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Die Credit Suisse hat ihren Mini-Adoboli

In der Londoner Investmentbank der Credit Suisse wurde ein Händler gefeuert – weil er auf ähnliche Art wie der ehemalige UBS-Angestellte Kweku Adoboli spekulierte und dabei Verluste auftürmte.

Die Risikokontrolle funktioniert auch bei der CS nicht perfekt: Gebäude der CS im Londoner Viertel Canary Wharf.
Die Risikokontrolle funktioniert auch bei der CS nicht perfekt: Gebäude der CS im Londoner Viertel Canary Wharf.
AFP
Ähnlich, aber in viel kleinerem Ausmass wie bei der UBS, vermochte ein einzelner Händler am so genannten Delta-One-Desk grössere Verluste aufzutürmen.
Ähnlich, aber in viel kleinerem Ausmass wie bei der UBS, vermochte ein einzelner Händler am so genannten Delta-One-Desk grössere Verluste aufzutürmen.
Keystone
Auch Jérôme Kerviel war am Delta-One-Desk tätig: Der ehemalige Angestellte von Société Générale wurde im Oktober 2012 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Auch Jérôme Kerviel war am Delta-One-Desk tätig: Der ehemalige Angestellte von Société Générale wurde im Oktober 2012 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
Keystone
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Rohit Jha heisst der Händler, den die Credit Suisse diese Woche entlassen hat. Der Mann soll dem Investmentbanking im vergangenen Dezember einen Verlust von über 6 Millionen Dollar durch Spekulationen mit ETF-Papieren beschert haben. Dies berichtet das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider aus der Bank.

Die CS bestätigt den Vorfall und die genannte Summe. Zwischenzeitlich sei die Handelsposition beinahe 20 Millionen Dollar im Minus gewesen, heisst es im Bericht weiter. Freigestellt wurde auch der Vorgesetzte des fehlbaren Händlers, Matthew Tagliani. Er war Leiter des ETF-Handels in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.

Ähnliches Muster

Damit hat auch die Credit Suisse einen kleinen Handelsskandal in der Londoner Investmentbank. Ähnlich wie bei der UBS im Fall Adoboli ist dabei die Aktienabteilung und dort das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds, sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs), betroffen.

Aus Anlegersicht sind diese Fonds zwar keine riskanten Investments. Trotzdem können Händler im Geschäft mit ETFs und deren Bestandteilen grössere Risiken eingehen, sofern sie ihre Positionen nicht ausreichend absichern. Bei der Credit Suisse blieb eine solche Position offenbar während über zwei Wochen unentdeckt, schreibt das «Wall Street Journal». Die Credit Suisse will nun untersuchen, wie die Aktivitäten des Händlers durch die Maschen des Risikomanagements schlüpfen konnten.

Als Praktikant zur CS gestossen

Weil sie die riskanten Geschäfte von Kweku Adoboli über Jahre nicht entdeckte, musste die UBS im vergangenen Herbst herbe Kritik einstecken und eine saftige Busse bezahlen. Adobolis Handelsverluste fielen in eine andere Dimension als jene des CS-Händlers Rohit Jha: An einem Punkt waren dort 12 Milliarden Dollar in Gefahr, zum Schluss wurde der Schaden auf 2,3 Milliarden Dollar beziffert.

Anders als bei der UBS meldeten bei der Credit Suisse die Arbeitskollegen des Händlers dessen Aktivitäten innerhalb der Bank. Die CS hat daraufhin die Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) informiert, welche nun Ermittlungen in der Sache führt. Laut dem «Wall Street Journal» hat sich die CS als führender Akteur im europäischen ETF-Handel etabliert. Dies, obwohl die Bank seit dem Verkauf der Sparte an Blackrock selbst keine ETF-Fonds mehr herstellt.

Über Rohit Jha ist bekannt, dass er am Delta-One-Desk der CS arbeitete. In diesem Bereich, wo kleine Preisdifferenzen ausgenutzt werden, um Profite zu erzielen, waren auch Kweku Adoboli bei der UBS und Jérôme Kerviel bei der Société Générale beschäftigt. Gemäss LinkedIn erhielt Jha seine Vollzeitstelle bei der CS im Juli 2009, nachdem er ein Jahr zuvor als Praktikant bei der Bank eingestiegen war. Seine Karriere begann Jha beim indischen IT-Unternehmen Infosys, wo er sich mit den Risikomanagementsystemen von Kunden wie Goldman Sachs beschäftigte.

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