Was der Ex-CS-Mann erzählt, tönt wie eine Seifenoper

45 Millionen gestohlen – aus Liebe: Jetzt bricht ein früherer Mitarbeiter sein Schweigen in der Bankaffäre um Milliardenanleihen in Moçambique.

Ist geständig: Der Ex-CS-Angestellte Andrew Pearse hat für sich und seine Geliebte, Detelina Subeva, Geld gestohlen. Foto: Getty Images

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Für die Credit Suisse ist sie gleichzeitig ein Reputationsdebakel und ein finanzielles Risiko: die 2-Milliarden-Dollar-Anleihe, die Moçambique 2012 in drei Tranchen aufgenommen hat, obwohl es damit gegen Abmachungen mit dem Internationalen Währungsfonds verstiess.

Bei zweien dieser An­leihen, die die CS zusammen mit der russischen Staatsbank VTB organisiert hat und die ein Volumen von knapp 1,5 Milliarden Dollar hatten, war die CS federführend. Eine dritte Anleihe über 535 Million Dollar verantwortet die russische Staatsbank VTB allein.

Finanziert wurde mit den Krediten eine Thunfischfangflotte, die Küstenüberwachung sowie Hafeninfrastruktur. Allein, die Gelder wurden in grossem Stil veruntreut. 200 Millionen sind im Sumpf der Korruption versunken, und Moçambique wurden 2016, als der Skandal publik wurde, alle Kreditlinien gestrichen. Moçambiques Wirtschaft befindet seither in einer tiefen Rezession.

Anleihe umgewandelt

Seit einiger Zeit versucht das bettelarme südafrikanische Land wieder kreditfähig zu werden. Vor anderthalb Monaten bekam es von den Gläubigern die Zusicherung, dass eine Eurobond-An­leihe über 727 Millionen Dollar, die 2023 fällig geworden wäre, in einen Kredit von 900 Millionen mit einer Fälligkeit zwischen 2028 und 2031 umgewandelt wird. Das wurde als Durchbruch gewertet.

Nun sieht es danach aus, als ob sich die russische Bank VTB mit dem afrikanischen Land auf die Umschuldung der dritten Tranche der 2-Milliarden-An­leihe einigen kann. VTB-Chef Andrei Kostin reiste letzte Woche eigens in Moçambiques Hauptstadt Maputo, um sich mit Präsident Filipe Nyusi darauf zu einigen, bis spätestens Ende Jahr eine Lösung zu finden. Der Deal ist in Zusammenhang mit den russischen Ambitionen in Afrika zu sehen.

Hafen von Maputo: Mit den Krediten wurde eine Thunfischfangflotte, die Küstenüberwachung sowie Infrastruktur finanziert. Foto: Reuters

Letzte Woche fand in Sotschi ein russisch-afrikanischer Gipfel mit 40 Staats- und Regierungschefs und 10'000 Teilnehmern aus 54 Staaten statt. Rund dreissig Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion will Moskau sich dem Kontinent wieder politisch, ökonomisch und militärisch annähern. Die VTB sagte am Donnerstag denn auch ganz offen, sie sei daran interessiert, russische Investoren nach Moçambique zu bringen. Das Land verfügt über eine bedeutende Agrarindustrie sowie grosse Öl- und Gasvorräte.

Keine Einigung gibt es hingegen für die Credit Suisse. Sie hat zwar auch versucht, den Konflikt beizulegen, doch das ist laut CS-Sprecher Dominique Gerster nicht gelungen. «Während mehr als eines Jahres hat sich die CS bemüht, einen Beitrag zur Lösung der aktuellen Situation in Moçambique zu leisten. Die Bank war federführend in einer Kreditgeber-Arbeitsgruppe zur Führung von Verhandlungen mit Moçambique», sagt Gerster. Diese Verhandlungen, die von den internationalen Rechts- und Finanzvertretern von Moçambique geführt worden seien, seien inzwischen von Moçambique abgebrochen worden. Dies, als der Staat Anfang Jahr beschlossen habe, ein Gerichtsverfahren gegen die Credit Suisse in London einzuleiten.

Im Juni hat ein Gericht in Moçambique zudem festgestellt, dass die Kredite illegal waren und darum der Staat nicht hafte. Moçambique verlangt darum von der CS, dass sie für die Anleihen hafte und bei allfälligen Umschuldungen Garantien übernehme. CS-Sprecher Gerster sagt dazu: «Die Bank wird in angemessener Weise vor Gericht zu den vorgebrachten Anschuldigungen von Moçambique Stellung nehmen, ist aber immer für einen konstruktiven Austausch mit Moçambique bereit.»

Liebe, Sex und Korruption

Ein weiterer Schauplatz der Affäre ist New York. Dort findet im Moment ein Prozess gegen drei ehemalige Credit-Suisse-Mit­arbeiter und fünf weitere Geschäftsleute statt. Dies, weil die Moçambique-Anleihen amerikanischen Anlegern verkauft wurden, die sich nun betrogen fühlen.

In New York nicht angeklagt ist die CS selber. Die Bank stellt sich auf den Standpunkt, es handle sich bei der Affäre um kriminelle Machenschaften von ehemaligen Mitarbeitern ihrer Londoner Niederlassung. Mit dieser Argumentation konnte die CS die amerikanischen Staatsanwälte überzeugen. Alle angeklagten CS-Mitarbeiter, zwei Männer und eine Frau, sind geständig. Im Moment sagt einer von ihnen, Andrew Pearse, aus.

Auch wenn die CS direkt nicht involviert ist, das Bild, das ihre Ex-Mitarbeiter abgeben, ist nicht gerade vorteilhaft fürs Image.

Was Pearse erzählt, tönt wie eine Seifenoper. Er hat zugegeben, 45 Millionen Franken an Schmiergeldern für sich und seine damalige Freundin Detelina Subeva, ebenfalls eine angeklagte Ex-CS-Mitarbeiterin und angeblich die Liebe seines Lebens, abgezweigt zu haben. Pearse behauptet weiter, er und Subeva hätten ihre Liebe bei der CS geheim gehalten. Er sei bei der CS ausgeschieden und habe eine eigene Firma gegründet, die die Kredite arrangiert habe. Subeva sei später nachgekommen. So hätten sie die Romanze fortsetzen können.

Pearse belastete zudem einen ehemaligen Geschäftspartner und den franko­libanesischen Milliardär Iskandar Safa schwer. Safa, der die Schiffe und Hafenanlagen lieferte, sei der Hauptprofiteur der Affäre, denn die Waren seien überteuert gewesen.

Andrew Pearse nennt sie die Liebe seines Lebens: Ex-CS-Mitarbeiterin Detelina Subeva. Foto: Getty Images

Pearse behauptet weiter, dem Sohn des ehemaligen Präsidenten von Moçambique 50 Millionen Dollar Schmiergeld gezahlt zu haben dafür, dass dieser den Zugang zum Präsidenten er­möglichte. Erst als der Präsidentensohn nochmals 12 Millionen wollte für ein Haus in Südfrankreich, das er seiner Geliebten – eine Ex-Prostituierte, in die er sich verliebt hatte – schenken wollte, kam es zum Krach.

Die so Angeschuldigten bestreiten alles und nennen Pearse einen Lügner, der dank eines Deals mit der Staatsanwaltschaft möglichst gut davonkommen wolle. Der Prozess in New York, über den weltweit berichtet wird, dürfte noch einige Wochen fortdauern. Auch wenn die CS direkt nicht in­volviert ist, das Bild, das dort ihre Ex-Mitarbeiter abgeben, ist nicht gerade vorteilhaft fürs Image.

Erstellt: 27.10.2019, 21:33 Uhr

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