«Im privaten Gespräch schwärmte er von Asien»

CS-Chef Tidjane Thiam präsentierte überraschend gute Zahlen der Grossbank. Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Wirtschaftsredaktor Robert Mayer weiss, warum, und er sagt, wo die Probleme liegen.

«Während des offiziellen Teils war eine gewisse Anspannung spürbar»: Tidjane Thiam während der Pressekonferenz. Foto: Keystone

«Während des offiziellen Teils war eine gewisse Anspannung spürbar»: Tidjane Thiam während der Pressekonferenz. Foto: Keystone

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Robert Mayer, Sie waren heute an der Medienkonferenz der Credit Suisse. Was sagen Sie zum Resultat im zweiten Quartal?
Die Zahlen sind sehr gut. Über allen Erwartungen. Vor allem das Vermögensverwaltungsgeschäft hat stark abgeschnitten. Ein besonderer Wachstumstreiber ist die Region Asien-Pazifik, und das nicht nur in der Vermögensverwaltung, sondern auch im Aktienhandel.

Wieso?
Die Credit Suisse hat im asiatischen Raum eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Vermögensverwaltung und Investmentbanking. Das entspricht den Bedürfnissen der Kunden in dieser Region. Oft haben diese ein eigenes Unternehmen gegründet, befinden sich im Aufbruch und kommen auch zu Vermögen. Und wenn es da gelingt, Produkte anzubieten, die den Kunden bei deren Geschäften helfen, dann kommen sie unweigerlich auch als Privatanleger zur CS. Die Bank konzentriert sich dementsprechend stark auf diese Unternehmertypen und hat sich in Asien einen Ruf geschaffen, für diese Kundengruppe ein attraktiver Partner zu sein.

Geht dieser Boom im Asiengeschäft weiter?
Der neue Chef, Tidjane Thiam, ist fest davon überzeugt, dass der Wachstums- und Aufbruchstrend noch lange anhalten wird. Das hat er nach der Medienkonferenz auch im persönlichen Gespräch noch einmal herausgestrichen. Vor allem in China wird es seiner Ansicht nach weiterhin steil bergauf gehen.

Warum konnte die CS im Investmentbanking nicht an das gute Vorquartal anschliessen?
Dort ist vor allem der Anleihenhandel zurückgegangen. Das hatte nicht zuletzt mit der Unsicherheit bezüglich Griechenland und dem Einbruch des chinesischen Aktienmarkts zu tun. Die Credit Suisse war da aber nicht allein: Auch die grossen amerikanischen Investmentbanken mussten Einbussen in Kauf nehmen.

Thiam will gemäss Mitteilung die Optimierung des Geschäftsportfolios überprüfen. Ist das mehr als eine Floskel?
Er will nach eigenem Bekunden eine schonungslose Bestandsaufnahme aller Geschäfte vornehmen. Mit dem Ziel, ein neues und optimiertes Geschäftsmodell für die Credit Suisse zu entwickeln. Optimiert einerseits, um Ergebnisschwankungen namentlich im Investmentbanking auszugleichen. Und andererseits, um mit einem geringeren Kapitaleinsatz zu arbeiten. Die Credit Suisse verfügt im internationalen Branchenvergleich über wenig Eigenkapital. Da muss die Bank zulegen, und das weiss auch Thiam.

Die «Financial Times» berichtete vorab, Thiam wolle das Asset-Management, die institutionelle Vermögensverwaltung, der Bank mit Zukäufen stärken. Was will er konkret kaufen?
Dazu blieben seine Aussagen wenig konkret. Er sagte lediglich, die institutionelle Vermögensverwaltung sei durchaus ein attraktives Geschäft, in dem sich auch für die Credit Suisse Wachstumschancen bieten würden.

Wie wirkte Thiam?
Während des offiziellen Teils war eine gewisse Anspannung spürbar. Thiam hat zwar ausführlich auf die Fragen der Journalisten geantwortet, inhaltlich blieb aber vieles vage. Im privaten Gespräch kam er dann vor allem ins Schwärmen über die Chancen, die sich auf den Märkten in Asien bieten. Da war er dann viel lockerer und zugänglicher.

Erstellt: 23.07.2015, 14:57 Uhr

Robert Mayer, Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Wirtschaftsredaktor.

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