressestelle dementiert auf Anfrage, dass das Unternehmen ein gemeinsames Projekt mit Swatch verfolge.

«In vielen Ländern, etwa in den USA, Polen oder Malaysia, war man viel offener», so Hayek. Die Bezahl-Uhr mit dem Namen Swatch Bellamy – nach Edward Bellamy, einem Science-Fiction-Autor aus dem 19. Jahrhundert – kommt in China im Januar in den Verkauf. Darauf folgt voraussichtlich der US-Markt, und auch in der Schweiz gehen die Verhandlungen laut dem Konzernchef weiter, so dass die Uhr hier «bald» lanciert werden soll.

Erstellt: 22.10.2015, 16:00 Uhr

Omega

Staatlich geprüfte Pünktlichkeit

Keine mechanische Uhr der Welt schafft es, so genau zu sein wie eine billige Batterieuhr. Trotzdem stecken die Uhrenhersteller Millionen von Franken in die Verbesserung der mechanischen Uhrwerke. Denn die exakte Technik ist ein gutes Marketingargument. Den jüngsten Vorstoss hat Omega lanciert. Die Swatch-Group-Marke lässt ihre mechanischen Uhrwerke bereits wie andere Luxushersteller von der Uhrenprüfstelle Cosc auf Herz und Nieren prüfen. Pro Tag dürfen die Werke nicht mehr als 6 Sekunden vor- und 4 Sekunden nachgehen.

In Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie (­Metas) hat Omega nun einen noch strengeren Qualitätsstandard entwickelt. Bis 2020 soll dieser für praktisch alle Omega-Uhren mit Co-Axial-Werk gelten, dem neuen Uhrwerkstyp der Marke. Diese Uhrwerke dürfen pro Tag nur noch maximal 5 Sekunden zu schnell laufen. Zu langsam laufen dürfen sie überhaupt nicht mehr. Zudem werden die Uhren einem starken Magnetfeld ausgesetzt, welches sie nur dank neuartiger, nicht magnetischer Komponenten überstehen. Dazu kommt ein Wasserbad mit einem simulierten Druck von 1500 Metern unter der Wasseroberfläche und ein anschliessendes Erhitzen auf 50??Grad. Nach Bestehen des 10 Tage dauernden Tests verleiht Metas den Uhren das Label «Master Chronometer». Um die Methoden von Omega zu prüfen und Stichproben zu nehmen, hat Metas am Omega-Sitz in Biel ein eigenes Büro eingerichtet.

Metas-Direktor Christian Bock betonte an der gestrigen Präsentation des Labels, dass Omega für den Aufwand von Metas bezahle. Der Qualitätsstandard und das Label stehe allen Uhrenherstellern offen, welche sich von Metas zertifizieren lassen wollen. Dazu müssten sie jedoch wie Omega ein eigenes Testlabor aufbauen. Als Mitinitiantin des Labels hat die Marke den Vorteil, dass sie bei den technischen Anforderungen mitreden durfte und diese auf ihre Uhren münzen konnte. Trotzdem haben laut Metas-Direktor Bock bereits weitere Hersteller Interesse am Label angemeldet. (sul)

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