Die CS wählte den teuren Weg

Wer an die Finanzkrise und die Folgen in der Schweiz denkt, denkt vor allem an die Rettung der UBS. In diesem Geschichtsbild kommt die Credit Suisse allerdings zu gut weg. 

Blick auf den Zürcher Paradeplatz und den Hauptsitz der Credit Suisse. Foto: Urs Jaudas

Blick auf den Zürcher Paradeplatz und den Hauptsitz der Credit Suisse. Foto: Urs Jaudas

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In diesem Herbst jährt sich die Rettung der UBS durch den Bund und die Nationalbank zum zehnten Mal. Die Credit Suisse dagegen schien damals alles richtig gemacht zu haben. In einer am 16. Oktober 2008, dem Tag der UBS-Rettung, publizierten Pressemitteilung schrieb die Bank unbescheiden: «Die Credit Suisse ist weiterhin äusserst solide aufgestellt, und ihre Stärken bleiben unbestritten: das klare und konsistente Geschäftsmodell, die konservative Refinanzierungsstruktur, die erfolgreiche Bewirtschaftung der Liquiditätspositionen und eine Kapitalausstattung, wie sie weltweit kaum eine Bank hat.» Deshalb, so teilte die CS mit, sei sie nicht auch auf eine Rettung angewiesen.

Tatsächlich stand die Credit Suisse in jenen Tagen besser da als die UBS. Ihr Engagement in US-Schrottpapieren hat sie bereits im Vorfeld der Finanzkrise abzubauen begonnen, weshalb sie im Vergleich deutlich geringere Abschreiber und Kreditverluste verzeichnen musste: 19Milliarden Dollar im Vergleich zu 53 Milliarden bei der UBS von 2007 bis Mitte 2009. Der CS-Verlust im Katastrophenjahr 2008 lag lediglich bei 8,2 Milliarden Franken, bei der UBS belief sich der Verlust dagegen auf 21,3 Milliarden Franken.

Die Kapitalstärke war nur behauptet

Doch die Credit Suisse konnte nur im Vergleich zur anderen Schweizer Grossbank glänzen. Absolut gesehen sah es anders aus. Am Ende des dritten Quartals 2008 belief sich das Eigenkapital der CS auf nur gerade 2,7 Prozent der gesamten Bilanzsumme, was im krassen Gegensatz zur behaupteten Kapitalstärke stand. Das verursachte auch den Behörden Bauchschmerzen: «Im Sommer 2008 haben Eidgenössische Bankenkommission (EBK) und Schweizerische Nationalbank von beiden Grossbanken ein deutlich höheres Eigenkapitalpolster gefordert», erinnert sich der damalige Chef der EBK, Daniel Zuberbühler, und ergänzt: «Die Credit Suisse hat das damals besonders heftig bekämpft.»

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Wie zu erfahren war, hat sich ihr damaliger Verwaltungsratspräsident Walter Kielholz an den Bundesrat gewandt, um die ­Forderung abzuwenden. In bürgerlichen Kreisen und bei der Bankiervereinigung stiess das Ansinnen der Behörden auf Unverständnis und wurde heftig kritisiert. «Noch am Bankiertag vom 18. September 2008, vier Tage nach dem Lehman-Kollaps, hielt der damalige Präsident der Bankiervereinigung, Pierre Mirabaud, eine Brandrede gegen einen schweizerischen Alleingang bei den Eigenmittelvorschriften für Grossbanken», erzählt Ex-EBK-Chef Zuberbühler und ergänzt, «da er nicht in die laufenden Rettungspläne eingeweiht war, betonte er auch, dass in der Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern kein Steuerfranken zur Rettung einer Bank aufgewendet wurde».

Laut Zuberbühler war es vor allem der damalige SNB-Vize Philipp Hildebrand, der der für die Massnahme zuständigen EBK dringend geraten hat, auf keinen Kompromiss einzugehen. Das tat sie denn auch nicht. Angesichts ihrer Kapitalknappheit war auch die Credit Suisse eingeladen worden, wie die UBS Kapital der SNB und des Bundes anzunehmen. Im letzten Moment ­gelang es ihr aber, Geld von ­privater Seite zur Stärkung ihrer Bilanz aufzutreiben. Im Vordergrund stand damals der Staatsfonds von Katar, der 10 Milliarden Franken in die Schweizer Grossbank investiert hat. Was die Öffentlichkeit damals aber nicht wusste: Weil der rettende Staatsfonds das Geld nicht flüssig hatte, half ihm die Credit Suisse selbst mit einem entsprechenden Kredit aus. Das Geld, das die Katarer in die Schweizer Grossbank investierten und womit diese sich brüstete, kam von der gleichen Credit Suisse, indem sie es durch einen Kredit schuf.

Die Kosten für die Rettungsgelder beliefen sich pro Jahr auf über eine halbe Milliarde Franken.

Die Bankenkommission war über dieses Vorgehen alles andere als begeistert. «Dieser Kredit kam bei uns nicht gut an», erinnert sich Daniel Zuberbühler, «unsere Bedingung war dann: Wenn der Kredit bis Ende Jahr nicht zurückbezahlt wird, rechnen wir das neue Kapital nicht an.» Unter diesem Druck kam die Rückzahlung dann fristgerecht zustande. Die Araber liessen sich ihre Hilfe jedoch teuer bezahlen. Anders wäre damals niemand bereit gewesen, Geld in eine Bank zu investieren. Die hauptsächlich (aber nicht nur) durch Katar bereitgestellten Mittel flossen zum einen über den Kauf von CS-Aktien für 3,2 Milliarden Franken aus dem Eigenbestand der Bank, der Rest über spezielle Anleihen. Auf den Anleihen zahlte die Bank jährlich einen Zins von bis zu 9,5 Prozent. Die Kosten für die Rettungsgelder beliefen sich pro Jahr auf rund 550 Millionen Franken. Erst ­diesen Oktober kann die Bank die ausserordentlich teure Unterstützung ablösen.

Der UBS beziehungsweise dem Stabilitätsfonds, der zur Rettung der Grossbank errichtet wurde, wurden für die von der SNB erhaltenen Gelder deutlich geringere Zinssätze verrechnet: Sie entsprachen dem einmonatigen Libor plus 2,5 Prozent. Dieser Libor lag im Oktober 2008 zwar noch bei 1,9 Prozent, im Januar 2009 aber nur noch bei 0,3 Prozent und schrumpfte dann rasch weiter Richtung Nullgrenze. Insgesamt erhielt die SNB für ihr Darlehen 1,6 Milliarden Franken an Zinsen – die Araber dagegen von der Credit Suisse einen Zinsbetrag in der geschätzten Grössenordnung von 5,5 Milliarden Franken.

Die UBS hat aus ihren Fehlern schneller gelernt

Die Schmach, die mit ihrer Rettung verbunden war, hat dazu geführt, dass die UBS die Fehlstrukturen, die zur Krise geführt haben, sehr viel rascher bereinigt hat als die Credit Suisse. Letztere schien ihre Nichtrettung als Erfolg einer klugen Geschäftspolitik zu interpretieren. «Nach der Krise hat die Credit Suisse die Entwicklung im Bankensektor verschlafen und am Investmentbanking festgehalten, anstatt sich auf ihre traditionellen Stärken in der Vermögensverwaltung zu konzentrieren», sagt der heute für Research Partners tätige Bankenanalyst Rainer Skierka. Erst später habe die Bank dann das erfolgreiche Geschäftsmodell der UBS kopiert, die mit dem Umbau 3 bis 5 Jahre früher voranging. Nicht anders sieht das auch der einstige Bankenaufseher Daniel Zuberbühler mit Verweis auf den Credit-Suisse-CEO Brady Dougan in den Jahren der Krise und danach: «Der einstige Investmentbanker Brady Dougan wollte seinen alten Bereich nicht stark zurückfahren, das konnte erst sein Nachfolger Tidjane Thiam.»

Befragte Experten sind dennoch der Ansicht, dass es richtig war, dass sich die CS 2008 nicht ebenfalls auf die Nationalbank und den Bund abgestützt hat. «Es war besser, dass die CS nicht auch Staatsgelder angenommen hat. Sie war damals trotz Problemen auch viel besser dran als die UBS», sagt etwa Daniel Zuberbühler. Die Credit Suisse wollte zu den Ereignissen im Jahr 2008 keine Stellung nehmen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 27.09.2018, 21:16 Uhr

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